Die digitale Präsenz von Schweizer Gemeinden wird immer wichtiger, um Bürgerinnen und Bürger zu erreichen. Eine aktuelle Studie zeigt überraschende Ergebnisse: Ländliche Gemeinden übertreffen oft städtische Pendants in ihrer Social-Media-Reichweite. Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung digitaler Kanäle für die kommunale Kommunikation.
Wichtige Erkenntnisse
- Nur 49,8 Prozent der Schweizer Gemeinden nutzen mindestens einen Social-Media-Kanal.
- Facebook bleibt die dominierende Plattform, gefolgt von Instagram und LinkedIn.
- Ländliche Gemeinden erreichen oft mehr Follower pro Einwohner als Städte.
- Die rätoromanische Schweiz verzeichnet den stärksten Zuwachs an Social-Media-Nutzern.
Digitale Kommunikation: Eine Herausforderung für Gemeinden
Die Art und Weise, wie Menschen Informationen erhalten und sich Meinungen bilden, hat sich stark verändert. Klassische Medien verlieren an Bedeutung, während Online-Plattformen und soziale Medien immer wichtiger werden. Für Gemeinden bedeutet dies, dass sie ihre Kommunikationsstrategien anpassen müssen, um ihre Bevölkerung effektiv zu erreichen.
Die Fähigkeit einer Gemeinde, ihre Botschaften digital zu verbreiten, entscheidet zunehmend darüber, ob diese überhaupt wahrgenommen werden. Dies ist eine zentrale Erkenntnis der aktuellen Studie «Schweizer Gemeinden und Social Media 2026» von Gromann Partner.
Faktencheck: Social Media in Schweizer Gemeinden
- Anteil der Gemeinden mit Social Media: Nur 49,8% nutzen mindestens einen der fünf wichtigsten Kanäle (Facebook, Instagram, LinkedIn, YouTube, TikTok).
- Dominierende Plattform: Facebook ist mit Abstand am weitesten verbreitet.
- Wachstum von Nischenplattformen: YouTube und TikTok gewinnen an Bedeutung für die Ansprache jüngerer Zielgruppen.
Verbreitung von Social Media in der Schweiz
Die Studie untersuchte die Präsenz aller 2121 Schweizer Städte und Gemeinden auf Facebook, Instagram, LinkedIn, YouTube und TikTok. Die Ergebnisse zeigen, dass Social Media zwar in der kommunalen Kommunikation angekommen ist, aber noch lange nicht flächendeckend genutzt wird.
Facebook bleibt die meistgenutzte Plattform. Viele Gemeinden setzen auf diese etablierte Plattform, um ihre Nachrichten zu verbreiten und mit den Bürgern in Kontakt zu treten. Instagram folgt an zweiter Stelle, während LinkedIn vor allem für professionelle Netzwerke und die Kommunikation mit Unternehmen genutzt wird.
«Die digitale Präsenz entscheidet immer stärker darüber, ob die Botschaften von Gemeinden von ihrer Bevölkerung überhaupt noch wahrgenommen werden», so die Studienleitung von Gromann Partner.
YouTube und TikTok spielen derzeit noch eine Nebenrolle. Dort, wo Gemeinden jedoch gezielt jüngere Menschen ansprechen wollen, gewinnen diese Plattformen an Bedeutung. Sie bieten Möglichkeiten für visuelle Inhalte und kürzere, direktere Botschaften.
Ländliche Gemeinden überraschen mit hoher Reichweite
Nähe und Identifikation als Erfolgsfaktoren
Ein besonders überraschendes Ergebnis der Studie ist die Leistung ländlicher und peripherer Gemeinden. Diese erreichen auf Facebook und Instagram oft mehr Follower pro Einwohner als städtische Gemeinden. Dieser Erfolg scheint auf eine stärkere Nähe, Identifikation und einen klaren Alltagsbezug zurückzuführen zu sein.
Es zeigt sich, dass selbst ohne grosse Kommunikationsabteilungen eine effektive Social-Media-Arbeit möglich ist. Die direkte Verbindung zur Bevölkerung und die Relevanz der Inhalte für den lokalen Alltag sind entscheidende Faktoren. In kleineren Gemeinden fühlen sich die Menschen oft stärker mit ihrer lokalen Verwaltung verbunden und engagieren sich eher digital.
Hintergrund der Studie
Die Studie «Schweizer Gemeinden und Social Media 2026» wurde von Gromann Partner durchgeführt, einer auf öffentliche Kommunikation spezialisierten Beratungsfirma. Die Studienleitung lag bei Thomas Gromann und Luzia Mattmann. Sie analysieren regelmässig die Social-Media-Präsenz und Community-Interaktion von Schweizer Gemeinden.
Regionale Unterschiede und Best Practices
Innerhalb der Schweiz gibt es deutliche regionale Unterschiede in der Social-Media-Nutzung. Die rätoromanische Schweiz sticht hier besonders hervor. Dort hat sich der Anteil der Gemeinden mit Facebook- und Instagram-Auftritt innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Dies ist ein stärkerer Zuwachs als in jeder anderen Sprachregion.
Grosse Städte wie Genf, Zürich und Thun zeigen, welches Reichweitenpotenzial Social Media haben kann. Sie verfügen über sehr grosse Communities auf Plattformen wie Instagram, LinkedIn oder TikTok. Diese Städte nutzen die Plattformen nicht nur zur Informationsverbreitung, sondern auch zur Förderung des Austauschs und der Bürgerbeteiligung.
- Genf: Hohe Präsenz auf Instagram und LinkedIn.
- Zürich: Starke Communities auf verschiedenen Kanälen.
- Thun: Zeigt grosses Potenzial für Reichweite.
Diese Beispiele verdeutlichen, dass eine strategische Nutzung von Social Media für jede Gemeinde von Vorteil sein kann, unabhängig von ihrer Grösse oder Lage. Es geht darum, die richtigen Kanäle für die jeweilige Zielgruppe zu wählen und Inhalte zu erstellen, die resonate.
Zukünftige Entwicklungen und Empfehlungen
Angesichts der zunehmenden Digitalisierung der Kommunikation müssen Gemeinden ihre Strategien kontinuierlich weiterentwickeln. Es ist wichtig, nicht nur präsent zu sein, sondern auch aktiv mit der Bevölkerung in den Dialog zu treten. Dies schafft Vertrauen und stärkt die lokale Gemeinschaft.
Die Studie legt nahe, dass der Fokus auf Authentizität und lokale Relevanz entscheidend ist. Gemeinden, die ihre Social-Media-Kanäle als Werkzeug zur Förderung der Identifikation und des Zusammenhalts nutzen, erzielen die besten Ergebnisse. Dies kann durch regelmässige Updates zu lokalen Ereignissen, direkten Austausch mit Bürgern und die Präsentation von Alltagsbezügen erreicht werden.
Die Erkenntnisse der Studie dienen als wichtige Orientierungshilfe für alle Schweizer Gemeinden, die ihre digitale Kommunikation verbessern möchten. Sie zeigen, dass es nicht nur um die Anzahl der Follower geht, sondern um die Qualität der Interaktion und die Relevanz der Inhalte für die lokale Bevölkerung.





