Pendler in Winterthur müssen sich am Dienstagmorgen auf erhebliche Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr einstellen. Das Fahrpersonal von Stadtbus Winterthur (SBW) hat einen Warnstreik angekündigt. Dieser beginnt um 4:30 Uhr und dauert bis 8:30 Uhr. Die Gewerkschaft VPOD kritisiert die Arbeitsbedingungen scharf.
Wichtige Punkte
- Das Fahrpersonal von Stadtbus Winterthur streikt am Dienstag von 4:30 bis 8:30 Uhr.
- Die Gewerkschaft VPOD bemängelt lange Schichten und unregelmässige Arbeitszeiten.
- Stadtrat Stefan Fritschi zeigt sich überrascht und sieht den Zeitpunkt kritisch.
- Gespräche zwischen SBW und VPOD scheiterten bisher.
- Streiks im Schweizer ÖV sind selten.
Warnstreik nach gescheiterten Verhandlungen
Die Personalversammlung von Stadtbus Winterthur hat am Sonntag einstimmig für den Warnstreik gestimmt. Dies teilte die Gewerkschaft VPOD am Montagmorgen mit. Die Massnahme ist eine Reaktion auf die als ungenügend empfundenen Arbeitsbedingungen beim städtischen Busbetrieb.
Der Streik soll den Druck auf die Stadtbus Winterthur erhöhen. Die Gewerkschaft fordert Verbesserungen bei den Dienstplänen und Ruhezeiten. Rund 260 Personen arbeiten im Fahrdienst von SBW.
Faktencheck: Streikdauer
- Beginn: Dienstag, 4. März, 4:30 Uhr
- Ende: Dienstag, 4. März, 8:30 Uhr
- Betroffene: Pendler und Schüler in Winterthur
Kritik an Arbeitsbedingungen und Dienstplänen
Der VPOD bemängelt schon länger die Arbeitsbedingungen bei Stadtbus Winterthur. Besonders im Fokus stehen sehr lange Dienstschichten und verkürzte Ruhezeiten. Auch die Unregelmässigkeit der Arbeitszeiten sei ein grosses Problem für die Angestellten. Die Gewerkschaft erklärt, das Fahrpersonal arbeite am Limit.
"Unter diesen Bedingungen können wir unsere Arbeit nicht mehr so ausführen, wie es unserem Anspruch und der Verantwortung gegenüber den Fahrgästen entspricht", zitiert die Gewerkschaft einen Mitarbeiter von SBW.
Diese Aussage unterstreicht die tiefe Frustration unter den Busfahrerinnen und Busfahrern. Sie sehen die Qualität ihrer Arbeit und die Sicherheit der Fahrgäste gefährdet.
Auswirkungen auf den Alltag in Winterthur
Der Streikzeitpunkt am Dienstagmorgen ist bewusst gewählt. Er trifft den Berufsverkehr und den Beginn des Schultages. Viele Menschen sind auf die Busse angewiesen, um zur Arbeit oder zur Schule zu gelangen. Es wird zu erheblichen Ausfällen und Verspätungen kommen.
Hintergrund: Kündigung des GAV
Im August 2025 wurde der Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für das Fahrpersonal im öffentlichen Verkehr des Kantons Zürich gekündigt. Dieser war seit 2014 in Kraft. Die Sozialpartner konnten sich nicht auf eine Überarbeitung einigen. Stadtbus Winterthur war ebenfalls Vertragspartner. Der Stadtrat war gegen die Auflösung des GAV.
Stadtrat Fritschi zeigt sich überrascht
Stadtrat Stefan Fritschi (FDP), zuständig für den öffentlichen Verkehr in Winterthur, reagierte überrascht auf die Ankündigung des Streiks. Er betonte, er sei regelmässig im Austausch mit dem Fahrpersonal. Die grosse Unzufriedenheit sei ihm in persönlichen Gesprächen so nie kommuniziert worden.
Fritschi hatte noch am vergangenen Freitag neue Gesprächstermine angeboten. Diese lehnte die Gewerkschaft jedoch ab. Er hält den Warnstreik daher für nicht gerechtfertigt. Fritschi kündigte für den Nachmittag an, dass Busfahrerinnen und Busfahrer eine Entschädigung für den Pikettdienst erhalten werden. Diese Massnahme sei ohnehin geplant gewesen, werde nun aber vorgezogen.
Zahlen und Fakten
- 260 Personen arbeiten im Fahrdienst von Stadtbus Winterthur.
- Der letzte GAV war seit 2014 aktiv.
- Streiks im Schweizer ÖV sind äusserst selten.
Brisanter Zeitpunkt vor den Wahlen
Der Zeitpunkt des Streiks ist brisant. Am kommenden Sonntag finden in Winterthur Gesamterneuerungswahlen statt. Stefan Fritschi kandidiert dabei für das Stadtpräsidium. Er vermutet einen Zusammenhang zwischen dem Streik und den bevorstehenden Wahlen.
"Damit wird jetzt mit grosser medialer Aufmerksamkeit Wahlkampf betrieben", sagte Fritschi.
Micha Amstad vom VPOD bestreitet diesen Vorwurf vehement. Er betont, der Entscheid sei basisdemokratisch und einstimmig vom Personal gefällt worden. Die Unzufriedenheit schwelt demnach schon lange zwischen dem Fahrpersonal und SBW. "Das geht so nicht mehr weiter", so Amstad.
Offenheit für Dialog bleibt bestehen
Trotz der Eskalation bleibt die Gewerkschaft VPOD gesprächsbereit. Sie ist offen für einen Dialog, um den Streik am Dienstag noch abzuwenden. Allerdings fordert Amstad, dass es dabei um substanzielle Massnahmen gehen müsse. Nur so könnten die grundlegenden Probleme der Arbeitsbedingungen gelöst werden.
Streiks im öffentlichen Verkehr sind in der Schweiz eine Seltenheit. Ein prominentes Beispiel war der Streik des ÖV-Personals in Genf im Jahr 2022. Damals forderten die Mitarbeitenden den vollen Teuerungsausgleich.
Wie geht es weiter?
Die Augen sind nun auf die kommenden Stunden gerichtet. Ob es noch zu einer Einigung kommt, ist ungewiss. Pendler sollten sich am Dienstagmorgen auf alternative Reisemöglichkeiten einstellen. Der Stadtbus Winterthur wird voraussichtlich über die konkreten Auswirkungen des Streiks informieren. Die Situation zeigt die Spannungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern im öffentlichen Dienst auf, besonders wenn es um die Balance zwischen Effizienz und Mitarbeiterwohl geht.





