Die eisigen Temperaturen der letzten Tage haben in der Schweiz zahlreiche Gewässer zufrieren lassen. Trotz ausdrücklicher Warnungen und Verbotsschildern wagen sich immer wieder Personen, insbesondere Jugendliche, auf die gefährlich dünnen Eisflächen. Die Behörden mahnen dringend zur Vorsicht.
Wichtige Punkte
- Zahlreiche Schweizer Seen sind zugefroren, aber das Eis ist oft nicht tragfähig.
- Trotz Verboten betreten viele Menschen, vor allem Jugendliche, die Eisflächen.
- Die Kantonspolizei Zürich und die Gemeinde Opfikon warnen eindringlich vor der Lebensgefahr.
- Eismessungen finden regelmässig statt, doch nur wenige Seen werden offiziell freigegeben.
- Die Polizei muss regelmässig patrouillieren und Personen vom Eis holen.
Leichtsinn am Glattpark-See
Der Glattpark-See in Opfikon ZH ist eines der Gewässer, das von der Kaltfront betroffen ist. Hier zeigte sich in den letzten Tagen ein besorgniserregendes Bild. Anwohner berichten von Gruppen junger Leute, die trotz klarer Absperrungen und Warnschilder die Eisfläche betreten haben.
Sophie, eine 35-jährige Anwohnerin, beobachtete am Dienstagmittag, wie etwa 20 Jugendliche im Alter von 15 bis 16 Jahren auf dem See tobten. Sie schildert ihre Beobachtungen: „Die gesperrte Eisfläche zieht Jugendliche fast magisch an.“ Die jungen Leute hätten sich an eine Brücke gehängt, seien über die Fläche gerannt und hätten sogar Muster ins Eis geritzt. Sophie äusserte ihre Sorge: „Hoffentlich hält die Eisdecke.“
Faktencheck Eisflächen
- Temperaturen bis zu –12 Grad im Flachland begünstigen Eisbildung.
- Eisstärke kann stark variieren, selbst auf demselben Gewässer.
- Schneeeis, das sich oft bildet, ist besonders tückisch und untragfähig.
Polizeiliche Massnahmen und eindringliche Warnungen
Die Gemeinde Opfikon nimmt die Situation ernst. Auf Anfrage betont die Gemeinde, dass eine Begehung des Sees gegenwärtig äusserst gefährlich sei und unbedingt unterlassen werden müsse. Die Eisfläche ist nicht offiziell freigegeben.
Am vergangenen Sonntag musste die Polizei sogar mit einem Megafon eingreifen. Über zweieinhalb Stunden patrouillierten die Beamten um den See und forderten die Personen auf, die Eisfläche zu verlassen oder gar nicht erst zu betreten. Dies zeigt den Ernst der Lage und den Aufwand, der betrieben werden muss, um Menschen vor sich selbst zu schützen.
„Wenn wir während unserer Patrouillentätigkeit Personen antreffen, die sich trotz des Verbots auf einem gefrorenen See aufhalten, sprechen wir diese an, bitten sie, die Eisfläche zu verlassen, und erklären ihnen die damit zusammenhängenden Gefahren.“
Regelmässige Messungen, seltene Freigaben
Der Unterhaltsdienst der Stadt Opfikon und die kantonale Seepolizei führen regelmässig Messungen der Eisdicke durch. Diese Messungen sind entscheidend, um die Tragfähigkeit zu beurteilen. Trotz der regelmässigen Kontrollen wurde der Glattpark-See zuletzt im Jahr 2012 offiziell für die Begehung freigegeben. Dies verdeutlicht, wie selten die Bedingungen für eine sichere Eisfläche gegeben sind.
Historisches Ereignis: Die Seegfrörni von 1963
Eine Seegfrörni, bei der grosse Seen wie der Zürichsee komplett zufrieren und offiziell freigegeben werden, ist ein seltenes Ereignis. Die letzte grosse Seegfrörni fand am 1. Februar 1963 statt. Damals wurde der Zürichsee für die Öffentlichkeit freigegeben. Solche Ereignisse sind historisch und erfordern aussergewöhnlich lange und strenge Frostperioden.
Gefahren von Schneeeis
Nicht nur am Glattpark-See, auch in anderen Kantonen warnen die Behörden. Die Zuger Polizei weist darauf hin, dass sich auf kleineren stehenden Gewässern zwar Eisschichten gebildet haben, es sich dabei aber oft um gefährliches Schneeeis handelt. Dieses kann irrtümlicherweise als tragende Eisschicht interpretiert werden, birgt aber ein hohes Einbruchrisiko.
Das Betreten von nicht freigegebenen Eisflächen ist nicht nur für die Personen selbst gefährlich, sondern auch für Rettungskräfte, die im Notfall ihr Leben riskieren müssen. Die Konsequenzen eines Einbruchs können tragisch sein.
Wie erkennen Sie sichere Eisflächen?
- Offizielle Freigabe abwarten: Betreten Sie Eisflächen nur, wenn sie von den lokalen Behörden (z.B. Stadt Zürich mit dem Eisbulletin) offiziell freigegeben wurden.
- Warnschilder beachten: Ignorieren Sie niemals Absperrungen und Warnschilder. Sie stehen dort aus gutem Grund.
- Eisdicke prüfen lassen: Nur Experten können die tatsächliche Tragfähigkeit des Eises beurteilen. Eine scheinbar dicke Schicht kann trügerisch sein.
- Vorsicht bei Schneebedeckung: Schnee isoliert das Eis und kann dessen Bildung verlangsamen oder ungleichmässig machen. Unter einer Schneeschicht ist das Eis oft dünner.
Die Kälte mag verlockend sein, um sich auf zugefrorenen Seen zu vergnügen. Doch die Sicherheit muss immer Vorrang haben. Die Behörden appellieren an die Vernunft der Bevölkerung, die Verbote zu respektieren und sich nicht unnötig in Gefahr zu begeben.





