Die Gemeinde Eglisau hat eine umfassende Bevölkerungsbefragung durchgeführt, die ein detailliertes Bild der Stimmung und des Handlungsbedarfs zeichnet. Über 1’400 Einwohnerinnen und Einwohner ab 16 Jahren haben sich beteiligt und ihre Meinung zu Lebensqualität, Verkehr, Gemeindeverwaltung und Zukunftsthemen kundgetan. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Zufriedenheit mit dem Leben in Eglisau, aber auch deutliche Kritikpunkte, insbesondere in den Bereichen Mobilität und Gemeindepolitik.
Wichtigste Erkenntnisse
- Hohe Lebenszufriedenheit: 84 Prozent der Befragten sind mit dem Leben in Eglisau zufrieden.
- Dringender Handlungsbedarf bei Verkehr: 56 Prozent sehen Mobilität, Verkehrssicherheit und Lärm als vordringliche Probleme.
- Verwaltung gut, Gemeinderat kritisch: 58 Prozent sind mit der Verwaltung zufrieden, aber nur 37 Prozent mit dem Gemeinderat.
- Steuerbelastung zu hoch: 79 Prozent empfinden den aktuellen Steuersatz als zu hoch.
- Wunsch nach Zusammenarbeit: 56 Prozent befürworten punktuelle Kooperationen mit Nachbargemeinden.
Verkehr und Lärm: Die grössten Sorgen der Eglisauer
Die Umfrageergebnisse machen deutlich: Verkehr, Lärm und Mobilität sind die drängendsten Probleme für die Bevölkerung von Eglisau. Insgesamt 56 Prozent der Teilnehmenden nennen diese Bereiche als vordringlich. Insbesondere der Durchgangsverkehr, das begrenzte Parkplatzangebot und die Anbindung an den öffentlichen Verkehr werden kritisch gesehen.
Während das Wochenendfahrverbot in der Untergass und Rheinstrasse sowie die Fussgängerfreundlichkeit positiv bewertet werden, gibt es beim Fahrradwegnetz und der allgemeinen Strassensituation Nachholbedarf. Die Lärmbelastung durch den Verkehr ist ein ständiges Ärgernis für viele Bewohner.
Faktencheck Mobilität
- 56% der Befragten nennen Mobilität, Verkehrssicherheit und Lärm als Top-Probleme.
- Das Wochenendfahrverbot in Untergass und Rheinstrasse wird positiv aufgenommen.
- Kritik richtet sich an das Parkplatzangebot und das Fahrradwegnetz.
Gemeindeverwaltung und Gemeinderat im Urteil der Bürger
Die Zufriedenheit mit der Gemeindeverwaltung ist hoch. 58 Prozent der Befragten äussern sich positiv über deren Arbeit. Freundlichkeit, Erreichbarkeit und Effizienz werden dabei besonders geschätzt. Dies zeigt, dass die direkten Ansprechpartner der Gemeinde ihre Aufgaben gut erfüllen.
Ein anderes Bild zeigt sich beim Gemeinderat. Nur 37 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden, während 19 Prozent unzufrieden sind und 45 Prozent eine neutrale Haltung einnehmen. Diese Zahlen deuten auf eine gewisse Distanz oder Skepsis gegenüber der politischen Führung hin. Obwohl 78 Prozent der Befragten sich ausreichend in politische Prozesse einbezogen fühlen, nehmen 60 Prozent in den letzten zwei Jahren nicht an Gemeindeversammlungen teil. Zeitliche Verhinderung und Desinteresse sind dabei die häufigsten Gründe.
"Die Ergebnisse sind ein klares Signal. Die Bevölkerung ist zufrieden mit dem Leben hier, erwartet aber, dass die Politik bei den drängenden Problemen wie Verkehr und Steuern handelt." – Ein Einwohner von Eglisau
Wohnen, Umwelt und Klima: Prioritäten für die Zukunft
Die Wohnraumsituation in Eglisau wird mehrheitlich positiv eingeschätzt. 66 Prozent der Befragten sind zufrieden. Dennoch gibt es Kritikpunkte: hohe Mietpreise, zunehmende bauliche Verdichtung und das Fehlen günstiger Wohnungen werden genannt. Die Bautätigkeit in einzelnen Quartieren sorgt ebenfalls für Diskussionen.
Umwelt- und Klimafragen geniessen in Eglisau eine hohe Relevanz. Ganze 84 Prozent der Bevölkerung halten eine nachhaltige Abfallwirtschaft für wichtig oder sehr wichtig. Auch erneuerbare Energien, Stromeinsparung, nachhaltige Mobilität und ökologische Bepflanzung finden breite Zustimmung. Ein Feuerwerksverbot oder der Aufbau eines lokalen Solarstromnetzes haben hingegen eine geringere Priorität.
Hintergrund der Umfrage
Die umfassende Bevölkerungsbefragung wurde im August und September 2025 durchgeführt. Alle Einwohnerinnen und Einwohner ab 16 Jahren waren zur Teilnahme eingeladen. Die hohe Rücklaufquote von 1’424 Personen unterstreicht das Engagement der Eglisauer Bevölkerung für ihre Gemeinde.
Steuerbelastung und Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden
Die Steuerbelastung ist ein weiteres sensibles Thema. Eine deutliche Mehrheit von 79 Prozent empfindet den aktuellen Steuersatz in Eglisau als eher oder deutlich zu hoch. Nur 20 Prozent halten ihn für angemessen. Gleichzeitig sehen viele einen Mehrbedarf bei den Ausgaben für Infrastruktur sowie Umwelt- und Klimaschutz, während die Ausgaben für Verwaltung und Behörden von 40 Prozent als zu hoch eingeschätzt werden.
Interessant ist auch die Haltung zur regionalen Zusammenarbeit: 56 Prozent der Befragten sprechen sich für eine punktuelle Kooperation mit umliegenden Gemeinden aus. Genannt werden dabei Sport- und Freizeitanlagen, Alters- und Pflegeheime, Entsorgung und technische Werke. Eine Gemeindefusion befürworten nur 8 Prozent, während weitere 8 Prozent jegliche Zusammenarbeit ablehnen.
Freizeit, Zusammenleben und Kommunikation
Das Zusammenleben in Eglisau wird von Werten wie Unterstützung in Notlagen, Förderung des lokalen Gewerbes, familienfreundliche Angebote und seniorengerechte Strukturen geprägt. Der dörfliche Charakter ist vielen wichtig.
Die Zufriedenheit mit den Freizeitangeboten variiert. Der Weihnachtsmarkt und die Naherholungsgebiete schneiden gut ab, während Kultur-, Sport- und Tourismusangebote zurückhaltender beurteilt werden. Der Tourismus erreicht dabei die tiefste Zufriedenheit.
Bei der Gemeindekommunikation dominiert das Mitteilungsblatt als Informationskanal. Digitale Kanäle wie Website, Newsletter oder soziale Medien werden weniger genutzt. Dennoch fühlen sich 73 Prozent der Befragten gut oder sehr gut informiert.
Für die Zukunft Eglisaus sehen die Bürger Gesundheitsförderung, die Pflege der Naherholungsgebiete sowie Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen als höchste Priorität. Der Tourismus rangiert hier deutlich tiefer. Die umfassenden Ergebnisse der Befragung dienen der Gemeinde Eglisau nun als wichtige Grundlage für die künftige Entwicklung und die Priorisierung von Massnahmen.





