Die Stadt Uster setzt ein wichtiges Zeichen der Erinnerung: Am 17. März 2026 findet im Gemeinderatssaal ein öffentlicher Gedenkanlass statt. Dieser widmet sich den Opfern fürsorgerischer Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen im Kanton Zürich. Uster ist eine von fünf Pilotgemeinden, die sich aktiv an dem kantonalen Projekt «Zeichen der Erinnerung» beteiligen.
Wichtige Punkte
- Öffentlicher Gedenkanlass am 17. März 2026 in Uster.
- Erinnerung an Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen.
- Uster ist Pilotgemeinde im kantonalen Projekt «Zeichen der Erinnerung».
- Informationstafeln im öffentlichen Raum mit QR-Codes bieten vertiefte Einblicke.
- Massnahmen ohne Gerichtsurteil waren bis 1981 möglich.
Ein Blick in die Vergangenheit: Unrecht bis 1981
Fürsorgerische Zwangsmassnahmen konnten in der Schweiz bis ins Jahr 1981 ohne gerichtliche Anordnung erfolgen. Viele Betroffene wurden damals gegen ihren Willen in Pflegefamilien, Heime oder Arbeitsanstalten eingewiesen. Diese Praktiken führten oft zu grossem Leid und traumatisierenden Erfahrungen, deren Aufarbeitung bis heute andauert.
Das Projekt «Zeichen der Erinnerung» hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese dunkle Seite der Schweizer Sozialgeschichte sichtbar zu machen. Es soll den Betroffenen Anerkennung für das erlittene Unrecht zuteilwerden lassen und die Gesellschaft für die Geschehnisse sensibilisieren.
Faktencheck
- Bis 1981: Fürsorgerische Zwangsmassnahmen konnten ohne Gerichtsurteil angeordnet werden.
- Betroffene: Viele wurden gegen ihren Willen in Pflegefamilien, Heime oder Arbeitsanstalten eingewiesen.
- Ziel des Projekts: Sichtbarmachung der Schicksale und Anerkennung des Unrechts.
Uster als Pioniergemeinde der Erinnerungskultur
Der Kanton Zürich und der Verband der Gemeindepräsidien des Kantons Zürich leiten das Projekt «Zeichen der Erinnerung». Die Stadt Uster hat sich neben Stäfa, Rheinau, Wettswil am Albis und Wald als Pilotgemeinde zur Verfügung gestellt. Damit zeigt Uster ein klares Bekenntnis zu einer verantwortungsvollen Erinnerungskultur.
«Die Stadt Uster setzt sich damit aktiv für eine verantwortungsvolle Erinnerungskultur ein. Mit der sichtbaren Verankerung der Erinnerung im öffentlichen Raum übernimmt Uster Verantwortung für eine bewusste und transparente Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte», erklärt die Stadt in einer Mitteilung. Diese Initiative trägt dazu bei, die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten und aus der Geschichte zu lernen.
«Die Aufarbeitung dieses Kapitels der Sozialgeschichte ist ein wichtiger Schritt hin zu Anerkennung, Sensibilisierung und einem respektvollen Umgang mit der Vergangenheit.»
Erinnerungspunkte im Stadtbild verankert
Um die Erinnerung dauerhaft im öffentlichen Raum zu verankern, wurden in Uster sogenannte «Erinnerungspunkte» installiert. Dies sind dezente, violettfarbene Informationstafeln, die an verschiedenen Orten in der Stadt zu finden sind. Ein Beispiel ist die Tafel beim Brunnen am Stadthausplatz, nahe der Bänke.
Diese Tafeln sind mit QR-Codes ausgestattet. Interessierte Bürger können diese Codes scannen, um Zugang zu vertieften Informationen, Zeitzeugenberichten und umfangreichem Hintergrundmaterial zu erhalten. Dies ermöglicht eine persönliche und interaktive Auseinandersetzung mit den historischen Ereignissen.
Hintergrundinformationen
Das Projekt «Zeichen der Erinnerung» ist eine kantonale Initiative im Kanton Zürich. Es soll die Öffentlichkeit über fürsorgerische Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen aufklären, die in der Schweiz über Jahrzehnte hinweg praktiziert wurden. Die Zusammenarbeit mit Pilotgemeinden wie Uster ist entscheidend, um die Erinnerung lokal zu verankern und eine breite Sensibilisierung zu erreichen.
Der Gedenkanlass am 17. März 2026
Der zentrale Gedenkanlass findet am Dienstag, 17. März 2026, um 19 Uhr im Gemeinderatssaal Uster statt. Die Türen öffnen bereits um 18:30 Uhr. Der Eintritt ist für alle Interessierten kostenlos und eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Stadt lädt die gesamte Bevölkerung herzlich ein, an diesem wichtigen Ereignis teilzunehmen.
Der Abend steht im Zeichen der öffentlichen Anerkennung des Unrechts. Es geht darum, bewusst hinzuschauen und klar zu benennen, dass Leid verursacht wurde. Die Veranstaltung soll eine Plattform für Reflexion und Gedenken bieten.
Kulturelle Gestaltung des Abends
Der Gedenkanlass wird musikalisch vom Ensemble Letizia Fiorenza und David Sautter begleitet. Ihre Darbietungen sollen den feierlichen Rahmen unterstützen und eine Atmosphäre der Besinnung schaffen. Die Schauspielerin Wanda Wylowa wird zudem ausgewählte Texte lesen, die die Schicksale der Betroffenen näherbringen und zum Nachdenken anregen.
Diese künstlerischen Beiträge sollen dazu beitragen, die Emotionen und Geschichten hinter den historischen Fakten greifbar zu machen und eine tiefere Verbindung zu den Ereignissen herzustellen.
Bedeutung für die Zukunft
Die Initiative der Stadt Uster und des Kantons Zürich ist ein wichtiger Schritt zur Bewältigung der Vergangenheit. Sie fördert nicht nur die Erinnerungskultur, sondern leistet auch einen Beitrag zur Sensibilisierung für soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte. Es geht darum, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und sicherzustellen, dass sich solches Unrecht nicht wiederholt.
Die «Erinnerungspunkte» und der Gedenkanlass sind konkrete Massnahmen, die zeigen, wie eine Gemeinde aktiv Verantwortung übernehmen kann. Sie bieten der Bevölkerung die Möglichkeit, sich mit einem schwierigen Kapitel der lokalen und nationalen Geschichte auseinanderzusetzen und die Würde der Opfer zu ehren.





