Die geplanten Änderungen im Betriebsreglement des Flughafens Zürich, insbesondere die vorgesehenen Südstarts, stossen auf massiven Widerstand. Nicht nur Gemeinden in der Schweiz, sondern auch deutsche Grenzregionen äussern Bedenken bezüglich einer drohenden Mehrbelastung durch Fluglärm.
Wichtige Punkte
- Öffentliche Auflage des neuen Betriebsreglements endet am 17. Februar.
- Geplante Südstarts auf Piste 16 geradeaus führen zu Kritik in Schweizer Gemeinden.
- Deutsche Landkreise fordern keine Mehrbelastung durch Änderungen am Ostkonzept.
- Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) rechnet mit einem Abschluss des Verfahrens erst 2027.
Südstarts und ihre Auswirkungen auf Schweizer Gemeinden
Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) hat Mitte Januar Änderungen am Betriebsreglement des Flughafens Zürich öffentlich aufgelegt. Ein zentraler Punkt dieser Änderungen sind Starts von der Piste 16 in Richtung Süden. Diese Starts sind Teil des sogenannten Bisenkonzepts, welches bei ungünstigen Wetterlagen zur Anwendung kommt, wenn das übliche Nordanflugkonzept nicht möglich ist.
Im bestehenden Nordanflugkonzept sind Südstarts auf Piste 16 bereits vorgesehen. Die Flugzeuge drehen dabei jedoch nach dem Abheben zügig nach links, also Richtung Osten, ab. Das neue Bisenkonzept hingegen sieht vor, dass die Südstarts geradeaus erfolgen. Dies würde bedeuten, dass dicht besiedelte Gebiete direkt überflogen werden.
Faktencheck
- Piste 16: Betrifft Starts in südlicher Richtung.
- Bisenkonzept: Kommt bei ungünstigem Wetter zum Einsatz.
- Geradeaus-Starts: Neu im Bisenkonzept vorgesehen, überfliegen dichtere Gebiete.
Die Reaktionen aus den betroffenen Schweizer Gemeinden sind erwartungsgemäss negativ. Besonders Dübendorf wäre von den geplanten Südstarts betroffen. Der Stadtrat von Dübendorf teilte mit, dass diese eine «massive Mehrbelastung» für die Bevölkerung darstellen würden. Die Gemeinde plant, Einsprache zu erheben und ruft ihre Einwohner zur Beteiligung auf.
«Die Südstarts geradeaus würden der Bevölkerung eine massive Mehrbelastung bringen.»
Bereits am Tag der Publikation des neuen Reglements bezeichnete das Fluglärmforum Süd die Pläne als «Worst-Case-Szenario». Die Organisation hat inzwischen formell Einspruch eingelegt. Auch verschiedene Gemeinden am rechten Zürichseeufer, die mit zusätzlichem Fluglärm rechnen, wollen sich gegen die Änderungen wehren.
Widerstand aus Deutschland gegen Ostkonzept-Änderungen
Die Kritik am neuen Betriebsreglement beschränkt sich nicht auf die Schweiz. Auch im deutschen Grenzgebiet, bis zum Bodensee, sorgen die geplanten Änderungen für Unmut. Die Landräte der drei deutschen Landkreise Konstanz, Waldshut und Schwarzwald-Baar haben Widerstand angekündigt. Ihr Ärger richtet sich nicht gegen die Südstarts, sondern gegen die geplanten Änderungen am Ostkonzept.
Diese Änderungen würden ihre Gebiete betreffen. Die deutschen Landkreise fordern, dass durch die Anpassungen am Betriebsreglement keine zusätzliche Belastung der deutschen Bevölkerung im Grenzgebiet durch Fluglärm entsteht. Für die Umsetzung des Ostkonzepts ist das Einverständnis Deutschlands notwendig.
Hintergrund der Änderungen
Laut Flughafenbetreiber dienen etliche der vorgeschlagenen Änderungen am Betriebskonzept der Reduktion von Kreuzungspunkten in der Luft. Dies soll den Flugbetrieb weniger komplex machen und die Sicherheit erhöhen. Zudem verspricht man sich dadurch mehr Pünktlichkeit, was insbesondere in den Abendstunden zu weniger verspäteten Flugbewegungen führen könnte.
Der weitere Zeitplan des Verfahrens
Die öffentliche Auflage für Stellungnahmen zu den Änderungen am Betriebsreglement endet am 17. Februar. Die Kantone haben bis April Zeit, sich zu den Plänen zu äussern. Das Bazl hat auf Anfrage noch keine genauen Angaben zur Anzahl der bereits eingegangenen Stellungnahmen gemacht.
Das gesamte Verfahren wird voraussichtlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Das Bazl rechnet damit, dass es erst im Jahr 2027 abgeschlossen sein wird. Dies deutet auf eine langwierige und komplexe Auseinandersetzung hin, bis eine finale Entscheidung über die zukünftigen Flugrouten am Flughafen Zürich getroffen wird.
Die Diskussionen um Fluglärm und Flugrouten sind in der Region Zürich seit Langem ein sensibles Thema. Die nun geplanten Änderungen werfen erneut Fragen zur Lebensqualität der Anwohner und zur länderübergreifenden Zusammenarbeit auf. Die kommenden Monate werden zeigen, wie die Einsprachen und Stellungnahmen verarbeitet werden und welche Kompromisse möglicherweise gefunden werden müssen.





