Der Flughafen Zürich hat mit der Modernisierung seiner Sicherheitskontrollen begonnen. Neue CT-Scanner für das Handgepäck und fortschrittliche Körperscanner sollen die Wartezeiten verkürzen und den Komfort für Passagiere erhöhen. Das Auspacken von Flüssigkeiten und Laptops gehört damit schrittweise der Vergangenheit an.
Die vollständige Umrüstung aller Sicherheitslinien wird jedoch noch bis zum Sommer 2026 andauern. Bis dahin müssen sich Reisende auf eine Übergangsphase mit unterschiedlichen Regelungen einstellen.
Das Wichtigste in Kürze
- Am Flughafen Zürich werden neue CT-Scanner für Handgepäck und Körperscanner installiert.
- Passagiere müssen elektronische Geräte und Flüssigkeiten nicht mehr aus dem Handgepäck nehmen.
- Die 100-Milliliter-Regel für Flüssigkeiten bleibt bis zur vollständigen Umrüstung im Sommer 2026 bestehen.
- Die Modernisierung erfolgt etappenweise, was vorübergehend zu längeren Wartezeiten führen kann.
Eine neue Ära der Sicherheitskontrolle
Wer in den letzten Wochen vom Flughafen Zürich abgeflogen ist, hat sie möglicherweise bemerkt: längere Warteschlangen an der Sicherheitskontrolle. Der Grund dafür ist ein umfassendes Modernisierungsprojekt im Wert von 34 Millionen Franken, das die Abläufe für Millionen von Passagieren pro Jahr grundlegend verändern soll.
Seit Anfang dieser Woche ist die erste von vier Etagen der Sicherheitskontrollen mit der neuen Technologie ausgestattet. Das Herzstück der Neuerung sind Computertomographie-Scanner (CT) für das Handgepäck. Diese Geräte erzeugen hochauflösende 3D-Bilder des Gepäckinhalts und ermöglichen eine deutlich präzisere Analyse als die bisherigen 2D-Röntgengeräte.
Für Reisende bedeutet dies eine erhebliche Erleichterung: Laptops, Tablets und Flüssigkeitsbeutel können im Rucksack oder Trolley bleiben. Das umständliche Aus- und Wiedereinpacken entfällt, was den gesamten Prozess beschleunigen soll.
Mehr Komfort auch bei der Personenkontrolle
Neben den Gepäckscannern werden auch neue Körperscanner eingeführt. Diese kommen zum Einsatz, wenn der herkömmliche Metalldetektor anschlägt. Anstatt einer manuellen Kontrolle durch das Sicherheitspersonal, die von manchen als unangenehm empfunden wird, erfolgt nun ein schneller Scan.
Das Gerät zeigt dem Personal auf einem schematischen Display exakt an, wo am Körper sich ein verdächtiger Gegenstand befindet. „Das Ganzkörperabtasten kann sowohl für uns als auch für die Gäste unangenehm sein“, erklärt Reto Lanz von der Kantonspolizei Zürich. Die neue Technologie ermöglicht eine gezielte und schnellere Nachkontrolle.
Hintergrund: Die 100-Milliliter-Regel
Die Beschränkung für Flüssigkeiten im Handgepäck wurde 2006 weltweit eingeführt, nachdem britische Sicherheitsbehörden einen geplanten Anschlag mit Flüssigsprengstoff auf Transatlantikflüge vereitelt hatten. Die Regel besagt, dass Flüssigkeiten nur in Behältern bis zu 100 ml in einem durchsichtigen, wiederverschliessbaren 1-Liter-Beutel mitgeführt werden dürfen. Moderne CT-Scanner können die Zusammensetzung von Flüssigkeiten analysieren und machen diese starre Regelung überflüssig.
Die Übergangsphase: Geduld ist gefragt
Obwohl die neuen Scanner technisch in der Lage sind, Behälter mit bis zu zwei Litern Flüssigkeit zu überprüfen, bleibt die 100-Milliliter-Grenze vorerst bestehen. Der Grund liegt im etappenweisen Vorgehen. Bis zum Sommer 2026 werden alle Sicherheitslinien auf den verschiedenen Ebenen nach und nach umgerüstet.
Solange sowohl alte als auch neue Kontrollpunkte in Betrieb sind, muss eine einheitliche Regelung gelten, um Verwirrung und Ungerechtigkeiten zu vermeiden. „Wer will, kann es mit einer Zwei-Liter-Flasche riskieren, aber an den alten Checks muss sie noch immer abgegeben werden“, erläutert Projektleiter Roman Jung die aktuelle Situation.
Reisende haben keinen Anspruch darauf, an einer der neuen Linien kontrolliert zu werden. Die Passagierströme werden wie bisher geleitet. Ein kleiner Tipp von Roman Jung: „Wenn man über das Check-in 1 kommt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass man zu den modernen Kontrollen im Stockwerk G0 kommt.“
Zahlen und Fakten zur Modernisierung
- Investition: 34 Millionen Franken
- Projektende: Sommer 2026
- Technologie: Computertomographie (CT) für 3D-Scans
- Vorteil: Keine Entnahme von Elektronik und Flüssigkeiten nötig
- Zukünftige Flüssigkeitsgrenze: Bis zu 2 Liter pro Behälter
Warum die Verzögerung?
Die Pläne zur Modernisierung der Sicherheitsinfrastruktur sind nicht neu. Ursprünglich sollte das Projekt bereits 2019 starten. „Covid hat uns dann jedoch erstmals einen Strich durch die Rechnung gemacht“, so Projektleiter Jung. Die Pandemie führte zu einem massiven Einbruch des Flugverkehrs und legte viele Investitionsprojekte auf Eis.
Nach der Pandemie benötigten die öffentliche Ausschreibung für die Technologie und die anschliessende Lieferung der komplexen Geräte zusätzliche Zeit. Dies führte dazu, dass die Fertigstellung nun rund zwei Jahre später als ursprünglich geplant erfolgen wird.
„Ziel beider Neuerungen ist es, den Passagierkomfort und die Effizienz zu steigern – das aber bei gleichbleibendem hohen Sicherheitsstandard.“– Reto Lanz, Kantonspolizei Zürich
Was bedeutet das für Reisende in den nächsten Monaten?
In den kommenden eineinhalb Jahren müssen sich Passagiere auf eine gemischte Situation einstellen. Die Renovierungsarbeiten erfordern die zeitweise Schliessung einzelner Sicherheitsbereiche, was besonders zu Spitzenzeiten zu Engpässen führen kann. Der Flughafen rät Reisenden, weiterhin ausreichend Zeit für den Weg zum Gate einzuplanen.
Es ist wichtig, sich vorerst an die bekannten Regeln zu halten:
- Flüssigkeiten: Weiterhin in Behältern von maximal 100 ml in einem 1-Liter-Plastikbeutel verpacken.
- Elektronik: Bereit sein, Laptop und andere grosse elektronische Geräte bei Aufforderung auszupacken.
- Hosentaschen: Wie gewohnt vor dem Metalldetektor leeren und Jacken ausziehen.
Trotz der vorübergehenden Unannehmlichkeiten ist der Ausblick positiv. Viele internationale Flughäfen wie Amsterdam, Helsinki oder Dublin nutzen diese Technologie bereits erfolgreich. Die Erfahrungen dort zeigen, dass die Abfertigung pro Passagier deutlich schneller und reibungsloser verläuft. Ab Sommer 2026 wird dies auch am Flughafen Zürich der neue Standard sein.





