Ein 34-jähriger Zürcher namens Marco erlebte dramatische Stunden in Dubai, als er nach drei Explosionen in unmittelbarer Nähe die Entscheidung traf, die Krisenregion zu verlassen. Seine Flucht führte ihn über den Landweg in den Oman und schliesslich über mehrere Zwischenstopps zurück in die Schweiz.
Wichtige Erkenntnisse
- Marco, ein Schweizer Unternehmer, floh nach Explosionen aus Dubai.
- Die Flucht erfolgte über den Landweg in den Oman, da andere Optionen unsicher waren.
- Ein ehemaliger omanischer Minister bot unerwartete Hilfe bei der Organisation der Weiterreise für Marco und seine Freunde.
- Die Rückreise nach Zürich führte über Jeddah und Kairo.
- Marco kritisiert die mangelnde Unterstützung durch das EDA während der Krise.
Drei Explosionen erschütterten Dubai
Marco, der seit 2023 in Dubai lebt und dort ein Unternehmen im Bereich Recruiting und Marketing führt, hatte den Tag zunächst normal begonnen. Er war gerade aus dem Fitnessstudio gekommen, als ein Kollege ihn drängte, die Stadt zu verlassen. Marco versuchte ihn zu beruhigen und sagte: «Keine Sorge, sie zielen nur auf Militärstützpunkte, wir sind sicher.»
Doch diese Einschätzung änderte sich schnell. Nach seiner Rückkehr ins Apartment und einer Dusche spürte er drei Explosionen in unmittelbarer Nähe. „In der ganzen Wohnung hat es gezittert“, beschreibt Marco die Intensität der Erschütterungen. Diese Ereignisse zwangen ihn zum Umdenken und zur sofortigen Fluchtentscheidung.
Faktencheck
- Marco lebt seit 2023 in Dubai.
- Er ist selbstständig im Bereich Recruiting und Marketing tätig.
- Die Entscheidung zur Flucht fiel nach drei spürbaren Explosionen.
Spontane Flucht und vergessene Dinge
Die Flucht war überstürzt. Marco packte nur das Nötigste: Unterhosen, Hosen und T-Shirts. Wichtige Dinge, wie sein Ladekabel, liess er in der Hektik zurück. Mit einem Taxi fuhr er zu seinem Kollegen, der ein eigenes Auto besass. Dies war entscheidend, da eine Ausreise über die Grenze zu Oman zu Fuss oder mit einem Mietwagen zu diesem Zeitpunkt nicht möglich gewesen wäre.
„Oman war eigentlich der einzige sinnvolle Weg“, erklärt Marco. Der Flughafen in Maskat war zu dieser Zeit der einzige, der noch offen war und eine Chance auf eine Weiterreise bot. Die beiden machten sich auf den Weg in die Wüste, um dort eine erste Nacht zu verbringen.
Die Reise in die Wüste
In einem kleinen Städtchen in der Wüste fanden sie ein Resort. „Wir waren zum Glück früh dran, später war es völlig überbucht“, erinnert sich Marco. Die Unsicherheit der Lage führte zu einem Ansturm auf die wenigen verfügbaren Unterkünfte.
Obwohl er sich in der Wüste sicherer fühlte, war Marcos Ziel, die gesamte Krisenregion zu verlassen. Die weitere Planung erforderte Internetzugang, der im Resort jedoch nicht funktionierte.
Unerwartete Hilfe eines ehemaligen Ministers
Während sie in einer Bank Geld wechselten, sprach ein Mann Marco und seinen Kollegen an. Er fragte nach ihrer Herkunft und ob sie Hilfe benötigten. Als sie ihr Problem mit dem fehlenden Internetzugang schilderten, führte der Mann sie zum Büro seines Sohnes in der Nähe.
„Sie waren beide sehr gastfreundlich, boten uns Essen und Trinken an“, erzählt Marco. „Dann stellte sich heraus, dass der Vater offenbar ein früherer Minister Omans war. Er zeigte uns Fotoalben zum Beweis. Die ganze Stadt gehörte offenbar ihm.“
Diese Begegnung sollte sich als Glücksfall erweisen. Die Unterstützung des ehemaligen Ministers ging weit über einfache Gastfreundschaft hinaus. Er half nicht nur Marco und seinem Kollegen, sondern auch weiteren Freunden, die in Dubai festsaßen und kein eigenes Auto besassen.
Hintergrundinformationen
Die Golfregion ist aufgrund ihrer geopolitischen Lage immer wieder Schauplatz von Spannungen. Die schnelle Reaktion der Bevölkerung auf Krisen, wie die von Marco erlebte, zeigt die Notwendigkeit von Notfallplänen und zuverlässigen Kommunikationswegen.
Rettungsaktion für weitere Freunde
Als Marco erwähnte, dass weitere Freunde in Dubai gestrandet waren, reagierte der Ex-Minister sofort. „Er handelte mit den Grenzwächtern aus, dass er sie über die Grenze fahren durfte, und ist dann mehrmals hin und hergefahren, um alle zehn herauszuholen.“ Diese selbstlose Hilfe ermöglichte es einer grösseren Gruppe von Menschen, die Gefahrenzone zu verlassen.
Ein weiterer Freund, der bereits in Sicherheit war, organisierte für alle die notwendigen Flüge. Der ehemalige Minister fuhr Marco und seine Freunde sogar zum Flughafen in Maskat, eine vierstündige Fahrt. Marco und sein erster Kollege fuhren mit ihrem eigenen Auto. Sie erreichten ihren Flug in letzter Minute und mussten das Auto am Flughafen zurücklassen. „Das kostet jetzt 25 Euro pro Tag“, bemerkte Marco, „aber uns blieb nichts anderes übrig.“
Die lange Reise zurück nach Zürich
Marcos Route führte ihn über Jeddah in Saudi-Arabien nach Kairo in Ägypten und von dort schliesslich nach Zürich. Die meisten seiner Freunde, die österreichischer Nationalität sind, reisten über Ankara oder Istanbul nach Wien. Zum Zeitpunkt des Gesprächs waren noch nicht alle Freunde in ihren Heimatländern angekommen.
Marco ist froh, der Krisenzone entkommen zu sein, doch die unvorhersehbare Zukunft bereitet ihm Sorgen. „Ich wohne in Dubai, ich habe fast nichts hier in der Schweiz, und ich weiss nicht, wie lange ich da bleiben muss.“ Die finanzielle Belastung durch die spontane Flucht ist beträchtlich.
Rückreiseroute
- Dubai nach Oman (Landweg)
- Maskat (Oman) nach Jeddah (Saudi-Arabien)
- Jeddah nach Kairo (Ägypten)
- Kairo nach Zürich (Schweiz)
Kritik am Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA)
Marco äussert sich enttäuscht über die Unterstützung durch das EDA. „Ich habe versucht, mit ihnen in Kontakt zu treten, aber man kommt da gar nicht durch. Es gab keinen Rückruf, es blieb völlig unklar, ob mir jetzt geholfen wird oder nicht.“ Letztendlich musste er alle Reisevorkehrungen privat organisieren, was mit erheblichen Kosten verbunden war.
Er merkt an, dass seine österreichischen Freunde offenbar einfacher Kontakt zu ihren nationalen Behörden aufnehmen konnten. Diese Erfahrung unterstreicht die Wichtigkeit einer effektiven Krisenkommunikation und Unterstützung für im Ausland gestrandete Bürger.
Die Zukunft für Marco bleibt ungewiss. Er hofft auf eine baldige Rückkehr zu Normalität und eine Klärung seiner Situation in Dubai. Die Erlebnisse der letzten Tage werden ihn jedoch noch lange begleiten und die Bedeutung von Sicherheit und vorausschauender Planung in Krisenzeiten hervorheben.




