Die Schweiz erlebt eine anhaltende Periode extremer Hitze und Trockenheit. Temperaturen über 30 Grad sind bereits am Vormittag keine Seltenheit mehr. Diese Situation führt zu sinkenden Wasserständen in Seen und Flüssen und erhöht die Waldbrandgefahr. Experten rechnen mit dem heissesten Juli seit Beginn der Messungen.
Wichtige Punkte
- Juli 2026 voraussichtlich der heisseste seit Messbeginn.
- Wasserstände in Seen wie dem Bodensee und Vierwaldstättersee sinken drastisch.
- Feuer- und Feuerwerksverbote gelten in mehreren Kantonen, auch am 1. August.
- Nationalrat fordert Prüfung der ausserordentlichen Lage.
- Hitzewarnungen der Stufen 3 und 4 für weite Teile der Schweiz.
Rekordhitze und ihre Folgen
Der Juli 2026 könnte als der heisseste Monat in die Schweizer Messgeschichte eingehen. Meteonews prognostiziert, dass der Temperaturüberschuss den bisherigen Rekord von 2015 übertreffen wird. Damals lag der Überschuss bei 3,25 Grad. In diesem Jahr wurden zeitweise Abweichungen von bis zu 4,4 Grad gemessen. Besonders betroffen sind die Nordwest- und Westschweiz.
In Basel gab es im Juli bereits 31 Sommertage, während der langjährige Durchschnitt bei 17,9 Tagen liegt. Im Mittelland werden es voraussichtlich 29 bis 30 Sommertage sein, statt der üblichen 15 bis 17 Tage. Gleichzeitig ist der Juli aussergewöhnlich trocken. Es fehlt rund die Hälfte der normalen Monatsregenmenge.
Faktencheck
- 30,3 Grad Celsius wurden am Donnerstagmorgen um 9.20 Uhr in Fahy (JU) gemessen.
- Der Bodensee liegt bis zu 1,5 Meter unter dem langjährigen Durchschnitt.
- In Basel gab es im Juli 31 Sommertage, normal wären 17,9.
- Der Juli 2026 ist rund 50 Prozent trockener als üblich.
Dramatische Wasserstände und ihre Auswirkungen
Die anhaltende Trockenheit führt zu kritisch tiefen Wasserständen in vielen Gewässern. Der Bodensee ist davon stark betroffen. In mehreren Häfen können Boote kaum noch ein- und auslaufen. Im deutschen Hafen Gaienhofen-Horn sind nur noch etwa 20 Prozent der Liegeplätze nutzbar. Hafenmeister Jürgen Schulz rechnet mit einem täglichen Rückgang des Wasserstands um zwei bis drei Zentimeter. Er befürchtet, dass der Hafen in spätestens zwei Wochen komplett trockenliegen könnte.
Auch in Nonnenhorn ist die Situation angespannt. Unter manchen Booten verbleiben nur noch rund 20 Zentimeter Wasser. Sechs Segelboote liegen bereits auf dem Grund, zwei weitere mussten aus dem See geholt werden. Für viele Bootsbesitzer bedeutet dies das vorzeitige Ende der Saison oder die aufwendige Suche nach teuren Gästeplätzen.
"Unsere Landwirtschaft braucht jetzt rasche und unbürokratische Unterstützung. Es geht darum, die Tierbestände zu sichern, die Lebensmittelproduktion aufrechtzuerhalten und unsere Versorgungssicherheit nicht zu gefährden."
Vierwaldstättersee und Thur ebenfalls betroffen
Der Vierwaldstättersee steht kurz vor einem kritischen Pegelstand. Seine Zuflüsse führen weniger als die Hälfte der üblichen Wassermenge. Der Pegel liegt nur wenige Zentimeter über der Interventionsgrenze, die Einschränkungen für die Schifffahrt zur Folge hätte. Eine künstliche Drosselung des Abflusses könnte notwendig werden, falls der Regen ausbleibt. Die Wasserqualität des Sees ist jedoch weiterhin gut.
In der Thur hat die Trockenheit ebenfalls deutliche Spuren hinterlassen. Bei den Eschikofer SBB-Brücken bei Müllheim (TG) hat sich ein riesiger Algenteppich gebildet. Eine Fläche von schätzungsweise 12'000 Quadratmetern ist bedeckt. Dies ist ein Vielfaches der Ausbreitung, die vor rund zehn Tagen beim Thurwehr in Weinfelden festgestellt wurde und 2000 Quadratmeter betrug. Niederschlagsmangel, tiefe Wasserstände und hohe Wassertemperaturen begünstigen diese Algenbildung.
Trinkwasserversorgung gesichert
Rund fünf Millionen Menschen beziehen Trinkwasser aus dem Bodensee. Trotz des niedrigen Pegels ist die Versorgung nach Angaben der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee nicht gefährdet. Die Wasserentnahme hat praktisch keinen Einfluss auf den Pegel.
Politische Reaktionen und Hitzewarnungen
Angesichts der anhaltenden Trockenheit fordert Nationalrat Ernst Wandfluh den Bundesrat auf, die Ausrufung einer ausserordentlichen Lage zu prüfen. Dies soll schnelle und unbürokratische Massnahmen ermöglichen, darunter den raschen Einsatz der Armee für Wassertransporte und logistische Unterstützung für Landwirtschaft und Gemeinden. Wandfluh appelliert auch an die Milchbranche, den Milchpreis um mindestens 4 Rappen pro Kilogramm Milch zu erhöhen, um Landwirte zu entlasten.
Der Bund hat zudem Hitzewarnungen der Stufen 3 und 4 für weite Teile der Schweiz herausgegeben. Die Warnungen gelten unterhalb von 800 Metern über Meer. In den Regionen Basel, Lausanne, Genf und dem Tessin gilt die höchste Gefahrenstufe 4, mit Höchsttemperaturen von bis zu 38 Grad und möglichen Tropennächten über 20 Grad. Für die restliche Zentral-, Ost- und Westschweiz gilt Stufe 3, mit Höchstwerten von 36 Grad.
Empfehlungen des Bundes
- Täglich mindestens 1,5 Liter ungesüsste Flüssigkeit trinken.
- Körperliche Anstrengungen zur heissesten Tageszeit vermeiden.
- Schatten und kühle Räume aufsuchen.
- Geeignete Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenschutz tragen.
- Fenster beschatten und früh morgens lüften.
- Keine Personen oder Tiere in geparkten Autos zurücklassen.
Feuerverbote und Waldbrandgefahr
Aufgrund der anhaltenden Trockenheit gelten in der Stadt Zürich und im Kanton Solothurn weiterhin allgemeine Feuerverbote. Diese umfassen auch das Abbrennen von Feuerwerk und Höhenfeuern, insbesondere am Wochenende des 1. August. Der Kanton Solothurn hat das Verbot im Wald, in Waldesnähe sowie an Fluss- und Seeufern bis nach dem Nationalfeiertag verlängert. Auch die Fischerei und Wasseraktivitäten in Fliessgewässern (ausser Aare, Birs, Emme) sind eingeschränkt, und die Wasserentnahme aus öffentlichen Gewässern ist verboten.
Die Waldbrandgefahr ist hoch. In anderen europäischen Ländern wie Frankreich und Spanien wüten bereits seit Wochen schwere Waldbrände. Frankreich hat den Zivilschutzmechanismus der EU aktiviert, um Unterstützung durch Löschflugzeuge und Hubschrauber zu erhalten. Nahe Madrid mussten wegen eines Waldbrandes mehrere Gemeinden evakuiert werden. Dort sind seit Jahresbeginn bereits fast 125'000 Hektar Land verbrannt.
Unwetter und ihre verheerenden Folgen
Trotz der allgemeinen Trockenheit gab es in den letzten Wochen auch heftige lokale Unwetter. Ein starkes Gewitter zog über Mailand hinweg, was zur Evakuierung eines Bad Bunny Konzertes führte und mehrere Konzertbesucher durch Hagelkörner verletzte. In Teufen (AR) verursachte ein Blitzschlag erheblichen Sachschaden, als eine Tanne auseinandergerissen wurde und Trümmer ein Wohnhaus sowie zwei Fahrzeuge beschädigten.
In Illnau-Effretikon (ZH) riss ein Sturm Teile eines Hausdachs ab, das auf ein parkiertes Auto stürzte. Die Einsatzleitzentrale in Zürich verzeichnete an einem Abend rund 550 Feuerwehrnotrufe, hauptsächlich wegen Wassereintritten in Gebäude und umgestürzten Bäumen. Besonders betroffen waren Winterthur, Volketswil und Dübendorf. In Winterthur Steig stürzte ein Baum auf einen Spielplatz, nur wenige Minuten nachdem Kinder dort gespielt hatten.
Auch eine Baustelle bei der Coca-Cola-Fabrik in Brüttisellen (ZH) wurde vom Sturm verwüstet. Gerüste und Baumaterial lagen weit verstreut. In der französischen Region Ardèche fielen Hagelkörner von bis zu 12 cm Durchmesser, was zu Stromausfällen und Schäden an Weinbergen führte.





