Die Zukunft des historischen Centrumshüslis in Bassersdorf steht nach einer knappen Abstimmungsniederlage vor einer ungewissen Zukunft. Ein gemeinnütziger Verein wollte das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1840 für symbolische 1000 Franken erwerben und in ein kulturelles Begegnungszentrum umwandeln. Doch die Stimmbevölkerung lehnte ein entscheidendes Darlehen der Gemeinde ab, was das Projekt nun ins Wanken bringt.
Wichtige Punkte
- Das Centrumshüsli, Baujahr 1840, sollte für 1000 Franken verkauft werden.
- Ein Verein plante, es in ein kulturelles Begegnungszentrum umzuwandeln.
- Die Gemeinde Bassersdorf sollte ein Darlehen von 500'000 Franken beisteuern.
- Die Stimmberechtigten lehnten das Darlehen knapp mit 52,2 Prozent ab.
- Die Sanierungskosten werden auf 1,1 Millionen Franken geschätzt.
Ein historisches Haus für einen symbolischen Preis
Das Centrumshüsli in Bassersdorf ist mehr als nur ein altes Gebäude. Es ist ein Stück Geschichte, das bis ins Jahr 1840 zurückreicht. Die reformierte Kirchgemeinde, der aktuelle Eigentümer, wollte sich von der Liegenschaft trennen. Sie bot das Haus zu einem aussergewöhnlichen Preis von nur 1000 Franken an. Dieses Angebot war an vier klare Bedingungen geknüpft: Der Käufer musste eine gemeinnützige Stiftung nach Schweizer Recht sein, das Haus durfte nicht gewinnorientiert genutzt werden, es musste öffentlich zugänglich sein, und die Sanierungskosten von 1,1 Millionen Franken mussten gesichert sein.
Der symbolische Kaufpreis sollte zudem nur bis Ende 2025 gelten. Diese Vorgaben machten es für private Investoren unattraktiv, aber für gemeinnützige Projekte ideal. Eine kleine Gruppe engagierter Freiwilliger ergriff die Chance und gründete den Verein Centrumshüsli.
Der Plan des Vereins Centrumshüsli
Der Verein Centrumshüsli entwickelte ein detailliertes Konzept, um das historische Gebäude zu retten und ihm neues Leben einzuhauchen. Das Ziel war, das Haus in ein kulturelles Begegnungszentrum zu verwandeln, das allen Einwohnern von Bassersdorf offensteht. Dazu gehörten Räume für Veranstaltungen, Ausstellungen und Treffen.
Fakten zur Finanzierung
- Geschätzte Sanierungskosten: 1,1 Millionen Franken.
- Bisher gesammelte Spendengelder: 682'000 Franken.
- Benötigtes Darlehen der Gemeinde: 500'000 Franken.
Ein Grossteil der benötigten Sanierungskosten sollte durch Spenden gedeckt werden. Bis zum Abstimmungstermin hatte der Verein bereits 682'000 Franken an Spendenzusagen gesammelt. Die restlichen 500'000 Franken sollten von der politischen Gemeinde Bassersdorf in Form eines rückzahlbaren Darlehens kommen.
Die knappe Ablehnung durch das Stimmvolk
Die Bassersdorfer Gemeindeversammlung hatte dem rückzahlbaren Darlehen von 500'000 Franken zugestimmt. Allerdings hatte der Gemeinderat ursprünglich ein öffentliches WC auf dem Areal gefordert, welches später aus dem Projektplan gestrichen wurde. Dies sollte sich als entscheidend erweisen.
Am vergangenen Abstimmungssonntag stimmten die Bürgerinnen und Bürger über das Darlehen ab. Das Ergebnis war äusserst knapp: Mit 52,2 Prozent der Stimmen wurde der Vorschlag abgelehnt. Nur 151 Stimmen gaben den Ausschlag. Für die Freiwilligen des Vereins Centrumshüsli war dies ein harter Schlag.
«Dass unser Projekt jetzt abgelehnt wurde, ist frustrierend. Wir haben sehr viel Zeit und Arbeit darin investiert», sagte Christoph Füllemann (74), der sich seit über drei Jahren für den Erhalt des Gebäudes einsetzt.
Hintergrund: Die Rolle des Gemeinderats
Der Gemeinderat von Bassersdorf hatte im Abstimmungsbüchlein eine Ablehnung der Vorlage empfohlen. Der Hauptgrund war das Fehlen einer öffentlichen Toilette im überarbeiteten Konzept. Diese Empfehlung hatte nach Ansicht von Füllemann ein erhebliches Gewicht bei der Entscheidung der Stimmberechtigten.
Füllemann zeigte sich besonders enttäuscht über die Haltung des Gemeinderats. Er konnte den direkten Zusammenhang zwischen dem Fehlen einer öffentlichen Toilette und dem gesamten Projekt nicht nachvollziehen. Als ehemaliger Gemeinderat wusste er um die Bedeutung solcher Empfehlungen für das Abstimmungsverhalten der Bevölkerung.
Die ungewisse Zukunft und mögliche Szenarien
Nun steht der Verein vor der schwierigen Frage, wie es weitergehen soll. Die gesammelten Spendengelder, die grösstenteils aus Zahlungsversprechen von Stiftungen und Gewerbetreibenden bestehen, sind noch nicht geflossen. Der Verein muss nun entscheiden, ob er aufgelöst wird oder einen neuen Anlauf mit rein privaten Spendern wagt.
Für das Centrumshüsli selbst ist die Situation kritisch. Die Gefahr des Verfalls ist real. In der Region gab es bereits ähnliche Fälle, in denen denkmalgeschützte Objekte wie in Regensdorf, Steinmaur oder Bülach zu Ruinen wurden, weil keine tragfähige Lösung gefunden werden konnte.
Christoph Füllemann hofft weiterhin auf eine positive Entwicklung. Sein grösster Wunsch ist, dass das Haus an dieser zentralen Lage für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob für das Centrumshüsli doch noch ein Weg gefunden wird, um es vor dem traurigen Schicksal des Verfalls zu bewahren.
Nächste Schritte für den Verein
- Transparente Information der Spender über die weitere Vorgehensweise.
- Sitzung des Vereins zur Debatte über den Weiterbestand.
- Mögliche Optionen: Vereinsauflösung oder neuer Versuch mit privaten Spendern.
Die Mitglieder des Vereins Centrumshüsli werden sich in Kürze treffen, um die nächsten Schritte zu besprechen. Die Entscheidung wird nicht nur über das Schicksal des Vereins, sondern auch über die Zukunft des historischen Gebäudes von Bassersdorf bestimmen.





