Ein Vorfall am diesjährigen Openair Frauenfeld sorgt für Aufsehen. Ein Video, das in sozialen Medien kursiert, zeigt, wie ein Sicherheitsmitarbeiter einem Festivalbesucher mutmasslich in den Bauch schlägt. Das Festival hat bestätigt, den Vorfall gemeinsam mit der beauftragten Sicherheitsfirma zu untersuchen. Der betroffene Besucher stand offenbar im Verdacht, eine gezündete Handfackel in die Menge werfen zu wollen.
Wichtige Erkenntnisse
- Ein Video zeigt einen mutmasslichen Schlag eines Security-Mitarbeiters gegen einen Besucher.
- Das Openair Frauenfeld untersucht den Vorfall in Zusammenarbeit mit der Sicherheitsfirma.
- Der Besucher soll Pyrotechnik in die Menge werfen wollen, was eine akute Gefahr darstellt.
- Kritik richtet sich auch gegen mangelhafte Eingangskontrollen und das Vorgehen der Security.
- Pyrotechnik ist aufgrund hoher Temperaturen und Blendwirkung gefährlich und verboten.
Der Vorfall im Detail: Video sorgt für Diskussionen
Das kursierende Video zeigt eine kurze, aber intensive Szene. Mehrere Sicherheitsmitarbeiter, teilweise mit vermummten Gesichtern und in Schutzausrüstung, führen einen Mann aus einer Menschenmenge ab. Dabei ist zu sehen, wie einer der Mitarbeiter dem Mann einen Schlag in den Bauch versetzt. Der Mann leistet im Video keinen sichtbaren Widerstand. Die Aufnahme entstand während des Openair Frauenfeld, das letzte Woche stattfand.
Das Video wurde auf TikTok veröffentlicht. Der Nutzer, der es teilte, berichtete, dass die Security am Festivalgelände Personen, die Pyrotechnik zündeten, oft schnell und manchmal mit Härte aus der Menge entfernte. Der nun gefilmte Vorfall stehe im selben Kontext.
Faktencheck: Pyrotechnik am Festival
- Hitzentwicklung: Flammen von Handfackeln können Temperaturen von 1600 bis 2500 Grad Celsius erreichen.
- Gefahr: Schon ohne direkten Kontakt sind schwere Verbrennungen möglich. Ein Löschen während des Abbrandes ist meist nicht machbar.
- Rechtliches: Das Zünden solcher Pyrotechnik verstösst gegen das Sprengstoffgesetz, da sie als Signalmittel für gewerbliche Zwecke (z.B. Seenotrettung) gedacht sind und nicht zu Vergnügungszwecken verwendet werden dürfen.
Reaktion des Festivals und Grund für das Eingreifen
Auf Anfrage bestätigte das Openair Frauenfeld, dass das Video bekannt sei. Man arbeite die Situation derzeit mit der zuständigen Sicherheitsfirma auf. Nach bisherigen Informationen erfolgte das Eingreifen, weil der dringende Verdacht bestand, dass die betreffende Person die gezündete Pyrotechnik in die Menschenmenge werfen wollte.
"In einer solchen Situation besteht eine unmittelbare Gefahr für die umstehenden Gäste, und es muss rasch gehandelt werden", erklärte das Festival in einer Stellungnahme.
Das Festival betonte, dass es erst einschreite, wenn eine akute Gefährdung Dritter drohe, insbesondere wenn Pyrotechnik geworfen werden soll. In solchen Fällen müsse "unter dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit" gehandelt werden. Ein Zugriff inmitten einer Menschenmenge könnte die Lage zusätzlich eskalieren lassen.
Verhältnismässigkeit des Einsatzes in der Kritik
Die Frage, ob der mutmassliche Faustschlag beim Abführen des Mannes verhältnismässig war, bleibt offen. Das Festival wollte die genaue Szene nicht bewerten, stellte aber klar: "Der Umgang mit unseren Gästen hat verhältnismässig und respektvoll zu sein, und dieser Anspruch gilt für alle, die an unserem Festival im Einsatz stehen." Sollte sich herausstellen, dass eine Situation nicht korrekt abgelaufen ist, werde man dies "klar adressieren".
Fragen zur Ausbildung, Qualifikation und Ausrüstung des Sicherheitspersonals verwies das Festival an die Sicherheitsfirma. Diese hat sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäussert.
Hintergrund: Sicherheit am Openair Frauenfeld
Die beauftragte Sicherheitsfirma ist seit Jahren am Openair Frauenfeld im Einsatz. Nach Vorfällen im Vorjahr – darunter unberechtigtes Eindringen, Zeltaufschlitzen und Diebstahl – patrouillierte ein Teil des Sicherheitspersonals dieses Jahr in voller Schutzausrüstung, teils mit Schlagstöcken und Pfefferspray. Diese Ausrüstung sollte laut Berichten der "Thurgauer Zeitung" präventiv wirken.
Kritik an den Eingangskontrollen
Nicht nur das Vorgehen der Sicherheitskräfte steht in der Kritik. In den Kommentaren unter dem TikTok-Video bemängelten einige Besucher auch die Eingangskontrollen. Die Taschenkontrollen seien lückenhaft, Pyrotechnik gelange problemlos auf das Gelände. Das harte Vorgehen gegen Zündende auf dem Platz sei daher umso stossender.
Das Festival weist diesen Widerspruch zurück. Es erklärte, dass am Einlass und bei der Bändelkontrolle "konsequent kontrolliert" werde. Jedoch sei bei einem Festival auf einem grossen, umzäunten Feld eine "hundertprozentig dichte" Kontrolle nicht möglich. Wer über den Zaun auf das Gelände gelange, umgehe jede Kontrolle. Dagegen sei der Veranstalter machtlos. Daher brauche es zusätzlich eine konsequente Durchsetzung auf dem Gelände. "Das eine ersetzt das andere nicht, sondern ergänzt es", so das Openair Frauenfeld.
Gefahren durch Pyrotechnik
Die Gefährlichkeit von Pyrotechnik wird oft unterschätzt. Neben der extremen Hitze, die zu schweren Verbrennungen führen kann, erzeugen die Fackeln auch grelles, blendendes Licht und starken Rauch. Dies kann in Menschenmengen zu Panik und weiteren Verletzungen führen. Die Behörden betrachten das Zünden solcher Gegenstände als Verstoss gegen das Sprengstoffgesetz und ahnden dies entsprechend.
Die Debatte um Sicherheit und Verhältnismässigkeit bei Grossveranstaltungen wie dem Openair Frauenfeld bleibt aktuell. Es zeigt sich, wie wichtig eine klare Kommunikation und ein transparentes Vorgehen aller Beteiligten sind, um das Vertrauen der Besucher zu erhalten.





