Die anhaltende Kältewelle führt am Flughafen Zürich zu erheblichem Mehraufwand und potenziellen Verspätungen. Hunderte von Flugzeugen müssen täglich enteist werden, um die Flugsicherheit zu gewährleisten. Seit Oktober wurden bereits über 1700 solcher Prozeduren durchgeführt.
Das Wichtigste in Kürze
- Am Flughafen Zürich werden an kalten Tagen weit über 100 Flugzeuge enteist, was zu Flugverspätungen führen kann.
- Seit Saisonbeginn im Oktober hat allein Swissport bereits 1700 Enteisungen vorgenommen.
- Der Prozess dauert je nach Witterung und Flugzeugtyp zwischen drei und 30 Minuten.
- Der Flughafenbetrieb gilt derzeit als stabil, bei starkem Schneefall sind grössere Verzögerungen jedoch unvermeidlich.
Hoher Aufwand in den Morgen- und Abendstunden
Der Winter hat den Flughafen Zürich fest im Griff. Eisige Temperaturen erfordern den ununterbrochenen Einsatz spezialisierter Enteisungsteams. Besonders Flugzeuge, die über Nacht im Freien abgestellt waren, sind von Eis und Frost betroffen. Eine Sprecherin von Swissport, dem zuständigen Dienstleister, erklärt, dass die meisten Einsätze in den frühen Morgenstunden und am späten Abend stattfinden, wenn die Temperaturen am tiefsten sind.
An besonders kalten Tagen steigt die Zahl der notwendigen Behandlungen stark an. "An einzelnen Tagen werden weit über 100 Enteisungen am Flughafen Zürich durchgeführt", so die Sprecherin. Diese Massnahme ist für die Sicherheit im Flugverkehr unerlässlich. Eis und Schnee auf den Tragflächen verändern die aerodynamischen Eigenschaften eines Flugzeugs und können den für den Start notwendigen Auftrieb gefährlich reduzieren.
Enteisung in Zahlen
Seit Beginn der Wintersaison im Oktober 2024 hat Swissport am Flughafen Zürich bereits 1700 Enteisungen durchgeführt. Die Entscheidung, ob eine Enteisung notwendig ist, trifft stets die Cockpit-Besatzung.
Minuten, die über Pünktlichkeit entscheiden
Der Enteisungsprozess selbst ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Unter normalen Umständen dauert es nur drei bis vier Minuten, eine Maschine von Eis zu befreien. Bei starkem Frost oder wenn zusätzlich Schnee von den Tragflächen und dem Rumpf entfernt werden muss, kann sich der Vorgang erheblich verlängern. In solchen Fällen kann eine Enteisung auch 20 bis 30 Minuten in Anspruch nehmen.
Diese zusätzlichen Zeitfenster summieren sich im eng getakteten Flugplan schnell auf. Ein Sprecher des Flughafens Zürich bestätigte auf Anfrage, dass Verspätungen nicht ausgeschlossen werden können. Obwohl der Betrieb aktuell als stabil beschrieben wird, hängt die Pünktlichkeit stark von den Wetterbedingungen der kommenden Tage ab.
Sollte es zu intensivem Schneefall kommen, wären weitere Verzögerungen unvermeidlich. Dann müssten nicht nur die Flugzeuge, sondern auch die Pisten und Rollfelder kontinuierlich geräumt werden, was die Kapazität des Flughafens weiter einschränkt.
Ausnahmen vom Nachtflugverbot
Aufgrund von wetterbedingten Verspätungen können vereinzelt Flüge eine Ausnahmebewilligung für Starts oder Landungen während der Nachtsperre erhalten. Laut dem Flughafensprecher handelt es sich dabei jedoch nur um "ein paar wenige Flüge pro Woche", um die Lärmbelastung für die Anwohner so gering wie möglich zu halten.
Globale Unsicherheiten belasten die Wirtschaft zusätzlich
Während der Flughafen Zürich mit den direkten Folgen des Winters kämpft, blickt die Wirtschaft in der Region mit Sorge auf die Konjunktur im benachbarten Deutschland. Das renommierte Münchner Ifo-Institut hat seine Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft kürzlich nach unten korrigiert. Statt der ursprünglich erwarteten 1,3 Prozent wird für das kommende Jahr nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,8 Prozent erwartet.
Als Gründe für die gedämpfte Erwartung nennen die Forscher mehrere Faktoren:
- Langsamer Strukturwandel: Die deutsche Wirtschaft passt sich nur zögerlich neuen Gegebenheiten an.
- Bürokratische Hürden: Unternehmen werden durch komplexe Vorschriften und Berichtspflichten gebremst.
- Veraltete Infrastruktur: Mangelnde Investitionen in die Infrastruktur behindern das Wachstum.
- US-Handelspolitik: Anhaltende Unsicherheiten im globalen Handel belasten die exportorientierte deutsche Industrie.
Ruf nach Reformen wird lauter
Angesichts dieser Herausforderungen fordert Ifo-Präsident Clemens Fuest von der deutschen Bundesregierung einen "Frühling der Reformen". Er kritisiert, dass bisherige Massnahmen wie die Rentenreform das Wachstum eher geschwächt als gestärkt hätten.
"Was wir bekommen haben, das sind überwiegend Reformen, die das Wachstum schwächen. Wir brauchen jetzt einen Frühling der Reformen, die in die richtige Richtung steuern." - Clemens Fuest, Ifo-Präsident
Fuest schlägt konkrete Massnahmen vor, um die Wirtschaft anzukurbeln. Dazu gehören ein flexibleres Arbeitsmarktrecht, der Abbau von überflüssiger Regulierung und gezielte Investitionen in Bildung und Infrastruktur. Die Entwicklung in Deutschland ist für die Schweiz von grosser Bedeutung, da Deutschland der mit Abstand wichtigste Handelspartner ist.
Diplomatische Bemühungen um stabile Lieferketten
Die wirtschaftlichen Unsicherheiten werden durch geopolitische Spannungen weiter verschärft. In diesem Zusammenhang sind die Bemühungen der deutschen Politik um stabile Wirtschaftsbeziehungen mit China zu sehen. Bundesaussenminister Johann Wadephul äusserte sich nach einem Besuch in Peking zuversichtlich über Fortschritte in Wirtschaftsfragen, insbesondere bei der Versorgung mit Seltenen Erden, die für viele High-Tech-Produkte entscheidend sind.
Wadephul betonte die Wichtigkeit eines fairen Wettbewerbs. "Wir Europäer wollen wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China. Wir scheuen auch keinen Wettbewerb, aber dieser muss auf Regeln basieren und fair sein", sagte er. Laut Wadephul habe die chinesische Seite versichert, Anträge deutscher Unternehmen konstruktiv zu prüfen und keine künstlichen Hürden aufzubauen.
Diese diplomatischen Gespräche unterstreichen die Abhängigkeit der europäischen Industrie von globalen Lieferketten und die Notwendigkeit, diese widerstandsfähiger zu machen – eine Herausforderung, die neben dem unmittelbaren Winterwetter die Wirtschaft in der Schweiz und ganz Europa in den kommenden Monaten beschäftigen wird.





