Eine neue Software namens Asal 2.0 sorgt seit Januar landesweit für erhebliche Probleme bei den Schweizer Arbeitslosenkassen. Tausende Arbeitslose warten auf ihre Taggelder, manche bereits seit Dezember. Die Situation führt vielerorts zu grosser finanzieller Not und Frustration unter den Betroffenen. Auch die Mitarbeitenden der Kassen sind stark belastet.
Wichtige Fakten
- Die Software Asal 2.0 verursacht seit Januar schweizweit Auszahlungsverzögerungen.
- Betroffene warten teilweise seit Dezember auf ihre Taggelder.
- Bisher wurden nur 135,5 Millionen Franken von 540 Millionen Franken für Januar ausgezahlt.
- Mitarbeitende der Arbeitslosenkassen sind überlastet, manche Systeme sind nicht zugänglich.
- Das Seco spricht von einem «vorübergehend erhöhten operativen Aufwand».
Neues System löst massive Probleme aus
Die Einführung von Asal 2.0, einem neuen Auszahlungssystem für Taggelder, hat zu einem landesweiten Chaos geführt. Alle 33 Arbeitslosenkassen in der Schweiz nutzen diese Software. Seit Beginn des Jahres beklagen sich Arbeitslose über ausbleibende Zahlungen. Einige warten bereits seit Dezember auf ihr Geld, was viele in eine prekäre finanzielle Lage bringt.
Die technischen Schwierigkeiten sind umfassend. Ein Betroffener namens Jannis Z. berichtet, dass die gesamte IT seiner Arbeitslosenkasse nicht funktioniere. Seine Sachbearbeiterin konnte ihm am Telefon keine Auskunft geben, da selbst ihr Login nicht funktionierte. Der Zugriff auf das IT-System sei für die Angestellten blockiert.
Zahlen und Fakten zur Krise
- 147'000 Arbeitslose sind potenziell von den Problemen betroffen.
- Für Januar sind 540 Millionen CHF an Taggeldern fällig.
- Bisher wurden nur 135,5 Millionen CHF ausgezahlt, was etwas mehr als einem Viertel entspricht.
- Die durchschnittliche Wartezeit an den Telefonleitungen beträgt gemäss Berichten bis zu einer Stunde.
Kommunikation und Vorschüsse sorgen für Verwirrung
Die Kommunikation seitens der Arbeitslosenkassen und des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) stösst auf Kritik. Jannis Z. äussert seinen Unmut:
«Immer wieder sagt man mir nur, dass ich halt etwas Geduld haben soll. Wie soll ich Geduld haben? Mein Portemonnaie ist leer!»Er kritisiert, dass Betroffene bei Fristversäumnissen gnadenlos sanktioniert würden, während die Behörden selbst die Auszahlungsfristen nicht einhalten können.
Das Online-Portal job-room.ch, das für die Einreichung von Dokumenten vorgesehen ist, zeigte ebenfalls grosse technische Probleme. Letzte Woche war es zeitweise komplett offline. Noch immer dauert die Aktivierung von E-Services wie «Arbeitsbemühungen» und «Dokumente hochladen» bis zu 24 Stunden, wie auf der Website zu lesen ist.
Widersprüchliche Aussagen zu Vorschüssen
Besondere Verwirrung herrscht bei der Frage nach Vorschüssen. Berichte besagen, das Seco habe alle Arbeitslosenkassen dringend aufgefordert, Vorschüsse zu gewähren. Das Seco widerspricht dieser Darstellung jedoch. Man habe «keine besonderen Anweisungen in Bezug auf Vorschüsse an die Arbeitslosenkassen erteilt», heisst es auf Anfrage.
Rechtliche Grundlage für Vorschüsse
Das Gesetz sieht Vorschüsse in bestimmten Fällen vor. Eine Weisung des Seco erläutert die Bedingungen: Die betroffene Person muss alle Anspruchsvoraussetzungen für Arbeitslosengeld erfüllen und zudem «glaubhaft darlegen können, dass sie auf den Vorschuss angewiesen ist». Angesichts der Überlastung der Kassen ist jedoch fraglich, ob zusätzliche Anträge für Vorschüsse zeitnah bearbeitet werden können.
Mitarbeitende am Limit, dramatische Einzelfälle
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeitslosenkassen sind stark gefordert. Eine Mitarbeiterin berichtete gegenüber einem Tages-Anzeiger von chronisch überlasteten Telefonleitungen und langen Wartezeiten. Sie erzählte von zwei Fällen, in denen Betroffene aus Notunterkünften anriefen, weil sie seit Dezember kein Geld mehr erhalten und ihre Wohnungen verloren hatten.
Viele Anrufer sprechen zudem nur schlecht Deutsch. Sie hätten die Aufforderung zum früheren Einreichen von Dokumenten nicht verstanden und stünden nun vor dem Nichts. Diese sprachlichen Barrieren erschweren die Situation zusätzlich und führen zu noch grösserer Verzweiflung.
Kantonale Reaktionen und Ausblick
Einige Kantone haben auf die anhaltenden Probleme reagiert. Die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich, eine der grössten im Land, hat eine Taskforce eingerichtet. Ein Sprecher erklärte, dass alle verfügbaren personellen Ressourcen für die pünktliche Auszahlung der Taggelder eingesetzt würden. Versicherte würden bei Problemen mit der Datenerfassung unterstützt, um Verzögerungen zu vermeiden. Bei komplexeren Dossiers könnten diese jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden.
Für Versicherte der Arbeitslosenkasse des Kantons St. Gallen gibt es erste Entspannung. Am Montag wurden Auszahlungen in Höhe von zwei Millionen Franken freigegeben, die am Freitag und Samstag erfasst wurden. Die St. Galler Kasse liegt hier im Soll.
Zuversicht beim Seco trotz Rückstand
Das Seco räumt ein, dass es während der Stabilisierungsphase zu unvorhergesehenen Problemen kommen kann, betont aber, dass ein grosser Teil der technischen Schwierigkeiten bereits gelöst worden sei. Man sei zuversichtlich, dass die Arbeitslosen im Februar ihr Taggeld fristgerecht erhalten werden.
«Zum gegenwärtigen Zeitpunkt geht das Seco weiterhin davon aus, dass die Auszahlung der Arbeitslosenentschädigungen innerhalb des folgenden Monats gewährleistet ist.»Diese Aussage steht im Kontrast zu den aktuellen Auszahlungszahlen für Januar, wo bisher nur 135,5 Millionen Franken von den benötigten 540 Millionen Franken ausgezahlt wurden. Dies entspricht einem Rückstand von fast drei Vierteln der fälligen Beträge.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die getroffenen Massnahmen ausreichen, um die Situation zu stabilisieren und die ausstehenden Zahlungen schnellstmöglich zu leisten. Für die betroffenen Arbeitslosen bleibt die Lage weiterhin angespannt.




