Das Stadtzürcher Parlament hat den Stadtrat einstimmig dazu aufgefordert, die Einrichtung eines Kinderhospizes in Zürich zu prüfen. Dieser Beschluss vom Mittwochabend unterstreicht den wachsenden Bedarf an spezialisierten Pflegeeinrichtungen für unheilbar kranke Kinder und Jugendliche in der Schweiz. Das Postulat wurde direkt überwiesen, was die breite Zustimmung über Parteigrenzen hinweg verdeutlicht.
Wichtige Erkenntnisse
- Das Stadtzürcher Parlament fordert ein Kinderhospiz in Zürich.
- Es gibt in der Schweiz einen erheblichen Bedarf an palliativen Pflegeeinrichtungen für Kinder.
- Bisher existieren landesweit nur zwei Kinderhospize, Flamingo in Fällanden und Allani in Bern.
- Die Finanzierung solcher Einrichtungen ist oft spendenbasiert, da gesetzliche Tarife fehlen.
Wachsende Notwendigkeit für spezialisierte Kinderpflege
In der Schweiz leben rund 5000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die unheilbar krank sind und palliative Pflege benötigen. Diese Zahl verdeutlicht das Ausmass des Bedarfs an spezialisierten Einrichtungen, die nicht nur medizinische Versorgung bieten, sondern auch Familien entlasten. Ein Kinderhospiz ermöglicht es Angehörigen, für eine bestimmte Zeit eine Auszeit zu nehmen und neue Kraft zu schöpfen.
Das erst kürzlich in Betrieb genommene Kinderhospiz Flamingo in Fällanden ist ein Beispiel für eine solche wichtige Einrichtung. Es nimmt junge Patienten zusammen mit ihren Familien auf und bietet ihnen Unterstützung. Familien können dort bis zu 28 Tage pro Jahr, jeweils bis zu zwei Wochen am Stück, verbringen.
Faktencheck: Kinderhospize in der Schweiz
- Anzahl unheilbar kranker Kinder und Jugendlicher: ca. 5000
- Bestehende Kinderhospize: 2 (Flamingo in Fällanden, Allani in Bern)
- Anzahl Tage Auszeit für Familien im Hospiz: bis zu 28 Tage jährlich
Politische Einigkeit über Parteigrenzen hinweg
FDP-Gemeinderatsmitglieder der Stadt Zürich reichten das Postulat ein, das nun auch ein Kinderhospiz in Zürich fordert. Thomas Hofstetter (FDP) betonte an der Sitzung die Dringlichkeit: «Es geht um Würde und Entlastung.» Er hob hervor, dass Zürich ideale Voraussetzungen für eine solche Einrichtung biete.
«Es geht um Würde und Entlastung», sagte Thomas Hofstetter (FDP) an der Sitzung.
Die politische Debatte zeigte eine seltene Einigkeit. Sogar die SVP zog ihren ursprünglichen Ablehnungsantrag zurück. Dafi Muharemi (SP) unterstrich die Bedeutung solcher Orte für Eltern: «Eltern könnten an solchen Orten abschalten und sich erholen.» Die direkte Überweisung des Postulats ist ein starkes Signal für den Konsens in dieser wichtigen sozialen Frage.
Hintergrund: Palliative Pflege für Kinder
Palliative Pflege für Kinder unterscheidet sich von der Erwachsenenpalliativpflege, da sie oft über viele Jahre hinweg benötigt wird. Sie konzentriert sich nicht nur auf die Linderung von Symptomen, sondern auch auf die Verbesserung der Lebensqualität des Kindes und seiner Familie. Dies umfasst psychologische, soziale und spirituelle Unterstützung.
Herausforderungen bei der Finanzierung
Trotz des anerkannten Bedarfs stehen Kinderhospize in der Schweiz vor erheblichen Finanzierungsherausforderungen. Anders als in vielen europäischen Ländern gibt es in der Schweiz keine gesetzlich festgelegten Tarife für Hospize. Dies bedeutet, dass öffentliche Gelder oft begrenzt sind und diese Einrichtungen grösstenteils auf Spenden angewiesen sind.
Im europäischen Ausland gibt es seit vielen Jahren über 130 solcher Stationen. Diese Diskrepanz zeigt den Nachholbedarf der Schweiz in diesem Bereich. Eine stabile Finanzierung ist entscheidend, um langfristig eine qualitativ hochwertige Versorgung sicherzustellen.
Internationale Perspektive
- In Europa existieren über 130 Kinderhospize.
- Die Schweiz hat keine gesetzlichen Tarife für Kinderhospize.
- Finanzierung erfolgt überwiegend durch Spenden.
Zukünftige Schritte und Erwartungen
Der Stadtrat von Zürich muss nun prüfen, wie ein Kinderhospiz in die städtische Gesundheitsversorgung integriert werden könnte. Dies wird eine umfassende Analyse der bestehenden Infrastruktur, des Personalbedarfs und der Finanzierungsmöglichkeiten erfordern. Es ist zu erwarten, dass dieser Prozess einige Zeit in Anspruch nehmen wird.
Die Forderung des Parlaments ist jedoch ein klares Mandat, das Thema prioritär zu behandeln. Die Schaffung eines Kinderhospizes in Zürich würde nicht nur die Versorgung unheilbar kranker Kinder und ihrer Familien verbessern, sondern auch ein wichtiges Zeichen für die soziale Verantwortung der Stadt setzen. Es ist ein Schritt hin zu einer umfassenderen und menschlicheren Gesundheitsversorgung für die jüngsten und verletzlichsten Mitglieder unserer Gesellschaft.
Die Unterstützung aus der Bevölkerung und von Stiftungen wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen, um die Vision eines Kinderhospizes in Zürich zu realisieren. Die Stadt steht vor der Chance, eine Vorreiterrolle in der palliativen Kinderpflege einzunehmen und damit vielen Familien Hoffnung und Entlastung zu schenken.





