An einem sonnigen Frühlingstag Anfang März erkundete eine 30-köpfige Wandergruppe eine abwechslungsreiche Route im Zürcher Oberland. Die 16 Kilometer lange Strecke führte von Hittnau über Bäretswil bis an die Ufer des Pfäffikersees und bot Einblicke in eine Landschaft, die von industrieller Vergangenheit und naturbelassenen Reservaten geprägt ist.
Höhepunkte der Wanderung
- Entdeckung von Zeugnissen der Industrialisierung im Kemptnertobel.
- Panoramablicke vom Ebnerberg über den Pfäffikersee bis zu den Alpen.
- Begegnungen mit der Tierwelt in den Rietlandschaften.
- Einblicke in bevorstehende Renaturierungsprojekte am Luppmen-Weiher.
Start im Luppmen und geplante Naturveränderung
Die Wanderung begann für einen Teil der Gruppe im Weiler Luppmen, der zur Gemeinde Hittnau gehört. Bei überdurchschnittlich warmen Temperaturen führte der Weg zunächst entlang des gleichnamigen Baches zum Luppmen-Weiher. Dieser idyllische Fischerweiher steht vor einer grossen Veränderung.
Untersuchungen haben bauliche Mängel am Damm festgestellt, die ein Sicherheitsrisiko für die darunterliegenden Häuser darstellen. Aus diesem Grund hat der Gemeinderat von Hittnau im Sommer 2025 beschlossen, den Weiher grösstenteils zurückzubauen und das Gelände zu renaturieren. Ziel ist es, die natürliche Durchgängigkeit für Sedimente wiederherzustellen. Zukünftig wird nur noch ein kleiner Teil des Dammes als historisches Zeugnis erhalten bleiben.
Ökologische und wirtschaftliche Entscheidung
Die Renaturierung des Luppmen-Weihers gilt als die ökologisch und wirtschaftlich sinnvollste Lösung. Anstatt einer teuren Sanierung des Dammes wird eine naturnahe Landschaft geschaffen, die den Bachlauf in seinen ursprünglichen Zustand zurückführt und die Biodiversität fördert.
Aufstieg zum Ebnerberg mit Weitblick
Nach dem Weiher folgte ein rund 100 Höhenmeter langer Anstieg durch einen Mischwald. Oben angekommen, auf über 800 Metern über Meer, öffnete sich die Landschaft und gab den Blick auf das Quellgebiet der Luppmen frei. Die Route führte vorbei an den Greens des Golf- und Country-Clubs Hittnau und durch eine malerische Rietlandschaft.
Ein kurzer weiterer Anstieg brachte die Wanderer zum Ebnerberg auf 865 Metern Höhe. Von hier bot sich eine beeindruckende Aussicht über den gesamten Pfäffikersee. Trotz eines leichten Dunstes, möglicherweise durch Saharastaub verursacht, waren in der Ferne markante Alpengipfel wie der Pilatus, die Rigi und die beiden Mythen zu erkennen.
Nahe des Aussichtspunktes liegt das Bergrestaurant «Rosinli». Das beliebte Ausflugsziel war zum Zeitpunkt der Wanderung wegen eines Pächterwechsels geschlossen, doch Handwerker waren bereits mit den Vorbereitungen für die Wiedereröffnung im Frühling beschäftigt. Nach einer kurzen Rast begann der etwa 30-minütige Abstieg über Adetswil nach Bäretswil.
Zeitreise durch die Industriegeschichte im Kemptnertobel
In Bäretswil traf die erste Gruppe im Restaurant Ochsen auf die restlichen Mitglieder, die für die kürzere Nachmittagsstrecke angereist waren. Nach einem zügigen Mittagessen startete die gesamte Gruppe zur zweiten Etappe, die tief in die Industriegeschichte des Zürcher Oberlandes führte.
Der Weg folgte dem Aabach in das Kemptnertobel. Entlang des Ufers reihen sich über 100 Objekte des Industrie-Lehrpfads Zürcher Oberland. Eines der ersten Bauwerke ist die Staldenmühle von 1791, deren Wasserrecht als einziges nicht für die Gründung eines der über 50 späteren Industrieunternehmen genutzt wurde. Sie diente als Getreidemühle, Flachsreibe und Sägerei.
Die geheimnisvollen Türme im Tobel
Besonders faszinierend sind zwei hohe Steintürme, die im Abstand von etwa 500 Metern im engen Tal stehen. Diese Türme waren Teil einer Seiltransmission. Da im Tobel zwar Wasserkraft, aber kein Platz für Fabrikgebäude vorhanden war, wurde die Energie mechanisch übertragen. Turbinen in den Türmen trieben Drahtseile an, die über Seilscheiben die Kraft auf die höher gelegene Talschulter transportierten, wo die Webereien um 1875 erbaut wurden.
Diese innovative Methode der Kraftübertragung ist ein eindrückliches Beispiel für den Einfallsreichtum der damaligen Zeit. Sie ermöglichte die Nutzung der Wasserkraft an Orten, die für den Bau von Fabriken ungeeignet waren.
Naturparadies am Pfäffikersee
Nachdem die Gruppe das enge Tobel verlassen hatte, wurde die Landschaft wieder weit und offen. Der Weg führte durch eine weitere Rietlandschaft direkt auf den Pfäffikersee zu. Die Region ist bekannt für ihre reiche Vogelwelt, und die Wanderer konnten Enten und einen Graureiher beobachten.
Ein besonderes Highlight war die Sichtung einer Gruppe von neun Rehen, die in aller Ruhe vom Seeufer durch das Riet zogen. Dieses Erlebnis unterstrich die Bedeutung des Gebiets als wichtiges Rückzugsgebiet für Wildtiere.
Der letzte Abschnitt der Wanderung führte am Südufer des Sees entlang, durch Schilf und Moorlandschaften, in Richtung des Dorfes Seegräben. Ein letzter kleiner Anstieg bot noch einmal eine wunderschöne Aussicht über den See bis nach Pfäffikon ZH. Die Tour endete schliesslich am Bahnhof Aathal, von wo aus die Teilnehmer nach einem erlebnisreichen Tag die Heimreise antraten.




