In Winterthur sorgt derzeit eine 1-Zimmer-Wohnung für 800 Franken Monatsmiete für viel Gesprächsstoff. Das 30 Quadratmeter grosse Apartment an der Wülflingerstrasse ist die günstigste Wohnung in der Stadt, weist jedoch erhebliche Mängel auf. Trotz des schlechten Zustands haben sich bereits zahlreiche Interessenten gemeldet.
Wichtige Punkte
- Die 30 m² grosse 1-Zimmer-Wohnung an der Wülflingerstrasse kostet 800 Franken Miete.
- Sie ist die günstigste Wohnung in Winterthur, trotz starker Verschmutzung und fehlender Ausstattung.
- Küche ohne Kühlschrank und Herd, Badezimmer ohne Duschkopf sind nur einige der Mängel.
- Bereits 30 Interessenten haben die Wohnung besichtigt, was die angespannte Lage auf dem Mietmarkt zeigt.
- Der Vermieter argumentiert, der Zustand ermögliche den niedrigen Preis und spreche gezielt Mieter an, die auf günstigen Wohnraum angewiesen sind.
Ein Blick in die 800-Franken-Wohnung
Die Fotos der Wohnung, die auf der Plattform Flatfox inseriert ist, sprechen eine klare Sprache. Die Wände sind schmutzig, die Türen ebenfalls. Ein gemütliches Wohnambiente sucht man hier vergebens. Die starken Verunreinigungen sind auf den ersten Blick erkennbar und entsprechen nicht dem üblichen Standard.
Besonders auffällig sind die Zustände im Badezimmer und in der Küche. Das kleine Badezimmer präsentiert sich mit Plättli aus den 1950er-Jahren. Die Dusche ist heruntergekommen und es fehlt ein Duschkopf. Der Schlauch ist lediglich lose um die Armaturen gewickelt.
Fakten zur Wohnung
- Miete: 800 Franken pro Monat
- Grösse: 30 Quadratmeter
- Lage: Wülflingerstrasse, Winterthur ZH
- Mängel: Stark verschmutzte Wände und Türen, fehlender Duschkopf, fehlender Kühlschrank, fehlender Kochherd.
- Interessenten: 30 bei zwei Besichtigungen.
Auch die Küche lässt zu wünschen übrig. Ein Kühlschrank und ein Kochherd fehlen komplett. Die Küchenkästchen sind schief montiert und ebenfalls stark verschmutzt. Potenzielle Mieter müssten hier erhebliche Eigenleistungen erbringen, um die Wohnung bewohnbar zu machen.
Rechtliche Aspekte der Vermietung
Der Zustand der Wohnung wirft Fragen hinsichtlich der gesetzlichen Pflichten von Vermietern auf. Gemäss Artikel 256 des Obligationenrechts muss eine Wohnung bei der Übergabe in einem zum vorausgesetzten Gebrauch tauglichen Zustand sein. Diese Pflicht kann bei Wohnungen vertraglich nicht ausgeschlossen werden. Starke Verschmutzungen müssen Mieter bei der Übernahme nicht akzeptieren.
«Ein Duschkopf kostet keine 30 Franken», sagt der Vermieter. Er betont, dass Mieter die Wohnung gerne selbst streichen dürfen.
Der Vermieter verteidigt den Zustand der Wohnung und die niedrige Miete. Er erklärt, dass eine Renovierung den Mietpreis erhöhen würde. Dies würde die Wohnung für die Zielgruppe, die auf günstigen Wohnraum angewiesen ist, unerschwinglich machen. Er akzeptiert auch Sozialhilfebezüger, um möglichst vielen Menschen eine Chance zu geben.
Hintergrund zum Mietmarkt
In vielen Schweizer Städten ist bezahlbarer Wohnraum extrem rar. In Winterthur beginnen die Preise für WG-Zimmer oft erst bei 850 Franken. Dies führt dazu, dass selbst Wohnungen mit erheblichen Mängeln auf grosses Interesse stossen.
Die Realität des Schweizer Mietmarktes
Die grosse Nachfrage nach der Winterthurer 800-Franken-Wohnung unterstreicht die angespannte Situation auf dem Schweizer Mietwohnungsmarkt. Viele Wohnungssuchende sind verzweifelt und nehmen selbst stark renovierungsbedürftige oder sehr kleine Wohnungen in Kauf, um überhaupt eine Bleibe zu finden.
Ähnliche Fälle gab es bereits in anderen Schweizer Städten. In Kriens LU wurde beispielsweise ein Keller-Apartment für 1090 Franken angeboten. Es war nur 17 Quadratmeter gross, hatte keine Fenster und wurde zudem ohne Baugenehmigung errichtet. Solche Angebote zeigen, wie weit Vermieter gehen und wie gross die Not der Suchenden ist.
Weitere Beispiele für knappen Wohnraum
- Zürich: Eine 1-Zimmer-Wohnung mit nur 10 Quadratmetern wurde für 1178 Franken monatlich inseriert. Sie bot eine kleine Küche und ein winziges Bad, kaum Platz für ein Doppelbett.
- Vergleich: Im Gegensatz zur Winterthurer Wohnung wurde bei der Zürcher Wohnung eine «komplett sanierte Küche» als Highlight beworben, inklusive zwei Herdplatten und Kühlschrank.
Der Vermieter der Winterthurer Wohnung kommentiert die Situation nüchtern: «Das ist die heutige Realität auf dem Mietwohnungsmarkt.» Er betont, dass bei Objekten in diesem Zustand beide Seiten – Vermieter und Mieter – keine hohen Ansprüche stellen können. Er bietet den zukünftigen Mietern an, die Wohnung selbst zu streichen und die Farben nach eigenem Wunsch zu wählen. Auch ein Duschkopf sei eine kleine Investition, die sich lohne.
Die Situation in Winterthur ist ein klares Zeichen dafür, dass der Druck auf dem Wohnungsmarkt weiterhin hoch ist. Bezahlbarer Wohnraum bleibt eine der grössten Herausforderungen für viele Menschen in der Schweiz.




