Der Bahnhof Kemptthal im Zürcher Oberland führt die Statistik der Schweizer Bahnhöfe an, an denen Züge am häufigsten irrtümlich durchfahren. In den Jahren 2024 und 2025 registrierte die SBB hier 20 solcher Vorfälle, obwohl ein Halt fahrplanmässig vorgesehen war. Diese ungewöhnliche Häufung wirft Fragen zur Komplexität des Betriebs auf.
Wichtige Erkenntnisse
- Kemptthal ist Spitzenreiter bei irrtümlichen Durchfahrten mit 20 Fällen in zwei Jahren.
- Liestal und Pully folgen auf den Plätzen zwei und drei.
- Statistisch gesehen wird nur einer von 170'000 Halten vergessen.
- Die SBB untersucht jeden Vorfall intern.
- Komplexe Fahrpläne könnten eine Ursache sein.
Kemptthal an der Spitze der Statistik
Zwischen 2024 und 2025 verzeichnete der Bahnhof Kemptthal im Zürcher Oberland 20 sogenannte irrtümliche Durchfahrten. Das bedeutet, Züge rauschten am Bahnsteig vorbei, obwohl sie dort hätten anhalten müssen. Diese Zahl macht Kemptthal zum schweizweiten Spitzenreiter in dieser Kategorie.
Die internen Statistiken der SBB, die der «Zürcher Oberländer» einsehen konnte, zeigen ein klares Bild. Auf Platz zwei folgt der Bahnhof Liestal im Kanton Basel-Landschaft mit 14 Durchfahrten. Pully im Kanton Waadt belegt mit zehn Fällen den dritten Rang.
Faktencheck: Irrtümliche Durchfahrten
- Kemptthal: 20 Durchfahrten (2024-2025)
- Liestal: 14 Durchfahrten (2024-2025)
- Pully: 10 Durchfahrten (2024-2025)
Seltene Vorfälle mit ungewöhnlicher Häufung
Grundsätzlich sind irrtümliche Durchfahrten äusserst selten. Eine Sprecherin der SBB, Mara Zenhäusern, erklärte gegenüber dem «Zürcher Oberländer», dass statistisch gesehen nur einer von 170'000 Halten vergessen werde. Diese Zahl verdeutlicht, wie aussergewöhnlich die Häufung in Kemptthal ist.
Trotz der Seltenheit nimmt die SBB jeden Vorfall ernst. Jeder vergessene Halt wird im Nachhinein analysiert und mit den betroffenen Lokführerinnen und Lokführern besprochen. Ziel ist es, die Ursachen zu verstehen und zukünftige Fehler zu vermeiden.
«Statistisch gesehen geht von 170'000 Halten einer vergessen.»
Mögliche Gründe für die Durchfahrten in Kemptthal
Die genauen Gründe für die erhöhte Anzahl von Durchfahrten in Kemptthal sind nicht abschliessend geklärt. Die SBB nennt allgemein mögliche Ursachen für solche Vorfälle. Dazu gehören Verwechslungen an Bahnhöfen, an denen Züge nicht immer halten, sowie kurzfristige betriebliche Anpassungen.
Solche Anpassungen können beispielsweise infolge von Verspätungen, Baustellen oder anderen betrieblichen Störungen notwendig werden. Diese Faktoren können die Konzentration der Lokführer beeinflussen und zu Fehlern führen.
Hintergrund: Komplexe Fahrpläne
Eine mögliche Erklärung für Kemptthal liegt in der komplexen Fahrplansituation des Bahnhofs. Tagsüber wird Kemptthal ausschliesslich von der S24 bedient. Ab 21 Uhr hält jedoch zusätzlich die S7, die den Bahnhof tagsüber nicht anfährt. Diese wechselnde Bedienung könnte zu Verwirrung führen.
Lokführer müssen sich genau merken, welche Linie zu welcher Tageszeit an welchem Bahnhof hält. Besonders bei Schichtwechseln oder unerwarteten Fahrplanänderungen kann dies eine Herausforderung darstellen.
Auswirkungen auf Reisende und Betrieb
Für Reisende bedeuten irrtümliche Durchfahrten vor allem Ärger und Verspätungen. Wer in Kemptthal aussteigen möchte und der Zug fährt vorbei, muss oft bis zum nächsten Halt fahren und dann den Rückweg antreten. Dies kann Pendler empfindlich treffen.
Für die SBB bedeuten diese Vorfälle zusätzlichen Aufwand. Die Nachbesprechungen und Analysen sind wichtig, um die Betriebssicherheit und Pünktlichkeit zu gewährleisten. Jeder verpasste Halt ist ein Qualitätsmangel, den es zu minimieren gilt.
Konsequenzen für Lokführer
Die SBB betont, dass jeder Vorfall mit den betroffenen Lokführerinnen und Lokführern besprochen wird. Es geht dabei nicht primär um Bestrafung, sondern um die Analyse der Umstände, die zum Fehler geführt haben. Ziel ist es, aus Fehlern zu lernen und die Prozesse zu verbessern.
Schulungen und Sensibilisierungsmassnahmen spielen eine wichtige Rolle, um die Aufmerksamkeit der Lokführer bei komplexen Fahrplansituationen zu erhöhen. Die Sicherheit der Passagiere hat dabei immer oberste Priorität.
Wie die SBB die Zuverlässigkeit verbessern will
Die SBB ist bestrebt, die Zuverlässigkeit ihres Betriebs kontinuierlich zu verbessern. Dies umfasst nicht nur die Vermeidung von irrtümlichen Durchfahrten, sondern auch die allgemeine Pünktlichkeit und den Kundenservice. Regelmässige Überprüfungen der Fahrpläne und der Betriebsabläufe sind Teil dieser Strategie.
Technologische Lösungen könnten ebenfalls eine Rolle spielen. Denkbar wären beispielsweise verbesserte digitale Unterstützungssysteme für Lokführer, die in Echtzeit auf bevorstehende Halte hinweisen, insbesondere an Bahnhöfen mit variabler Bedienung.
SBB-Pünktlichkeit im Fokus
Die SBB misst der Pünktlichkeit einen hohen Stellenwert bei. Trotzdem gibt es immer wieder Herausforderungen durch Infrastrukturarbeiten, erhöhte Passagierzahlen oder unerwartete Ereignisse. Die Fälle in Kemptthal zeigen, dass selbst kleine Fehler grosse Auswirkungen auf den Fahrplan haben können.
Die genaue Beobachtung der Entwicklung in Kemptthal wird zeigen, ob die Massnahmen der SBB greifen und die Zahl der irrtümlichen Durchfahrten in Zukunft reduziert werden kann. Pendler und Reisende hoffen auf eine baldige Verbesserung der Situation.





