Ein einzelner Mann hat in der Schweiz über ein Jahrzehnt hinweg 61 Firmen in den Konkurs geführt. Diese Zahl macht ihn zum Spitzenreiter unter den sogenannten Konkurskünstlern des Landes. Eine aktuelle Analyse der Wirtschaftsauskunftei Crif beleuchtet das Ausmass dieses Phänomens und zeigt, welche Branchen und Regionen besonders betroffen sind.
Wichtige Erkenntnisse
- Ein Mann führte 61 Firmen in den Konkurs, der höchste Wert in der Schweiz.
- 93 Prozent der "Konkurskünstler" sind Männer.
- Die Baubranche ist am stärksten betroffen, gefolgt vom Grosshandel und der Gastronomie.
- Der Kanton Zürich verzeichnet die meisten Fälle von Konkursspezialisten.
- Mehr als die Hälfte der konkursiten Firmen waren GmbHs.
Ein beispielloser Fall von Firmenpleiten
Der genannte Mann, dessen letzter bekannter Wohnort im Kanton Genf lag, war in einer Vielzahl von Branchen aktiv. Viele der von ihm betroffenen Unternehmen existierten nur für wenige Jahre, bevor sie insolvent wurden. Dies verdeutlicht eine bemerkenswerte Fähigkeit, Firmen in den Ruin zu treiben.
Die Crif-Analyse, die am Mittwoch veröffentlicht wurde, zeigt, dass hinter diesem Spitzenreiter weitere Personen stehen, die ebenfalls Dutzende von Firmenpleiten verursacht haben. Zwei weitere "Firmenvernichter" brachten es auf 51 beziehungsweise 46 Konkurse.
Zahlen und Fakten
- 61 Firmenkonkurse: Verursacht von einem einzelnen Mann über zehn Jahre.
- 2440 Personen: Insgesamt verursachten diese Personen mindestens drei Firmenpleiten im selben Zeitraum.
- 93% der Fälle: Betreffen Männer.
- 35 Firmen: Die Spitzenreiterin unter den Frauen führte diese Anzahl an Unternehmen in den Konkurs.
Geschlechterunterschiede und Branchenschwerpunkte
Die Untersuchung von Crif deckt deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern auf. Über 93 Prozent der Personen, die mehrere Firmenpleiten verantworteten, waren Männer. Frauen machten lediglich rund 7 Prozent der Fälle aus. Die weibliche Spitzenreiterin brachte es immerhin auf 35 Unternehmenskonkurse.
Die Baubranche ist mit Abstand am häufigsten von diesen Konkursen betroffen. Besonders im Bereich der Baustellenarbeiten und des Ausbaugewerbes, wie bei Elektro- oder Sanitärinstallateuren, gab es 1846 Fälle. Auch der Hochbau zählt mit 950 Fällen zu den stark betroffenen Sektoren.
"Die Analyse zeigt, dass die Baubranche ein erhöhtes Risiko für solche Serienpleiten birgt, was auf spezifische Marktbedingungen oder Geschäftsmodelle hindeuten könnte."
Weitere betroffene Wirtschaftszweige
Neben der Baubranche sind auch andere Sektoren stark betroffen. Der Grosshandel verzeichnete 815 Pleiten, die Gastronomie 755 Fälle und der Finanzdienstleistungssektor 719 Konkurse, die von den untersuchten Personen verursacht wurden. Diese Zahlen unterstreichen die weitreichenden Auswirkungen dieser Aktivitäten auf die Schweizer Wirtschaft.
Hintergrund der Analyse
Crif untersuchte alle Personen, die innerhalb von zehn Jahren mindestens drei Konkurse verursachten. Ausgenommen waren dabei Personen, die den Erfolg eines Unternehmens nur bedingt beeinflussen können, wie Liquidatoren oder Prokuristen. Es wurden nur jene Personen berücksichtigt, die zum Zeitpunkt des Konkurses ein aktives Mandat in der insolventen Firma innehatten.
Regionale Verteilung der Konkursspezialisten
Regional betrachtet weist der Kanton Zürich die höchste Konzentration an "Konkursspezialisten" auf. Hier wurden 337 Personen identifiziert, die für mehrere Firmenpleiten verantwortlich waren. Dahinter folgt die Gruppe der "unbekannt verzogenen" Personen mit 262 Fällen, was auf eine Herausforderung bei der Nachverfolgung hindeutet.
Weitere Kantone mit einer hohen Anzahl von Fällen sind Waadt mit 247, Tessin mit 213 und Genf mit 204. Diese regionale Verteilung könnte auf wirtschaftliche Schwerpunkte oder spezifische rechtliche Rahmenbedingungen in diesen Kantonen hinweisen.
Rechtsformen der betroffenen Unternehmen
Bei der Art der betroffenen Unternehmen zeigt sich ein klares Bild. Mehr als die Hälfte der konkursiten Firmen waren Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH). Aktiengesellschaften machten 37 Prozent aus, während Einzelfirmen nur etwa 7 Prozent der Fälle darstellten. Dies deutet darauf hin, dass die GmbH als Rechtsform möglicherweise anfälliger für wiederholte Konkurse ist oder von den "Konkurskünstlern" bevorzugt wird.
Die Ergebnisse der Crif-Analyse werfen wichtige Fragen zur Prävention und Früherkennung von Serienpleiten auf. Es bleibt abzuwarten, welche Massnahmen ergriffen werden, um solche Fälle in Zukunft einzudämmen und die Schweizer Wirtschaft vor wiederholten Schäden zu schützen.





