Forschende der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) haben nach dem Engadiner Skimarathon 2025 erhöhte Konzentrationen von langlebigen PFAS-Chemikalien im Schnee nachgewiesen. Die Substanzen stammen aus Skiwachsen, deren Verwendung bei der Veranstaltung offiziell verboten ist. Die höchsten Werte wurden direkt an der Startlinie über dem Silsersee gemessen, was Bedenken hinsichtlich der Umweltbelastung aufwirft.
Das Wichtigste in Kürze
- Empa-Forschende fanden verbotene PFAS-Chemikalien im Schnee des Engadiner Skimarathons.
- Die höchste Konzentration wurde am Startpunkt der Veranstaltung festgestellt.
- Die Chemikalien gelangen mit der Schneeschmelze in die Umwelt und gelten als extrem langlebig.
- Als Ursache wird altes, PFAS-haltiges Skiwachs von Amateur-Läufern vermutet, da die Produkte bei Profis nicht nachgewiesen wurden.
Unerwünschte Spuren im Schnee
Der Engadiner Skimarathon ist ein Aushängeschild des Schweizer Wintersports und zieht jährlich tausende Teilnehmende an. Doch eine aktuelle Untersuchung der Empa wirft einen Schatten auf die Veranstaltung. Wissenschaftler haben den Schnee entlang der Strecke analysiert und dabei eine besorgniserregende Entdeckung gemacht: Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, besser bekannt als PFAS, wurden in signifikanten Mengen gefunden.
Besonders alarmierend ist der Messpunkt an der Startlinie über dem Silsersee. Hier war die Konzentration der sogenannten "Ewigkeitschemikalien" am höchsten. Dies deutet darauf hin, dass die Substanzen direkt von den Skiern der Teilnehmenden in den Schnee gelangten.
Was sind PFAS?
PFAS ist eine Gruppe von mehreren tausend synthetischen Chemikalien, die aufgrund ihrer wasser- und fettabweisenden Eigenschaften in vielen Produkten verwendet werden, von Regenjacken über antihaftbeschichtete Pfannen bis hin zu Skiwachs. Ihr Problem: Sie sind in der Umwelt extrem persistent, bauen sich kaum ab und reichern sich in Lebewesen an. Die gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen werden noch erforscht, stehen aber im Verdacht, das Immunsystem zu schwächen und andere negative Effekte zu haben.
Die Quelle des Problems: Altes Skiwachs
Offiziell sind PFAS-haltige Skiwachse beim Engadiner Skimarathon und anderen grossen Wettkämpfen seit einigen Jahren verboten. Die Organisatoren setzen auf strenge Kontrollen, um die Einhaltung dieser Regel sicherzustellen. Die Untersuchung der Empa bestätigt den Erfolg dieser Massnahmen bei den Spitzenathleten: Bei den zehn schnellsten Läufern des Rennens konnten keine Spuren der verbotenen Substanzen nachgewiesen werden.
Woher stammen also die gemessenen Werte? Die Forschenden vermuten die Ursache im Breitensport. Viele Amateur-Langläuferinnen und -Langläufer verwenden möglicherweise noch altes Material. Ein Wachsblock kann viele Jahre halten, und ältere Produkte, die vor dem Verbot hergestellt wurden, enthalten fast immer PFAS.
"Die Wissenschaftler unterstellen niemandem böse Absicht", heisst es in der Mitteilung der Empa. Vielmehr sei es wahrscheinlich, dass viele Hobbysportler unwissentlich weiterhin altes Wachs nutzen.
Diese Situation zeigt eine Lücke in den Regulierungen auf: Während der Verkauf neuer PFAS-haltiger Wachse eingeschränkt ist, zirkulieren Altbestände weiterhin in den Kellern und Wachsboxen von Sportbegeisterten.
Ein Risiko für die empfindliche Alpenregion
Die Entdeckung ist besonders für eine sensible alpine Umwelt wie das Engadin problematisch. Mit der Schneeschmelze im Frühling werden die im Schnee gebundenen Chemikalien freigesetzt. Sie gelangen so in Bäche, Flüsse und Seen und schliesslich ins Grundwasser.
Der Weg der "Ewigkeitschemikalien"
- Freisetzung: PFAS aus dem Skiwachs gelangen in den Schnee.
- Transport: Die Schneeschmelze spült die Chemikalien in den Boden und in Gewässer.
- Anreicherung: Da sie kaum abgebaut werden, reichern sich PFAS in der Umwelt, in Tieren und Pflanzen an.
- Verbreitung: Über den Wasserkreislauf können die Substanzen weite Strecken zurücklegen.
Da PFAS extrem langlebig sind, verbleiben sie über Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, in der Umwelt. Jede neue Freisetzung trägt zur Gesamtbelastung bei. Dies stellt eine langfristige Gefahr für die Wasserqualität und die Ökosysteme dar. Die genauen Auswirkungen der gefundenen Konzentrationen auf die lokale Fauna und Flora müssen weiter untersucht werden.
Appell an die Verantwortung der Sportler
Angesichts der Ergebnisse richten die Empa-Forschenden einen klaren Appell an die Langlauf-Community. Sie raten allen Läuferinnen und Läufern dringend, ihre alten Wachsbestände zu überprüfen und auf moderne, PFAS-freie Alternativen umzusteigen.
Die Empfehlung lautet: Neues Skiwachs kaufen, um sicherzustellen, dass keine schädlichen Chemikalien mehr in die Natur gelangen. Moderne Produkte bieten mittlerweile eine vergleichbare Leistung ohne die negativen Umweltauswirkungen.
Die Studie macht deutlich, dass Verbote allein nicht ausreichen. Es bedarf einer breiten Aufklärung und des Bewusstseins jedes Einzelnen, um die Umwelt nachhaltig zu schützen. Der Engadiner Skimarathon zeigt beispielhaft, wie die Handlungen vieler Einzelpersonen eine messbare Auswirkung auf die Umwelt haben können – im Guten wie im Schlechten.




