Ein Jahr nach seinem Kreuzbandriss kehrt der Schweizer Handball-Nationalspieler Manuel Zehnder am Yellow Cup in Winterthur auf das Spielfeld zurück. Es ist eine Rückkehr an den Ort, der seine Karriere vorübergehend stoppte und nun den Neuanfang markieren soll.
Für den 26-jährigen Spielmacher schliesst sich damit ein Kreis. Genau vor einem Jahr, während des traditionellen Turniers in der AXA Arena, zog er sich die schwere Knieverletzung zu. Nun, nach zwölf Monaten harter Rehabilitation, ist er bereit für sein Comeback – ausgerechnet auf demselben Parkett.
Das Wichtigste in Kürze
- Manuel Zehnder gibt nach einem Jahr Verletzungspause sein Comeback für die Schweizer Nationalmannschaft.
- Die Rückkehr findet am Yellow Cup in Winterthur statt, wo er sich im Vorjahr das Kreuzband riss.
- Die Verletzung kostete ihn die Teilnahme an der Weltmeisterschaft und eine lange Pause bei seinem Klub SC Magdeburg.
- Der Yellow Cup dient dem Nationalteam als letzte Vorbereitung für die anstehende Europameisterschaft.
Ein emotionaler Neuanfang
Der Moment der Verletzung im Januar 2025 ist vielen Handballfans noch in Erinnerung. Mitten in der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft verdrehte sich Zehnder das linke Knie – die Diagnose: Riss des vorderen Kreuzbandes. Eine monatelange Zwangspause war die Folge. Dass sein erstes Spiel nach dieser langen Leidenszeit nun wieder in Winterthur stattfindet, sieht der Profi als positives Zeichen.
"Eigentlich bin ich fast froh, dass es dort wieder beginnt", so Zehnder über seine Rückkehr an den Ort des Geschehens.
Diese Aussage unterstreicht seine mentale Stärke und den Willen, das traumatische Erlebnis hinter sich zu lassen und es in einen symbolischen Neustart zu verwandeln. Anstatt den Ort zu meiden, stellt er sich der Erinnerung und will das Kapitel mit einer positiven Erfahrung abschliessen.
Der lange Weg zurück
Die vergangenen zwölf Monate waren für Zehnder von intensiver Reha-Arbeit geprägt. Der Weg zurück aufs Spielfeld war lang und erforderte Geduld und Disziplin. Er verbrachte die erste Hälfte der Rehabilitation in der Schweiz, bevor er zu seinem Verein nach Deutschland zurückkehrte.
Die ersten zehn bis elf Monate bestanden hauptsächlich aus individuellem Training, um die Muskulatur wieder aufzubauen und die Stabilität im Knie wiederherzustellen. Erst im Dezember 2025 konnte er wieder Teile des Mannschaftstrainings absolvieren, zunächst jedoch nur Übungen ohne Körperkontakt.
Was ist ein Kreuzbandriss?
Ein Riss des vorderen Kreuzbandes (ACL) ist eine der häufigsten und schwersten Knieverletzungen im Sport. Das Band stabilisiert das Kniegelenk bei Drehbewegungen und schnellen Stopps. Die Heilung nach einer Operation dauert in der Regel zwischen neun und zwölf Monaten, bevor eine Rückkehr zum Leistungssport möglich ist.
Die schrittweise Steigerung der Belastung war entscheidend, um kein Risiko einzugehen. Inzwischen hat er von den Ärzten grünes Licht für den vollen Einsatz bekommen. Das operierte Knie ist stabil und bereitet keine Probleme mehr.
Schritte der Rehabilitation
- Phase 1 (Erste 6 Monate): Rehabilitation in der Schweiz mit Fokus auf Heilung und grundlegendem Muskelaufbau.
- Phase 2 (bis Monat 11): Rückkehr zum Klub SC Magdeburg für individuelles Aufbautraining und erste Übungen am Ball.
- Phase 3 (ab Dezember): Schrittweise Integration ins Mannschaftstraining, zunächst ohne Zweikämpfe.
- Phase 4 (Januar 2026): Volle Trainingsfreigabe und Vorbereitung auf das Comeback.
Vorsichtige Heranführung im EM-Test
Obwohl Zehnder physisch wieder bereit ist, wird der Trainerstab ihn behutsam an die Wettkampfbelastung heranführen. Ein Trainingsspiel ist nicht mit dem Tempo und der Intensität eines Ernstkampfes zu vergleichen. Beim Yellow Cup, der als Generalprobe für die Europameisterschaft dient, wird seine Einsatzzeit daher voraussichtlich dosiert.
Zehnders Karriere
Manuel Zehnder gilt als einer der talentiertesten Schweizer Handballer. Vor seiner Verletzung war er auf dem Weg, sich in der deutschen Bundesliga, einer der stärksten Ligen der Welt, zu etablieren. Im Sommer wird er vom SC Magdeburg nach Dänemark wechseln, um dort seine Karriere fortzusetzen.
Für die Nationalmannschaft ist seine Rückkehr ein wichtiger Impuls. Als kreativer Spielmacher kann er dem Schweizer Angriff neue Optionen verleihen. Seine Übersicht und Torgefahr wurden während seiner Abwesenheit schmerzlich vermisst. Seine Teilnahme am Yellow Cup ist entscheidend, um vor dem EM-Start wieder Spielpraxis auf internationalem Niveau zu sammeln und die Abstimmung mit seinen Teamkollegen zu finden.
Die Fans in Winterthur können sich somit nicht nur auf spannende Länderspiele freuen, sondern auch auf die emotionale Rückkehr eines Schlüsselspielers, der am Ort seines grössten sportlichen Rückschlags ein neues Kapitel aufschlagen will.





