Schweizer Autokäufer legen bei der Anschaffung eines neuen Fahrzeugs grössten Wert auf den Preis. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass drei Viertel der Befragten ihr Budget als Hauptkriterium nennen. Dieser Fokus auf die Kosten beeinflusst auch die Wahl des Antriebs und die Herkunft der Fahrzeuge.
Wichtige Erkenntnisse
- Drei Viertel der Autokäufer priorisieren das Budget.
- Frauen planen durchschnittlich 10'000 Franken weniger für einen Autokauf ein als Männer.
- Das Interesse an Elektro- und Hybridautos steigt, Verbrenner verlieren an Beliebtheit.
- Chinesische E-Autos gewinnen an Akzeptanz, während US-Modelle wie Tesla an Attraktivität verlieren.
- Deutschland bleibt führend bei der Beliebtheit von E-Autos.
Budget und Verbrauch dominieren die Kaufentscheidung
Die Sparmentalität prägt den Schweizer Automarkt. Eine kürzlich veröffentlichte Umfrage der Axa belegt, dass 75 Prozent der Autokäufer den Preis als entscheidendes Kriterium für ihre nächste Anschaffung betrachten. Dies unterstreicht einen klaren Trend: Schweizerinnen und Schweizer sind preissensibel.
Direkt nach dem Preis folgt der Verbrauch mit 56 Prozent als zweitwichtigster Faktor. Komfort (49 Prozent), Sicherheit (44 Prozent) und Reichweite (42 Prozent) spielen eine geringere Rolle. Auch der Stauraum (38 Prozent) sowie Marke und Optik (jeweils ein Drittel) sind für die Mehrheit der Befragten weniger ausschlaggebend.
Fakten zur Kaufentscheidung
- 75%: Preis ist wichtigster Faktor.
- 56%: Verbrauch ist zweitwichtigster Faktor.
- 30'000 Franken: Durchschnittliches Budget für den nächsten Autokauf.
- 10'000 Franken: Weniger Budget bei Frauen im Vergleich zu Männern.
Kauf aufgeschoben oder auf günstigere Optionen ausgewichen
Die aktuelle geopolitische und wirtschaftliche Unsicherheit wirkt sich direkt auf das Konsumverhalten aus. Über ein Drittel der Befragten verschiebt den Autokauf aus Kostengründen komplett. Michael Hermann, Geschäftsführer des Instituts Sotomo, das die Studie für Axa durchführte, sieht darin eine direkte Folge der allgemeinen Verunsicherung der Bevölkerung.
«Die geopolitische und wirtschaftliche Lage scheint die Bevölkerung zu verunsichern, sodass viele bei grossen Anschaffungen wie dem Autokauf zurückhaltend sind», erklärt Michael Hermann.
Diese Einschätzung wird durch die schwachen Verkaufszahlen der Schweizer Auto-Importeure untermauert. Im ersten Halbjahr 2026 wurden rund 116'600 Autos verkauft. Vor der Pandemie lag diese Zahl noch bei bis zu 150'000 Fahrzeugen.
Viele Konsumenten suchen nach Sparstrategien. 58 Prozent ziehen den Kauf einer Occasion einem Neuwagen vor. Weitere 27 Prozent weichen auf eine günstigere Marke aus, während 26 Prozent ein kleineres Auto in Betracht ziehen. Das durchschnittliche Budget für den nächsten Autokauf liegt bei 30'000 Franken. Auffällig ist, dass Frauen im Schnitt rund 10'000 Franken weniger für einen Autokauf einplanen als Männer.
Wandel bei den Antriebsarten: E-Autos gewinnen an Boden
Die Betriebskosten eines Fahrzeugs rücken ebenfalls stärker in den Fokus. Der hohe Benzinpreis verstärkt diesen Trend. Dies führt zu einer deutlichen Verschiebung der Präferenzen bei den Antriebsarten. Nur noch 39 Prozent der Kaufwilligen möchten einen Verbrenner anschaffen, ein Rückgang von neun Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr.
Im Gegensatz dazu steigt das Interesse an alternativen Antrieben. 30 Prozent der Befragten ziehen einen reinen Stromer in Betracht. Weitere 31 Prozent planen den Kauf eines Hybrid- oder Plug-in-Hybridfahrzeugs. Die Offenheit gegenüber Elektroautos ist in den letzten Jahren relativ konstant geblieben: Etwa 60 Prozent können sich grundsätzlich vorstellen, einen Stromer zu kaufen. Für knapp 30 Prozent kommt ein E-Auto jedoch keinesfalls infrage.
Entwicklung der Antriebspräferenzen
- 39%: Verbrenner (Rückgang von 48% im Vorjahr).
- 30%: Reiner Stromer.
- 31%: Hybrid oder Plug-in-Hybrid.
Chinesische Hersteller auf dem Vormarsch, Tesla verliert
Die Sparmentalität der Schweizer Autokäufer kommt besonders den Herstellern aus China zugute. Mittlerweile können sich 43 Prozent der potenziellen Schweizer E-Auto-Käufer vorstellen, einen chinesischen Stromer zu erwerben. Dies entspricht einem Anstieg von 6 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr 2025.
Auch japanische (59 Prozent) und koreanische (50 Prozent) E-Autos erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Viele europäische Herstellerländer haben hingegen Marktanteile verloren. Eine klare Ausnahme bildet Deutschland, das weiterhin mit grossem Abstand an der Spitze der beliebtesten Herstellerländer liegt. 84 Prozent der angehenden Stromer-Käufer können sich vorstellen, ein deutsches E-Auto zu kaufen.
Beliebtheit von E-Auto-Herstellerländern
- Deutschland: 84% der potenziellen Käufer.
- Japan: 59% der potenziellen Käufer.
- Korea: 50% der potenziellen Käufer.
- China: 43% der potenziellen Käufer (Zunahme um 6 Prozentpunkte).
- USA: 21% der potenziellen Käufer.
Im Gegensatz dazu liegt der Wert für die USA bei lediglich 21 Prozent. Das Image des Elektro-Pioniers Tesla scheint in der Schweiz weiterhin beschädigt zu sein. Dies wird unter anderem auf die Unterstützung von Elon Musk für US-Präsident Donald Trump zurückgeführt, was bei Schweizer Konsumenten offenbar auf wenig Gegenliebe stösst.
Langfristige Auswirkungen auf den Schweizer Automarkt
Die aktuellen Trends zeigen, dass der Schweizer Automarkt einem tiefgreifenden Wandel unterliegt. Der Fokus auf den Preis und die Betriebskosten wird voraussichtlich anhalten, was die Nachfrage nach kostengünstigeren und effizienteren Fahrzeugen weiter antreiben wird. Dies eröffnet insbesondere asiatischen Herstellern neue Chancen.
Gleichzeitig wird die Transformation hin zur Elektromobilität weiter voranschreiten. Die Entwicklung der Ladeinfrastruktur und die Verfügbarkeit von attraktiven E-Modellen zu wettbewerbsfähigen Preisen werden entscheidend sein, um die verbleibenden Vorbehalte gegenüber Stromern abzubauen und den Marktanteil weiter zu erhöhen.
Die Präferenzen der Schweizer Autokäufer signalisieren eine klare Richtung: Pragmatismus und Kostenbewusstsein dominieren, während traditionelle Markentreue und Image an Bedeutung verlieren.





