Das Schweizer Gesundheitswesen steht vor einer tiefgreifenden Transformation. Der Fachkräftemangel, steigende Kosten und die rasante Entwicklung digitaler Technologien zwingen Spitäler und Kliniken zu strategischen Neuausrichtungen. Von der Einführung modernster Operationssysteme bis zur Verlagerung von stationären Angeboten – die Branche passt sich an eine neue Realität an.
Wichtige Entwicklungen
- Klinik Hirslanden führt das Da Vinci 5 Operationssystem ein.
- Lindenhofgruppe plant Lohnmassnahmen und strukturelle Anpassungen.
- Waadtländer Spitäler investieren 176 Millionen Franken in Epic-Systeme.
- Digitale Therapien, wie eine Depressions-App, werden künftig von der Grundversicherung übernommen.
- Spital Oberengadin sichert Fortbestand mit Stellenabbau.
Technologischer Fortschritt verändert die Medizin
Die Digitalisierung und künstliche Intelligenz (KI) prägen das Gesundheitswesen immer stärker. Die Klinik Hirslanden in Zürich hat als erste Institution in der Schweiz das hochmoderne Operationssystem «Da Vinci 5» in Betrieb genommen. Dieses System wird zunächst in der Viszeralchirurgie und Urologie eingesetzt. Es verspricht eine höhere Präzision bei minimalinvasiven Eingriffen und könnte die Genesungszeiten für Patienten verkürzen.
Auch die Waadtländer Spitäler setzen auf umfassende digitale Lösungen. Das
«Sich blindlings auf KI zu verlassen, kann verheerende Folgen haben», warnt IT-Experte Marc Ruef. Er betont die Notwendigkeit, Chancen und Risiken genau abzuwägen.
KI im klinischen Alltag
Die Anwendung von KI reicht über Operationsroboter hinaus. Im Universitätsspital Zürich sorgen KI-Kameras für Diskussionen über Datenschutz und Patientensicherheit. Gleichzeitig zeigen Studien, dass KI auch neue diagnostische Möglichkeiten eröffnet. Ein Deep-Learning-Modell konnte erstmals einen Biomarker für chronischen Stress in CT-Scans entdecken. Dieser sogenannte «Adrenal Volume Index» korreliert mit Cortisolspiegel, subjektiv wahrgenommenem Stress und sogar dem Risiko für Herzinsuffizienz.
Strukturelle Anpassungen und Fachkräftemangel
Der anhaltende Fachkräftemangel und wirtschaftliche Herausforderungen zwingen viele Spitäler zu strategischen Entscheidungen. Die Lindenhofgruppe in Bern hat die Lohnmassnahmen für 2026 beschlossen und erhöht die Lohnsumme um insgesamt 1 Prozent. Dies soll ihre Position als attraktive Arbeitgeberin im Gesundheitswesen weiter stärken.
Gleichzeitig fokussiert die Lindenhofgruppe ihr stationäres Leistungsangebot. Ab Dezember 2025 werden die stationären Angebote und die Physiotherapie vom Engeriedspital an die Standorte Lindenhof und Sonnenhof verlagert. Die ambulanten radiologischen Leistungen bleiben am Standort Engeried erhalten. Diese Massnahmen sind eine direkte Reaktion auf den Fachkräftemangel, die Wirtschaftlichkeit und regulatorische Vorgaben.
Im Spital Oberengadin verlieren 48 Mitarbeitende ihre Stelle, um den Fortbestand des Spitals zu sichern. Dies zeigt den Druck, unter dem viele regionale Einrichtungen stehen.
Herausforderungen für regionale Spitäler
Das Spital Oberengadin konnte nach dem dritten Anlauf seinen Fortbestand sichern, jedoch nicht ohne schmerzhafte Einschnitte beim Personal. Auch das Spital Wetzikon kämpft um seine Zukunft. Die Gesundheitsdirektion hat den Antrag auf eine Kantonsgarantie erneut abgelehnt, nachdem bereits 2024 eine Unterstützung verweigert wurde. Der Ball liegt nun beim Gesamtregierungsrat.
Digitale Therapien und personalisierte Medizin
Die Schweiz nimmt eine Vorreiterrolle bei der Integration digitaler Therapien ein. Ab Sommer 2026 werden die Kosten für digitale Therapien von der Grundversicherung übernommen. Eine erste Anwendung für eine Depressions-App wurde bereits für die MiGel-Liste bewilligt. Dies markiert einen wichtigen Schritt in Richtung einer modernen, zugänglichen Gesundheitsversorgung, die digitale Hilfsmittel stärker nutzt.
Das Swiss Personalized Health Network (SPHN) wächst stetig weiter. Fünf Kantonsspitäler und das Swiss Cancer Institute (SCI) können nun klinische Daten für standortübergreifende Forschungsprojekte im Bereich der personalisierten Medizin bereitstellen. Dies ermöglicht eine bessere Nutzung von Daten für die Entwicklung massgeschneiderter Behandlungen und Therapien. Die Vernetzung von Gesundheitsdaten ist entscheidend für den Fortschritt in der personalisierten Medizin.
Ausblick auf die Zukunft
Das Schweizer Gesundheitswesen befindet sich in einem dynamischen Wandel. Die Kombination aus fortschrittlicher Technologie, notwendigen strukturellen Anpassungen und der Integration digitaler Lösungen wird die Patientenversorgung in den kommenden Jahren massgeblich prägen. Der Fokus liegt dabei auf Effizienzsteigerung, Kostendämmung und der Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen Versorgung trotz knapper Ressourcen und demografischer Herausforderungen.
- Effizienzsteigerung: Durch Epic-Systeme und Da Vinci Roboter.
- Kostendämmung: Durch Verlagerung von Leistungen und Personalmassnahmen.
- Personalisierte Medizin: Durch SPHN und digitale Therapien.
Die Herausforderungen bleiben gross, doch die Innovationskraft der Schweizer Spitäler und Forschungseinrichtungen zeigt Wege auf, wie das System zukunftsfähig gestaltet werden kann. Es ist ein Balanceakt zwischen Tradition und Innovation, um die Gesundheitsversorgung für alle Bürgerinnen und Bürger weiterhin zu gewährleisten.





