Die Trinkwasserfassung Pfütziacker in Etzwilen steht vor einer umfassenden Sanierung. Ein interkantonales Projekt soll die erhöhten Nitratkonzentrationen und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln im Grundwasser senken. Die Projektbeteiligten einigten sich kürzlich an einem «Runden Tisch» auf die nächsten Schritte. Ziel ist es, die Wasserqualität langfristig zu verbessern und die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen.
Wichtigste Punkte
- Projekteingabe für Nitratprojekt beim Bund ist für April 2026 geplant.
- Die Projektphase wird mindestens sechs Jahre dauern.
- Ziel ist eine Senkung der Nitratkonzentration unter 25 mg/l.
- Umfassende Massnahmen wie Drainage-Sanierung und Bodenbeprobungen sind vorgesehen.
- Ein interkantonales Pilotprojekt zur Bestimmung des Zuströmbereichs wurde bereits 2023 gestartet.
Hintergrund der Wasserproblematik
Die Wasserfassung Pfütziacker, obwohl auf Thurgauer Boden in Wagenhausen gelegen, gehört der Stadt Stein am Rhein im Kanton Schaffhausen. Seit einiger Zeit genügt die Qualität des dort geförderten Grundwassers nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen für Trinkwasser. Hauptprobleme sind erhöhte Nitratwerte und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln.
Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, muss die Wasserversorgung Stein am Rhein das Wasser aus Pfütziacker derzeit mit Wasser aus anderen, unbelasteten Fassungen mischen. Dies ist eine Übergangslösung, die langfristig nicht tragbar ist.
Faktencheck Nitrat
- Der gesetzliche Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser beträgt 25 mg/l.
- Nitrat ist an sich ungefährlich, kann aber im Körper zu Nitrit umgewandelt werden, welches gesundheitsschädlich sein kann.
- Hauptursachen für erhöhte Nitratwerte sind intensive Landwirtschaft und Überdüngung.
Interkantonale Zusammenarbeit für besseres Wasser
Im September 2023 startete ein wegweisendes interkantonales Pilotprojekt. Die Kantone Schaffhausen und Thurgau arbeiteten eng zusammen, um den sogenannten Zuströmbereich der Fassung Pfütziacker zu bestimmen. Ein Zuströmbereich ist das Gebiet, aus dem etwa 90 Prozent des Grundwassers einer Trinkwasserfassung stammen.
Diese Bestimmung ist gesetzlich vorgeschrieben, wenn das Wasser durch schwer abbaubare Schadstoffe wie Nitrat verunreinigt ist. Die Zusammenarbeit umfasste das Interkantonale Labor Schaffhausen, das Amt für Umwelt des Kantons Thurgau, das Landwirtschaftsamt Thurgau sowie die betroffenen Gemeinden und den Verband Thurgauer Landwirtschaft.
Datenerhebung und Modellierung
Zur genauen Analyse wurden im Herbst 2023 fünf neue Grundwassermessstellen in Betrieb genommen. Diese messen seitdem kontinuierlich den Grundwasserspiegel. Parallel dazu erfolgten regelmässige Wasseranalysen. Zusätzlich entnahmen Fachleute Proben von Quellen, Drainagesystemen und Oberflächengewässern in der Umgebung.
Die gesammelten Daten bildeten die Grundlage für ein numerisches Grundwassermodell. Dieses Modell hilft, die Wege des Wassers im Untergrund besser zu verstehen und die Quellen der Verunreinigung zu identifizieren. Die Ergebnisse wurden an einer Informationsveranstaltung mit den betroffenen Grundeigentümern und Bewirtschaftern besprochen.
Der «Runde Tisch» und der Konsens
Ein wichtiger Schritt war der kürzlich abgehaltene «Runde Tisch» in Stein am Rhein. Unter der Leitung von Frank Burose vom Arenenberg kamen alle relevanten Akteure zusammen: Vertreter der Gemeinden Stein am Rhein und Wagenhausen, der Grundeigentümer und Bewirtschafter, des Verbands Thurgauer Landwirtschaft, von Agroscope sowie der Fachstellen der Kantone Schaffhausen und Thurgau.
«Die Gespräche verliefen konstruktiv, und in allen Punkten konnte ein Konsens erzielt werden», sagte ein Beteiligter nach der Sitzung.
Dieser Konsens ist entscheidend für den Erfolg des Projekts, da er die breite Unterstützung aller Stakeholder sichert.
Was ist Agroscope?
Agroscope ist das Kompetenzzentrum des Bundes für Agrarforschung. Es trägt mit Forschung und Entwicklung massgeblich zur nachhaltigen Entwicklung der Land- und Ernährungswirtschaft bei und ist ein wichtiger Partner in solchen Umweltprojekten.
Das geplante Nitratprojekt und weitere Schritte
Eine Kerngruppe, bestehend aus Vertretern der beteiligten Kreise, wird nun ein detailliertes Nitratprojekt nach dem Gewässerschutzgesetz erarbeiten. Die offizielle Projekteingabe beim Bund ist für April 2026 geplant. Die anschliessende Projektphase wird eine Dauer von mindestens sechs Jahren haben.
Ziel des Projekts ist es, die Nitratkonzentration im Grundwasser der Fassung Pfütziacker unter den gesetzlichen Grenzwert von 25 mg/l zu senken. Dies erfordert gezielte Massnahmen in der Landwirtschaft und der Infrastruktur des Zuströmbereichs.
Geplante Massnahmen
- Sanierung des Drainagesystems: Ein intaktes Drainagesystem ist entscheidend, um den Abfluss von Nährstoffen zu kontrollieren.
- Weitere Bodenbeprobungen: Kontinuierliche Analysen des Bodens helfen, Nährstoffkreisläufe besser zu verstehen und Bewirtschaftungsmethoden anzupassen.
- Grundwasseranalysen: Die im letzten Jahr installierte, kontinuierlich aufzeichnende Nitratsonde wird weiterhin wichtige Daten liefern.
- Anpassung der Bewirtschaftung: In Zusammenarbeit mit dem Arenenberg, einem Zentrum für Landwirtschaft und Ernährung, werden Strategien zur Reduktion des Nährstoffeintrags entwickelt.
Diese Massnahmen sollen sicherstellen, dass das Trinkwasser aus der Fassung Pfütziacker langfristig wieder den gesetzlichen Anforderungen entspricht und die Bevölkerung von Stein am Rhein mit hochwertigem Wasser versorgt wird.
Langfristige Perspektiven für die Trinkwasserqualität
Das Nitratprojekt Pfütziacker ist ein Beispiel für die Herausforderungen, mit denen die Trinkwasserversorgung in dicht besiedelten und landwirtschaftlich genutzten Gebieten konfrontiert ist. Der Erfolg dieses interkantonalen Vorhabens könnte als Modell für ähnliche Projekte in der Schweiz dienen.
Die enge Zusammenarbeit zwischen Behörden, Landwirtschaft und Wasserversorgern ist entscheidend, um die Qualität unserer wichtigsten Ressource, des Trinkwassers, auch für zukünftige Generationen zu sichern. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie effektiv die geplanten Massnahmen zur Reduktion der Nitratbelastung sein werden.





