Für die Fans des EHC Kloten und der SCL Tigers ist die Eishockey-Saison vorbei. Doch für die Spieler beginnt nun eine monatelange Phase der Analyse, Regeneration und Vorbereitung. Während die Playoff-Teams um den Titel kämpfen, sieht der Alltag der frühzeitig ausgeschiedenen Klubs völlig anders aus.
Diese lange Pause ist eine zweischneidige Angelegenheit: Sie bietet wertvolle Zeit für die körperliche Erholung, stellt aber auch eine mentale Herausforderung für Athleten dar, die es gewohnt sind, auf dem Eis zu stehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Nach Saisonende führen die Vereine sogenannte "Exit-Meetings" mit allen Spielern und Mitarbeitern durch.
- Die Spieler erhalten zwei Ferienfenster, beginnen aber bereits Mitte April mit dem Sommertraining.
- Die Vorbereitungszeit ist mit rund sechs Monaten fast doppelt so lang wie bei Nationalspielern von Finalisten-Teams.
- Moderne Trainingspläne umfassen individuelle Blöcke, Trainingslager im Ausland und regelmässige Eis-Einheiten im Sommer.
Der Tag nach dem letzten Spiel
Kaum sind die Lichter in den Stadien erloschen, beginnt für die sportliche Leitung die Aufarbeitung der Saison. Sowohl beim EHC Kloten als auch bei den SCL Tigers stehen in den Tagen nach dem letzten Spiel die sogenannten "Exit-Meetings" auf dem Programm. Dabei führt der Sportchef Einzelgespräche mit jedem Spieler, Trainer und Mitglied des Betreuerstabs.
In diesen Gesprächen wird die vergangene Saison analysiert, die persönliche Leistung bewertet und die Zukunft besprochen. Für Spieler mit auslaufenden Verträgen oder unklarer Zukunft sind dies entscheidende Momente. Ricardo Schödler, Sportchef des EHC Kloten, bevorzugt hierbei eine schnelle Klärung. "Ich bin ein Fan davon, dies rasch zu regeln", betont er die Wichtigkeit von klaren Verhältnissen.
Vertragsgespräche und Teamabschied
Während in Kloten die meisten Personalentscheidungen bereits getroffen sind, kann sich die Situation bei einigen Spielern in Langnau noch hinziehen. Nach den offiziellen Gesprächen folgt die traditionelle Abschlussreise des Teams, ein gemeinsamer Ausklang, bevor sich die Wege für einige Wochen trennen.
Ein Sommer mit zwei Gesichtern
Die Spieler, die nicht für die Nationalmannschaft aufgeboten werden, starten in ihr erstes von zwei dreiwöchigen Ferienfenstern. Das zweite folgt im Juli. Doch die Vorstellung von monatelanger Freizeit ist veraltet. Bereits Mitte April, wenn die Playoff-Halbfinals in vollem Gange sind, beginnt bei Kloten und Langnau das strukturierte Sommertraining.
Ein grosser Unterschied in der Belastung
Ein Spieler eines frühzeitig ausgeschiedenen Teams hat rund sechs Monate Zeit für Regeneration und Aufbau. Ein Nationalspieler eines Playoff-Finalisten, der an der WM teilnimmt, steht bis Ende Mai unter höchster Belastung und hat nur etwa die Hälfte der Zeit für die Saisonvorbereitung.
Dieser krasse Unterschied in der Planung wirft Fragen auf. Ist ein längerer Sommer ein Vorteil? Pascal Müller, Sportchef der SCL Tigers und ehemaliger Spieler, sieht beide Seiten. "Qualitativ ist es für die Spieler super, für ihren Körper viel Zeit zu bekommen", erklärt er. Gleichzeitig fügt er hinzu:
"Aber Freude hat trotzdem keiner daran, jeder würde lieber lange Hockey spielen."
Müller erinnert sich an ein gutes Omen: Als Langnau vor zwei Jahren zuletzt so früh fertig war, schaffte das Team in der darauffolgenden Saison gestärkt den Einzug in die Playoffs.
Das moderne Sommertraining im Eishockey
Der lange Sommer bedeutet nicht nur mehr Zeit im Kraftraum. Um die Monotonie zu durchbrechen, setzen die Klubs auf abwechslungsreiche Programme. Ricardo Schödler erklärt den Ansatz des EHC Kloten: "Wir schalten Zwischenwochen ein, wo etwa im Rahmen eines Trainingscamps in Spanien trainiert wird oder ein individueller Block stattfindet."
Ziel ist es, einen neuen "Flow" in die Vorbereitung zu bringen. Auch das Eistraining gehört längst zum Sommer dazu. "Im Gegensatz zu früher ist das Eis nie wirklich weg", sagt Pascal Müller. Dies stellt sicher, dass die Spieler das Gefühl für Puck und Eis nicht verlieren.
Sonderfall Nationalspieler
Spieler, die für ein Nationalmannschafts-Aufgebot infrage kommen, erhalten weiterhin Eiszeit, um im Rhythmus zu bleiben. Dies gilt selbst für Spieler, die den Verein wechseln, wie Dario Rohrbach in Langnau. Aus versicherungstechnischen Gründen trainiert er bis Vertragsende weiter bei den Tigers, obwohl sein Wechsel zum SC Bern feststeht.
Disziplin auch in den Ferien
Die Mentalität der Profis hat sich über die Jahre verändert. Lange Ferien auf der faulen Haut liegen zu verbringen, ist für die heutige Spielergeneration kaum noch denkbar. Viele nehmen ihre individuellen Trainingspläne mit in den Urlaub.
"Es ist eine andere Generation als zu meiner Zeit", stellt Müller fest. Die Professionalität endet nicht mit dem Verlassen der Eishalle. Die Spieler wissen, dass eine gute körperliche Verfassung die Grundlage für eine erfolgreiche und verletzungsfreie Saison ist. Der lange Sommer ist also keine verlängerte Pause, sondern ein anderer, aber ebenso intensiver Arbeitsalltag.





