Der illegale Welpenhandel boomt, oft versteckt hinter süssen Online-Bildern. Viele dieser Tiere leiden unter schweren Krankheiten und Verhaltensstörungen, wie der Zürcher Tierschutz immer wieder feststellt. Die Folgen für die Tiere und ihre neuen Besitzer sind oft verheerend.
Wichtige Punkte
- Illegale Welpenimporte führen oft zu kranken oder traumatisierten Tieren.
- Während der Pandemie stieg der Handel stark an, viele Welpen landeten im Tierspital.
- Behandlungskosten für kranke Welpen können Tausende von Franken betragen.
- Seit Februar 2025 dürfen Welpen erst ab 15 Wochen importiert werden.
- Qualzuchten aus dem Ausland verursachen oft lebenslange gesundheitliche Probleme.
Der Weg ins Tierheim: Wenn der Traum vom Welpen zerbricht
Im «Tierhaus» des Zürcher Tierschutzes finden zahlreiche Tiere ein vorübergehendes Zuhause. Darunter sind Hunde, Katzen, Vögel und sogar Exoten. Viele von ihnen wurden von ihren Besitzern abgegeben, vom Veterinäramt entzogen oder als Findeltiere aufgefunden. Ein grosser Teil dieser Hunde stammt aus skrupellosem Welpenhandel, wie Nadja Brodmann, Zoologin und Co-Geschäftsleiterin des Zürcher Tierschutzes, berichtet.
Diese Welpen stammen oft aus Osteuropa, wo sie unter prekären Bedingungen massenhaft gezüchtet werden. Über Online-Plattformen werden sie zum Kauf angeboten und illegal in andere Länder transportiert. Die mangelnde Hygiene und fehlende Impfungen führen dazu, dass viele Tiere mit Parasiten und schweren Krankheiten in der Schweiz ankommen. Zudem können schlimme Erlebnisse frühe Traumata verursachen, die sich in Verhaltensstörungen äussern.
Zahlen und Fakten
- 3 von 10 Welpen in der Schweiz kommen aus dem Ausland.
- Die Zahl der legal importierten Hunde sank von 38'000 (2021) auf 23'000 (2023).
- Behandlungskosten für kranke Welpen können mehrere Tausend Franken erreichen.
Die Pandemie als Katalysator für den illegalen Handel
Besonders während der Corona-Pandemie erlebte der illegale Welpenimport einen regelrechten Boom. Viele dieser sehr jungen und schwer kranken Tiere landeten direkt im Tierspital. Nadja Brodmann erinnert sich an die herausfordernde Zeit: «Etliche waren sehr jung und schwer krank, sie landeten direkt im Tierspital.»
Eine häufige Diagnose war Parvovirose, eine oft tödliche Virusinfektion, die heftigen Durchfall, Erbrechen, hohes Fieber und starke Apathie verursacht. Ungeimpfte Hunde, insbesondere Welpen mit ihrem noch nicht vollständig entwickelten Immunsystem, sind besonders anfällig. Die intensive medizinische Betreuung ist extrem kostenintensiv, was viele Besitzer überfordert.
«Während der Corona-Pandemie boomten die illegalen Importe von Welpen. Etliche waren sehr jung und schwer krank, sie landeten direkt im Tierspital.» — Nadja Brodmann, Co-Geschäftsleiterin Zürcher Tierschutz
Herausforderungen nach dem Welpenalter
Auch nach der Pandemie blieben die Herausforderungen bestehen. Viele der ursprünglich als süss empfundenen Welpen wurden in der Pubertät anstrengend. Oder die Menschen waren einfach nicht mehr bereit, die nötige Zeit und Aufmerksamkeit für ihre Vierbeiner aufzubringen. Dies führte dazu, dass viele Hunde, die als Pandemie-Welpen angeschafft wurden, später im Tierschutz landeten.
Hintergrund: Meldepflicht und Quarantäne
Seit dem 1. Februar 2025 dürfen Welpen erst ab einem Alter von 15 Wochen für den Weiterverkauf importiert werden. Hunde ohne Mikrochip oder gültige Tollwutimpfung müssen Tierärzten den Behörden melden. Diese Meldepflicht wird in der Praxis jedoch nicht immer vollständig eingehalten, was die Arbeit des Tierschutzes zusätzlich erschwert.
Das Schicksal von Idefix: Ein Fallbeispiel
Ein Sensibilisierungsfilm des Zürcher Tierschutzes zeigt das traurige Schicksal des Malteserwelpens Idefix. Er wurde aus dem Ausland in die Schweiz bestellt. Beim ersten Tierarztbesuch stellte sich heraus, dass Idefix keinen vorgeschriebenen Tollwutschutz besass. Das Gesetz schreibt in solchen Fällen drei Möglichkeiten vor: Rückkehr ins Herkunftsland, Einschläferung oder 120 Tage Quarantäne.
Idefix wurde beschlagnahmt und kam in Quarantäne. Er sah seine bisherige Halterin nie wieder. Der Zürcher Tierschutz suchte eine neue Familie für ihn. Doch die Quarantänezeit war hart: Niemand durfte ohne Vollschutzanzug zu ihm, was eine emotionale Distanz schuf. Spielen mit anderen Hunden oder Spaziergänge in der Natur waren nicht möglich.
Folgen der Isolation
Heute springt Idefix wieder fröhlich umher. Doch das Tierpflegeteam und seine neue Halterin mussten viel Geduld aufbringen. Nicht alle Tiere erholen sich nach einer Quarantäne so gut. Manche entwickeln schwere Verhaltensstörungen, wenn es dem Pflegepersonal an Know-how mangelt.
Solche Störungen können auch schon früher entstehen: Tierquälerische Haltung, frühe Trennung von der Mutter oder strapaziöse Transporte können Angststörungen, Aggressionen oder chronischen Stress verursachen. Tiere aus unseriösem Handel sind zudem anfälliger für Krankheiten, da ihnen durch die frühe Trennung von der Mutter wichtige Antikörper fehlen.
Qualzucht: Das Leid hinter den süssen Rassen
Ein weiteres grosses Problem ist der Handel mit Qualzuchten. Nadja Brodmann erklärt: «Begehrten Rassen werden mitunter willkürlich in grossen osteuropäischen Zuchtfabriken oder kleinen Hinterhofzuchten vermehrt, es wird nicht nach Gendefekten selektiert und teilweise Inzucht betrieben.»
Dies führt zu kranken Tieren mit extremen Merkmalen. Beispiele sind die kurze Schnauze und die grossen Augen bei Möpsen oder Französischen Bulldoggen. Solche Merkmale verursachen oft ernsthafte Gesundheitsprobleme wie Atemnot, Augenverletzungen, Hitzestress und körperliche Einschränkungen. Die Tiere leiden ihr Leben lang unter diesen Züchtungen.
- Kurze Schnauzen: Führen zu Atemnot und Hitzestress.
- Grosse Augen: Anfällig für Verletzungen und Entzündungen.
- Inzucht: Erhöht das Risiko für genetische Defekte und Krankheiten.
Bewusstsein schaffen und verantwortungsvoll handeln
Der Zürcher Tierschutz hofft, mit dem Sensibilisierungsfilm und Informationsmaterial das Bewusstsein der Menschen zu schärfen. Das Angebot an Welpen im Internet ist riesig, und viele Menschen sind überfordert, seriöse von unseriösen Angeboten zu unterscheiden. «Hier wollen wir mit unseren Tipps helfen», so Brodmann.
Zusammen mit dem Zürcher Tierspital hat der Verein die Broschüre «Augen auf beim Welpenkauf!» verfasst. Zusätzlich gibt es eine «Checkliste für den Hundekauf», die in fünf Schritten erklärt, worauf man achten muss. Diese Hilfsmittel sollen potenziellen Hundebesitzern helfen, eine fundierte Entscheidung zu treffen und Tierleid zu vermeiden.
Selbst beim Kauf eines Welpen in der Schweiz ist Vorsicht geboten. Der Hund Nameko, der vom Veterinäramt beschlagnahmt wurde und im Tierhaus lebt, stammt aus dem Ausland und sollte zur Zucht eingesetzt werden. Bei seiner Ankunft war er stark verfilzt und litt unter einer Infektion. Dies zeigt, dass die Herkunft und die Bedingungen der Zucht immer sorgfältig geprüft werden müssen, unabhängig davon, wo der Kauf stattfindet.





