Die Wohnungssuche in Zürich ist für viele eine Herausforderung. Neben den hohen Mieten beklagen sich Suchende zunehmend über die Praktiken der grossen Immobilienplattformen wie Flatfox und Homegate. Eine Umfrage unter Nutzern zeigt eine breite Unzufriedenheit mit teuren Abos, Fake-Inseraten und mangelndem Datenschutz.
Wichtige Punkte
- Nutzer kritisieren hohe Abo-Kosten und mangelnden Datenschutz auf Immobilienplattformen.
- Vorwürfe von Fake-Inseraten und unzureichender Bearbeitung von Meldungen stehen im Raum.
- Die Swiss Marketplace Group (SMG) besitzt die grössten Plattformen und weist die Kritik zurück.
- Der Marktanteil der SMG im Immobiliengeschäft liegt bei 70 bis 75 Prozent.
- Alternativen zu den grossen Plattformen existieren, sind aber weniger bekannt.
Marktbeherrschung und steigende Kosten
Wer in Zürich eine Wohnung sucht, kommt an den grossen Plattformen wie Homegate, Flatfox und Immoscout24 kaum vorbei. Diese gehören alle zur Swiss Marketplace Group (SMG). Der Konzern hat laut der Fachzeitung «Finanz und Wirtschaft» einen Marktanteil von 70 bis 75 Prozent im Immobiliengeschäft. Diese Dominanz führt zu Kritik an einer möglichen Monopolstellung.
Die SMG weist den Vorwurf eines faktischen Marktmonopols zurück. Sie verweist auf Alternativen wie Comparis oder Newhome. Trotzdem äussern Nutzer den Verdacht, dass Inserate gezielt auf verschiedene Plattformen verteilt werden könnten, um den Kauf mehrerer Abos zu fördern. Die SMG dementiert dies vehement.
Faktencheck SMG
- Marktanteil Immobilien: 70-75 Prozent
- Umsatz 2025: 332 Millionen Franken
- Umsatzsteigerung: Von 260 Millionen (2023) auf 332 Millionen (2025)
- Immobilienanteil am Umsatz: Rund 50 Prozent
Teure Abonnements als Hürde
Die Wohnungssuche in Zürich beginnt oft mit Kosten, lange bevor die erste Miete fällig wird. Viele Suchende fühlen sich gezwungen, kostenpflichtige Abos abzuschliessen, um überhaupt eine Chance auf eine Besichtigung zu haben. Beispiele hierfür sind «Mieter Plus» von Homegate oder «Flatfox Priority».
Diese Abos kosten je nach Laufzeit zwischen 30 und 55 Franken pro Monat. Zahlreiche Community-Mitglieder empfinden dies als «Abzocke». Die SMG argumentiert, diese Abos verschafften den Nutzern «den entscheidenden Vorsprung». Sie vergleicht dies mit den Kosten für Zeitungen in früheren Zeiten, die man für die Wohnungssuche kaufen musste.
Die hohen Abo-Preise rechtfertigt die SMG auch mit den Erwartungen der Nutzer an die Sicherheit der Plattformen. Es ist jedoch offensichtlich, dass die SMG mit ihren Online-Plattformen ein lukratives Geschäft betreibt. Im Jahr 2025 erzielte das Unternehmen 332 Millionen Franken Umsatz, eine deutliche Steigerung gegenüber 291 Millionen im Jahr 2024 und 260 Millionen im Jahr 2023. Fast die Hälfte dieser Einnahmen stammt aus dem Immobilienbereich.
Datenschutzbedenken und Fake-Inserate
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Datenschutz. Viele Nutzer beklagen, dass persönliche Informationen wie Ausweiskopien und Lohnzettel bereits bei der Bewerbung für einen Besichtigungstermin abgefragt werden. Dies sei datenschutzrechtlich bedenklich, da solche Daten erst bei Vertragsabschluss relevant seien.
«Das sehr oft verwendete Bewerbungsformular von Flatfox lässt Fragen zu, die den Datenschutz verletzen», so eine Nutzerin. «Das Verlangen von Ausweiskopien und Lohnzetteln ist eigentlich erst bei Vertragsabschluss erlaubt.»
Die SMG betont, Flatfox halte sich an Branchenstandards und passe sich den Empfehlungen des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) an. Gleichzeitig liege die Entscheidung über die abgefragten Daten auch bei den Inserierenden selbst.
Probleme mit irreführenden Angeboten
Mehrere Community-Mitglieder berichten von «vielen Fake-Inseraten, bei denen die angebotene Wohnung gar nicht existiert.» Auch befristete Wohnungen würden oft nicht klar als solche deklariert. Dies führt zu Frustration und Zeitverschwendung für die Suchenden.
Wohnkrise in Zürich
Die Kritik an den Immobilienplattformen muss im Kontext der angespannten Zürcher Wohnsituation gesehen werden. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei Weitem, was die Suchenden zusätzlich unter Druck setzt und anfälliger für fragwürdige Praktiken macht.
Die SMG gibt an, nicht über den Inhalt der Webseiten zu entscheiden. Man setze sowohl automatisierte als auch manuelle Prüfmechanismen ein. «Betrügerische Inserate machen insgesamt nur einen verschwindend kleinen Teil auf unseren Plattformen aus», erklärt die SMG. Immerhin will das Unternehmen für Homegate weiterleiten, dass befristete Angebote besser gekennzeichnet werden sollen.
Ignorierte Meldungen und chaotische Besichtigungen
Nutzer berichten, dass Meldungen über Fake-Inserate oft ignoriert werden. Einige vermuten, dass die Plattformen nicht gegen bezahlte Fake-Inserate vorgehen. Diese Vermutung weist die SMG als «komplett falsch» zurück. Sie betont, Betrugsbekämpfung habe oberste Priorität und die Abwehrmechanismen würden laufend verbessert. Der Kampf gegen Betrügereien sei jedoch sehr aufwendig, da sich Betrüger immer neue Maschen einfallen liessen.
Massenbesichtigungen und mangelnde Organisation
Die Tsüri-Community beschreibt zudem chaotische Wohnungsbesichtigungen. Ein Nutzer kritisiert «Massenbesichtigungen mit 50 anderen Personen», die teils erst eine Stunde nach vereinbartem Termin begannen. Solche Erfahrungen tragen zusätzlich zum Frust der Wohnungssuchenden bei.
Hierzu entgegnet die SMG, sie übernehme «nicht die Rolle der Bewirtschafter:innen». Diese würden allein entscheiden, wie sie ihre Besichtigungen organisieren. Die Plattformen stellten jedoch Hilfsmittel zur Verfügung, um Termine übersichtlich zu organisieren.
Alternativen und Ausblick
Obwohl die SMG-Plattformen den Markt dominieren, gibt es Alternativen. Plattformen wie newhome.ch und Comparis bieten ebenfalls Inserate an. Viele Zürcher vertrauen zudem seit Jahren dem Immomailing, das einmalig 50 Franken kostet. Für genossenschaftliche Inserate ist der Service gnossizh.ch eine Option, der 5 Franken im Monat kostet.
Christoph Tonini, CEO der SMG, äusserte gegenüber der «NZZ» den Wunsch nach einem jährlichen Umsatzwachstum von 15 Prozent. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden die Preise auf den Plattformen weiter angezogen. Die Diskussion um Transparenz, Datenschutz und faire Preise auf den dominierenden Immobilienplattformen wird die Wohnungssuche in Zürich weiterhin begleiten.




