Der Flughafen Zürich plant, künftig Abflüge von Piste 16 auch in Richtung Süden zu ermöglichen. Dieses Vorhaben, das vor allem bei Bise die Sicherheit erhöhen soll, stösst auf erheblichen Widerstand in den betroffenen Gemeinden entlang der Goldküste und in der Region östlich des Flughafens. Das neue Betriebsreglement, welches die Start- und Landerichtungen festlegt, liegt derzeit öffentlich auf und hat bereits eine Welle von Einsprachen ausgelöst.
Wichtige Punkte
- Der Flughafen Zürich beantragt Südstarts ab Piste 16, insbesondere bei Bise.
- Betroffene Gemeinden wie Küsnacht rufen ihre Einwohner aktiv zur Einsprache auf.
- Das Fluglärmforum Süd, das 300'000 Menschen vertritt, warnt vor erhöhtem Absturzrisiko über dicht besiedeltem Gebiet.
- Die Region Ost fordert die Einhaltung der Nachtruhe von sieben Stunden.
- Das Betriebsreglement liegt noch bis zum 17. Februar zur Einsicht auf.
Geplante Südstarts über Wohngebiete
Die Pläne des Flughafens Zürich sehen vor, Flugzeuge vermehrt über dicht besiedelte Gebiete im Süden und Osten starten zu lassen. Dies betrifft insbesondere Gemeinden wie Zürich-Witikon, Dübendorf und die gesamte Goldküste. Seit 21 Jahren sind die Bewohner dieser Regionen bereits von Südanflügen betroffen, die oft schon um 6 Uhr morgens beginnen. Die nun geplanten Südstarts würden eine zusätzliche Belastung darstellen.
Das neue Betriebsreglement regelt detailliert, wann und wo Flugzeuge landen und starten dürfen. Die Begründung des Flughafens für die Südstarts bei Bise ist eine Erhöhung der Sicherheit. Diese Argumentation wird von den Gegnern jedoch kritisch hinterfragt, da die Flüge direkt über Wohngebieten stattfinden würden.
Faktencheck
- Betroffene Einwohner: Das Fluglärmforum Süd vertritt die Interessen von rund 300'000 Menschen im Süden des Flughafens.
- Region Ost: Hier leben 744'300 Einwohner in 120 Gemeinden der Kantone Zürich, Thurgau, St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden.
- Einsprachefrist: Das neue Betriebsreglement liegt bis zum 17. Februar öffentlich auf.
Gemeinden und Bevölkerung rufen zum Widerstand auf
Entlang der Zürcher Goldküste formiert sich breiter Widerstand gegen die geplanten Südstarts. Mehrere Gemeinden haben bereits angekündigt, juristisch gegen das neue Betriebsreglement vorzugehen. Küsnacht, Meilen, Zumikon, Herrliberg und Männedorf gehören zu den Gemeinden, die offiziell Einsprache erheben und ihre Einwohner dazu aufrufen, dasselbe zu tun.
«Erheben Sie Einsprache und setzen Sie ein Zeichen für den Schutz der dicht besiedelten Wohngebiete und die Bewahrung der Lebensqualität in Küsnacht», appelliert Markus Ernst, Gemeindepräsident von Küsnacht.
Die Gemeinden stellen ihren Einwohnern sogar Mustervorlagen für Einsprachen zur Verfügung, um den Prozess zu erleichtern. Dies zeigt die Dringlichkeit und das Ausmass der Besorgnis in der Bevölkerung. Es wird erwartet, dass sich weitere Gemeinden diesem Vorgehen anschliessen werden.
Sicherheitsbedenken und Absturzrisiko
Das Fluglärmforum Süd, eine wichtige Plattform für die betroffenen Städte und Gemeinden, hat die Pläne des Flughafens mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Die Organisation prüft derzeit die Unterlagen und behält sich rechtliche Schritte vor. Ein zentraler Kritikpunkt ist die angebliche Verringerung der Sicherheit durch Südstarts über dicht besiedeltem Gebiet.
Das Fluglärmforum Süd warnt: «Angesichts des Absturzrisikos ist das nicht vertretbar.»
Diese Warnung unterstreicht die ernsthaften Bedenken hinsichtlich der potenziellen Gefahren für die Anwohner. Die Debatte um die Sicherheit der Bevölkerung steht im Zentrum der Auseinandersetzung.
Hintergrund der Fluglärmdebatte
Die Diskussion um Fluglärm am Flughafen Zürich ist nicht neu. Schon vor der Einführung der Südanflüge gab es grosse Protestaktionen, die von den sogenannten «Schneisern» organisiert wurden. Diese Demos, oft an symbolträchtigen Orten wie dem Wehrmännerdenkmal auf der Forch, sorgten damals für Schlagzeilen. Die aktuellen Pläne könnten eine Wiederholung solcher Proteste auslösen.
Forderungen nach Nachtruhe und fairer Verteilung
Nicht nur der Süden, sondern auch die Stadt Zürich und die östlich des Flughafens gelegenen Regionen blicken kritisch auf die geplanten Änderungen. Katrin Cometta, Stadträtin von Winterthur und Präsidentin der Organisation Region Ost, betont die Notwendigkeit einer fairen Verteilung der Belastung.
«Änderungen im Betriebskonzept dürfen den Osten gegenüber den anderen Himmelsrichtungen nicht benachteiligen», so Cometta.
Eine zentrale Forderung der Region Ost ist die Einhaltung der Nachtruhe. «Die Nachtruhe von sieben Stunden muss gewährleistet sein», fordert Cometta. Dies betrifft eine sehr grosse Bevölkerungsgruppe, da die Region Ost insgesamt 744'300 Einwohner in 120 Gemeinden umfasst.
- Forderung der Region Ost: Keine Benachteiligung des Ostens bei Betriebsänderungen.
- Kernanliegen: Gewährleistung einer ungestörten Nachtruhe von sieben Stunden.
Die öffentliche Auflage des Betriebsreglements läuft noch bis zum 17. Februar. Es ist absehbar, dass der Flughafen Zürich mit einer grossen Anzahl von Einsprachen konfrontiert wird. Die Debatte um die Balance zwischen Flughafensicherheit, Effizienz und der Lebensqualität der Anwohner wird sich in den kommenden Wochen und Monaten weiter zuspitzen.
Die betroffenen Gemeinden und Organisationen bereiten sich auf einen langen juristischen Kampf vor. Die Entscheidung über die Südstarts wird weitreichende Konsequenzen für Hunderttausende von Menschen in der Region haben.





