Die historische Parkanlage am Römerholz in Winterthur ist nach rund 60 Jahren wieder vollständig. Die Erben des Kunstsammlers Oskar Reinhart haben die Anlage, einschliesslich einer einzigartigen Badeanlage, dem Bund übertragen. Damit kehrt ein zentraler Teil des ehemaligen Wohnsitzes Reinharts in das historische Gesamtensemble zurück, das seit 1970 öffentlich zugänglich ist.
Wichtigste Punkte
- Die Parkanlage Römerholz in Winterthur ist nach 60 Jahren wieder komplett.
- Die Erben von Oskar Reinhart haben die Anlage dem Bund geschenkt.
- Die Badeanlage von 1929-1932 ist ein zentraler Bestandteil der Schenkung.
- Die Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz» wird ab 9. Mai 2026 wiedereröffnet.
- Die Anlage soll schrittweise öffentlich zugänglich gemacht werden.
Wiederherstellung eines Gesamtensembles
Das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) bestätigte am Donnerstag die Übertragung. Die private Kunstsammlung und die Villa am Römerholz waren bereits 1966 durch Reinharts Testament in Bundesbesitz übergegangen. Ein grösserer Teil des Grundstücks, darunter die Badeanlage und ein Abschnitt des historischen Gartens, wurde jedoch nach Reinharts Tod von der Villa abgetrennt und innerhalb der Familie vererbt.
Mit dieser aktuellen Schenkung wird die historische Integrität des Ortes wiederhergestellt. Erstmals seit etwa 60 Jahren kann das Römerholz nun wieder als historisch gewachsene Gesamtanlage erlebt werden. Dies ist ein wesentlicher Beitrag zur Bewahrung dieses kulturhistorisch herausragenden Ortes.
Fakt am Rande
Die Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz» umfasst 209 Werke europäischer Kunst von der Spätgotik bis zur Schwelle der klassischen Moderne. Sie zählt zu den bedeutendsten privaten Kunstsammlungen Europas.
Die einzigartige Badeanlage
Ein zentraler Bestandteil der Schenkung ist die zwischen 1929 und 1932 errichtete Badeanlage. Sie wurde als eigenständiger Gebäudekomplex konzipiert. Der Entwurf stammt vom Winterthurer Architekten Robert Sträuli (1898–1986). Die Anlage vermittelt einen tiefen Einblick in das private Umfeld Reinharts und seine Vorstellung einer Verbindung von Kunst, Freizeit und Lebensstil.
Die Badeanlage umfasst ein Freibad mit Aussenecken und einem umfriedeten Hof mit Pavillon. Hinzu kommen ein Hallenbad und Innenräume um einen Innenhof. Dazu gehören unter anderem ein Badebereich, eine Turnhalle, Duschen, eine Dampfsauna und Fitnesseinrichtungen. Eine Innen-Bocciabahn und ein Künstleratelier mit Terrasse über den Badeeinrichtungen vervollständigen das Ensemble.
«Die Schenkung leistet einen wesentlichen Beitrag zur Bewahrung des kulturhistorisch herausragenden Ortes. Erstmals seit rund 60 Jahren kann das Römerholz damit künftig wieder als historisch gewachsene Gesamtanlage verstanden und erlebt werden.»
Kunsthistorische Bedeutung und Authentizität
Das Bundesamt für Kultur (BAK) betont die architektonische und kunsthistorische Bedeutung der Badeanlage. Oskar Reinhart beauftragte mehrere namhafte Künstler seiner Zeit mit der Gestaltung einzelner Bereiche. Dazu gehören Mosaike von Karl Otto Hügin im Hallenbad. Fresken in der Bocciabahn stammen von Künstlern wie Carl Hofer, Karl Walser, Maurice Barraud, Alexandre Blanchet und Ernst Morgenthaler.
Die gesamte Anlage zeichnet sich durch ihre hohe Integrität und Authentizität aus. Viele Bauteile, Ausstattungen und technische Installationen sind unverändert erhalten geblieben. Auch die Parkanlage, um 1915 von den renommierten Gartenarchitekten Gebrüder Meertens im Stil eines Architekturgartens angelegt, gehört zu den wenigen noch erhaltenen Ensembles dieser Art.
Hintergrund: Oskar Reinhart
Oskar Reinhart (1885–1965) war ein bedeutender Schweizer Mäzen und Kunstsammler. Seine Sammlung «Am Römerholz» in Winterthur ist eine der wichtigsten privaten Kunstsammlungen Europas. Reinhart verfügte testamentarisch, dass seine Sammlung und Villa nach seinem Tod in Bundesbesitz übergehen und öffentlich zugänglich gemacht werden sollten.
Zukünftiger Museumsbetrieb und öffentliche Zugänglichkeit
Der Bund vertritt als Eigentümer der neu übertragenen Flächen das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL). Für Nutzung, Vermittlung und die Integration in den Museumsbetrieb ist das Bundesamt für Kultur (BAK) zuständig. Zunächst sind denkmalpflegerische Sicherungs- und Instandsetzungsmassnahmen geplant. Danach soll die Park- und Freizeitanlage schrittweise öffentlich zugänglich gemacht werden.
Langfristig ist eine Einbindung der Gebäude in den musealen Betrieb vorgesehen. Dies umfasst dokumentarische Präsentationen sowie erweiterte Vermittlungs- und Teilhabeangebote. Die Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz» öffnet nach abgeschlossenen Umbauarbeiten am 9. Mai 2026 wieder für das Publikum. Besucher können dann das gesamte historische Ensemble neu entdecken.
- Architektur: Entworfen von Robert Sträuli (1898–1986).
- Kunst: Mosaike von Karl Otto Hügin, Fresken von Carl Hofer, Karl Walser, Maurice Barraud, Alexandre Blanchet und Ernst Morgenthaler.
- Garten: Angelegt um 1915 von den Gebrüder Meertens.
Die Schenkung gewährleistet den langfristigen Erhalt und die Zugänglichkeit dieses bedeutenden Kulturguts für die Öffentlichkeit. Es ist ein wichtiger Schritt, um das Erbe Oskar Reinharts in seiner vollen Pracht zu bewahren und zu vermitteln.





