Ein aktueller Fall einer Schweizer Volleyballspielerin löst in sozialen Medien und der Politik eine Debatte aus: Flüge zwischen Zürich und Genf sind für Reisende oft günstiger als eine Zugfahrt. Diese Preispolitik wirft Fragen zum Umweltschutz und zur Fairness auf, besonders angesichts der erheblichen CO₂-Emissionen des Flugverkehrs.
Wichtigste Punkte
- Inlandsflüge zwischen Zürich und Genf sind oft günstiger als Zugtickets.
- Ein TikTok-Video von Nora Sacher hat die Diskussion ausgelöst.
- Flugreisen verursachen deutlich mehr CO₂-Emissionen als Zugfahrten auf der gleichen Strecke.
- Die Swiss bietet das «Swiss Air Rail»-Angebot an, doch viele bevorzugen weiterhin den Flug.
- Politische Vorstösse zur Eindämmung von Kurzflügen existieren, wurden aber bisher abgelehnt oder sind noch in Prüfung.
Die kontroverse Entdeckung der Volleyballerin
Nora Sacher, eine 27-jährige Profi-Volleyballerin aus Lausanne, sorgte kürzlich für Aufsehen. Nach einem Europacupspiel in Sofia kehrte ihr Team über Zürich nach Genf zurück. Dabei wählten sie überraschenderweise den Flug anstelle des Zuges für die letzte Etappe.
«Wir nehmen das Flugzeug von Zürich nach Genf statt den Zug, weil es günstiger war. Ist das legal?», fragte Sacher in einem viralen TikTok-Video. Der Clip erreichte über 80.000 Klicks und löste eine Welle von Kommentaren und Diskussionen aus. Viele Nutzer äusserten ihr Unverständnis über die Preisgestaltung und die Umweltauswirkungen.
Die Buchung erfolgte über eine Agentur, und die Preisdifferenz soll laut Sacher bei etwa 20 Franken pro Person gelegen haben. Diese Diskrepanz zwischen Flug- und Zugpreisen innerhalb der Schweiz ist für viele Bürger schwer nachvollziehbar.
Fakten zum Preisvergleich
- Ein Flug von Sofia über Zürich nach Genf kostet 228,67 Euro.
- Ein Flug von Sofia nach Zürich kostet 228,91 Euro.
- Ein reguläres Zugticket Zürich-Genf ohne Halbtax kostet 96 Franken.
- Mit Halbtax reduziert sich der Zugpreis auf 48 Franken.
Umweltauswirkungen im Fokus
Während die Preisunterschiede gering erscheinen mögen, sind die Auswirkungen auf die Umwelt enorm. Die CO₂-Emissionen unterscheiden sich drastisch zwischen Flug- und Zugreise.
Laut MyClimate stösst ein Flug auf der Strecke Zürich-Genf etwa 140 Kilogramm CO₂ aus. Im Vergleich dazu verursacht eine Zugfahrt gemäss SBB-Angaben lediglich 1,6 Kilogramm CO₂. Dieser Unterschied von fast dem Hundertfachen empört viele umweltbewusste Reisende.
«So etwas sollte nicht erlaubt sein! Vielleicht günstiger für den Fluggast, nicht aber für den Planeten.»
Diese Kommentare spiegeln die allgemeine Stimmung wider. Die Diskrepanz zwischen den Kosten für den Reisenden und den ökologischen Kosten für den Planeten wird als inakzeptabel empfunden. Einige Nutzer berichteten sogar, dass sie aus Kostengründen selbst schon Inlandsflüge innerhalb der Schweiz genutzt hätten.
Hintergrund: Politische Bemühungen
Das Thema Inlands- und Kurzflüge ist in der Schweizer Politik nicht neu. Bereits 2019 forderte SP-Nationalrätin Samira Marti ein Verbot solcher Flüge aufgrund der hohen Emissionen. Der Bundesrat lehnte dies jedoch ab, mit der Begründung, dass über 85 Prozent der Inlandspassagiere in Zürich umsteigen und ein Verbot kaum CO₂ einsparen würde, da Reisende auf andere Flughäfen ausweichen könnten.
Aktuell fordert der Grosse Rat Basel-Stadt eine Lenkungsabgabe auf Flugtickets, um unnötige Kurzflüge einzudämmen. Dies basiert auf der Verfügbarkeit zumutbarer Bahnverbindungen und verweist auf den Lärm am EuroAirport Basel sowie ähnliche Massnahmen in Frankreich und Belgien. Eine Antwort auf diesen Vorstoss steht noch aus.
Die Position der Swiss
Die Swiss, als führende Fluggesellschaft der Schweiz, äussert sich zu der Situation. Sie betont die Wichtigkeit, die Westschweiz optimal an ihr weltweites Streckennetz anzubinden. Dies geschieht sowohl über Flüge zwischen Genf und Zürich als auch über das «Swiss Air Rail»-Angebot, das gemeinsam mit der SBB betrieben wird.
Seit 2020 gibt es Verbindungen zwischen dem Hauptbahnhof Genf und dem Flughafen Zürich, und seit 2023 ist auch der Flughafen Genf angebunden. Die Swiss weist darauf hin, dass auf der Strecke Zürich–Genf seit gut zwei Jahren ausschliesslich sogenannte Green Tarife angeboten werden, bei denen die CO₂-Emissionen bereits im Ticketpreis kompensiert sind.
Trotz der Zug-Option bevorzugen die meisten Passagiere nach Angaben der Swiss weiterhin das Flugzeug. Eine Sprecherin der Swiss erklärte: «Daher werden wir dieses Angebot mit beiden Möglichkeiten Flug oder Zug weiterhin beibehalten.» Genaue Zahlen zu Passagieraufkommen oder Emissionen werden aus Wettbewerbsgründen nicht veröffentlicht.
Reisende in der Schweiz
Laut Bundesamt für Statistik sind im Jahr 2024 insgesamt 467.533 Reisende innerhalb der Schweiz geflogen. Dies unterstreicht die Relevanz des Inlandsflugverkehrs, auch wenn die ökologischen Bedenken wachsen.
Blick in die Zukunft
Nora Sacher zeigte sich überrascht von der viralen Verbreitung ihres Clips. Sie hofft, dass dies neue Bemühungen anstösst, die Preispolitik zu überdenken. Die Diskussion um umweltfreundlicheres Reisen und die Rolle des Preises wird voraussichtlich weitergehen.
Die Entscheidung zwischen Flug und Zug für Inlandsreisen bleibt ein Dilemma für viele Schweizer. Während Komfort und Preis oft den Ausschlag geben, rückt die Umweltbilanz zunehmend in den Vordergrund der öffentlichen Wahrnehmung.
Es bleibt abzuwarten, ob politische Massnahmen oder ein verstärktes Umweltbewusstsein der Konsumenten zu einer Verschiebung der Präferenzen führen werden.





