Henning Conle, ein deutsch-schweizerischer Doppelbürger, hat sich in Zürich unbemerkt ein umfangreiches Immobilienimperium aufgebaut. Er besitzt die grösste Wohnfläche unter Privatpersonen in der Stadt. Recherchen zeigen, dass ihm 121 Grundstücke mit 1253 Wohnungen in 135 Häusern gehören. Sein Vermögen wird auf bis zu 1,2 Milliarden Franken geschätzt, und er steht im Verdacht, rechte Parteien in Deutschland und der Schweiz finanziell zu unterstützen.
Wichtigste Erkenntnisse
- Henning Conle besitzt knapp 74'000 Quadratmeter Wohnfläche in Zürich.
- Ihm gehören 1253 Wohnungen in 135 Häusern, verteilt über neun Stadtkreise.
- Der Wert seines Zürcher Immobilienbesitzes wird auf bis zu 1,2 Milliarden Franken geschätzt.
- Conle ist als mutmasslicher Spender der AfD in Deutschland bekannt geworden.
- In der Schweiz wird er mit der Finanzierung von SVP-Veranstaltungen in Verbindung gebracht.
Ein Schattenmann im Zürcher Immobilienmarkt
Henning Conle, Jahrgang 1944, ist in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Trotzdem hat er in Zürich ein riesiges Immobilienportfolio akquiriert. Seine Identität als grösster privater Wohnungsbesitzer der Stadt Zürich wurde erst durch eine mehrjährige Recherche des Stadtmagazins Tsüri.ch und des WAV Recherchekollektivs aufgedeckt. Diese Daten wurden mit dem Gebäude- und Wohnungsregister der Stadt Zürich abgeglichen.
Die Untersuchung ergab, dass Conle nicht nur Wohnungen, sondern auch Geschäftshäuser besitzt. Insgesamt verfügt er über rund 105'000 Quadratmeter Stadtboden. Ein Verkauf dieser Grundstücke würde ihm heute, basierend auf städtischen Daten zum impliziten Bodenwert, bis zu 1,2 Milliarden Franken einbringen. Die monatlichen Mieteinnahmen aus diesen Immobilien werden auf rund 1,84 bis 1,98 Millionen Franken geschätzt.
Zahlen und Fakten zu Conles Zürcher Imperium
- 121 Grundstücke in der Stadt Zürich
- 1253 Wohnungen in 135 Häusern
- 74'000 Quadratmeter Wohnfläche im Privatbesitz
- Geschätzter Verkaufswert: bis zu 1,2 Milliarden Franken
- Monatliche Mieteinnahmen: 1,84 bis 1,98 Millionen Franken
Vom Ruhrpott nach Zürich: Die Conle-Dynastie
Henning Conle stammt ursprünglich aus Duisburg, Deutschland. Sein Vater, Heinz Conle, ein Sozialdemokrat, baute nach dem Zweiten Weltkrieg Tausende von Sozialwohnungen im Ruhrgebiet. Die nachfolgenden Generationen der Familie Conle haben den Immobilienbesitz erfolgreich erweitert.
Henning Conle selbst erwarb Immobilien in Grossstädten wie Berlin, Hamburg und London. Medienberichte erwähnten einen Immobilienkauf in London im Wert von fast zwei Milliarden Pfund. Auch ein Schloss in Kärnten, Österreich, wurde von ihm ersteigert. Er zog den Berichten zufolge in den 1990er-Jahren nach Zürich.
Hintergrund: Die Conle Property Group
Die Conle Property Group ist ein familiengeführtes Unternehmen. Henning Conle Junior, sein Sohn, ist heute Gesellschafter der deutschen Conle Property Group. Die Schweizer Immobilien werden von der Miwo AG verwaltet, deren Verwaltungsrat Henning Conle Junior angehört. Markus Dörig ist der Geschäftsführer der Miwo AG.
Verteilung des Wohnraums in Zürich
Die Conle-Häuser sind über das gesamte Stadtgebiet von Zürich verteilt. Im Niederdorf im Kreis 1, nahe des Grossmünsters, besitzt Conle ein als Bürogebäude ausgeschriebenes Haus. An der Schipfe und Storchengasse sind Luxusmarken und Einrichtungsberatungen in seinen Liegenschaften eingemietet.
Der grösste Teil seiner Wohnungen, insgesamt 662 Einheiten, konzentriert sich auf Zürich Nord. Dazu gehören die Quartiere Unterstrass, Schwamendingen, Affoltern und Oerlikon. Allein am Schuhmacherweg hinter der ETH Hönggerberg befinden sich 33 Conle-Häuser. Auch in den Kreisen 2, 3 und 4 sind zahlreiche Wohnungen in seinem Besitz.
„Wer ab dem Bucheggplatz Richtung Bahnhof Oerlikon spaziert, passiert an der Hofwiesenstrasse 18 Conle-Häuser.“
Ein Mieter wie Florian Hitz (Name geändert), der seit zweieinhalb Jahren in einer Conle-Wohnung an der Hofwiesenstrasse lebt, zahlt für seine 50 Quadratmeter grosse 2-Zimmerwohnung 1400 Franken Miete. Dies liegt unter den aktuellen Angebotsmieten in dieser Postleitzahl. Der Ausbaustandard der Wohnungen wird als altersgerecht für ein Haus aus den 1940er-Jahren beschrieben.
Verbindungen zu rechten Parteien
Henning Conles Name taucht immer wieder im Zusammenhang mit Parteispenden an rechte bis rechtsextreme Parteien auf. Seit 2019 wurde er mehrmals mit verdeckten Parteispenden an die deutsche AfD in Verbindung gebracht. Recherchen von «Spiegel» und «Standard» deuten darauf hin, dass Conle über einen Dritten eine 2,35 Millionen Euro teure AfD-Plakatkampagne für die letzten Bundestagswahlen finanziert haben soll. Auch für 2017 wurde er von der «Süddeutschen Zeitung» als verdeckter Spender für AfD-Fraktionschefin Alice Weidel genannt.
In der Schweiz brachten Recherchen von «CH-Media» Conles Kontakte zur SVP ans Licht. Es soll zu mehreren Treffen zwischen Conle und Politikern der rechtsbürgerlichen Partei gekommen sein. SVP-Bundesrat Albert Rösti bestätigte, an einem Abendessen mit Conle und dessen Sohn teilgenommen zu haben. Er beschrieb es als „geselliges Beisammensein unter Parteifreunden“.
Die SVP-Parteizeitung dankte Henning Conle namentlich für die Finanzierung der 100-Jahr-Feier der SVP Zürich im Jahr 2017. Auf Anfragen zu aktuellen Spenden für die Zürcher Wahlen 2026 gibt die SVP Stadt Zürich keine Auskünfte über ihre Spender.
Spenden und politische Verbindungen
- Mutmassliche Finanzierung einer AfD-Plakatkampagne in Deutschland (2,35 Millionen Euro).
- Namentliche Danksagung in der SVP-Parteizeitung für die Finanzierung der 100-Jahr-Feier der SVP Zürich 2017.
- Treffen mit SVP-Politikern, einschliesslich Bundesrat Albert Rösti.
Das Mysterium um die Person Conle
Trotz seines enormen Reichtums und seiner politischen Verbindungen existiert kein öffentliches Bild des heute 82-jährigen Henning Conle. Medien beschreiben ihn als „Schattenmann“ oder „Phantom“. Eine Notiz aus dem Jahr 2015 für die damalige AfD-Chefin Frauke Petry, die Conle am Flughafen abholen sollte, beschreibt ihn mit „dunkler Hornbrille, Lederjacke, kurzem Bart, wenig Haar.“
Henning Conle selbst hat sich zu den Berichten über sein Immobilienimperium und seine mutmasslichen Parteispenden nie geäussert. Anfragen an seinen Anwalt, die Conle Group und die Miwo AG blieben unbeantwortet. Auch die Frage, inwiefern seine Zürcher Mieteinnahmen in seine mutmasslichen Parteispenden fliessen, wurde nicht beantwortet.
Conle verfügt über zwei Wohnsitze: am Zürichberg und in Grossbritannien. Sein Londoner Domizil ist bei den meisten seiner Zürcher Immobilien als Adresse hinterlegt. Im Jahr 2017 schaffte er es mit seinem geschätzten Vermögen von 1,2 Milliarden Franken auf die Liste der 300 reichsten Schweizer des Magazins «Bilanz».





