Der Zoo Zürich hat kürzlich zehn Dscheladas einschläfern lassen. Diese Massnahme, begründet mit Artenmanagement, hat in sozialen Netzwerken und bei Tierschutzorganisationen heftige Kritik ausgelöst. Der Zoo reagiert nun auf die häufigsten Fragen der Öffentlichkeit und erläutert seine Beweggründe.
Wichtige Erkenntnisse
- Zehn Dscheladas wurden im Zoo Zürich aufgrund von Artenmanagement eingeschläfert.
- Tierschutzorganisationen wie Peta Deutschland kritisieren das Vorgehen scharf.
- Der Zoo betont seine vier Hauptaufgaben: Artenerhalt, Zucht, Bildung und Forschung.
- Die Suche nach Abgabeplätzen in anderen Zoos blieb erfolglos.
- Auswilderungen sind bei in Zoos geborenen Tieren äusserst komplex und selten erfolgreich.
Das Dilemma des Artenmanagements im Zoo
Die Entscheidung, zehn Dscheladas (Blutbrustpaviane) einzuschläfern, war laut Zoo Zürich eine notwendige Massnahme. Der Clan war auf 48 Tiere angewachsen, was zu einer zunehmenden Instabilität in der Gruppendynamik führte. Trotz intensiver Suche konnten keine geeigneten Abgabeplätze in anderen europäischen Zoos gefunden werden.
Dominik Ryser, Mediensprecher des Zoo Zürich, erklärt die Rolle eines modernen Zoos. Zoos vereinen vier Hauptaufgaben: den Erhalt natürlicher Lebensräume, die Zucht gefährdeter Tierarten, die Bildung der Besucher und die Forschung. Diese Kombination mache Zoos zu wichtigen Akteuren im Kampf gegen die weltweite Krise der Artenvielfalt, so Ryser.
Faktencheck: Aufgaben moderner Zoos
- Erhalt: Schutz natürlicher Lebensräume.
- Zucht: Erhaltung gefährdeter Arten durch Zuchtprogramme.
- Bildung: Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Artenschutz.
- Forschung: Beitrag zur Wissenschaft und zum Verständnis von Tierarten.
Kritik von Tierschutzorganisationen
Die Tötung der Tiere stösst bei Tierschutzorganisationen auf Unverständnis. Peta Deutschland kündigte sogar eine Strafanzeige gegen Zoodirektor Severin Dressen an. Die Organisation wirft dem Zoo vor, gesunde Tiere aus «reiner Willkür» getötet zu haben, nur weil der Platz fehlte. Peta fordert ein konsequentes Zuchtverbot, um die Entstehung von «Überschuss-Tieren» zu verhindern.
«Man darf Tiere nicht 'produzieren', um sie später wie Abfall zu entsorgen.»
Peta Deutschland zur Tötung der Dscheladas
Warum keine Geburtenkontrolle oder weitere Gehege?
Die Frage nach vorausschauender Geburtenkontrolle ist berechtigt. Der Zoo Zürich erklärt, dass Geburtenkontrolle eine Option im Artenmanagement ist, aber aus Tierwohlgründen nur sehr selektiv und zeitlich begrenzt eingesetzt werden sollte. Bei sozialen Tierarten wie Dscheladas würde ein Eingriff in die Fortpflanzung das elementare Grundbedürfnis nach Nachwuchs und Jungenaufzucht verweigern und die natürliche Sozialstruktur stören.
Ein weiteres Gehege für die Dscheladas zu bauen, hätte die Situation laut Zoo nur verzögert. Der Zoo verfügt über eine begrenzte Gesamtfläche, die nicht beliebig erweitert werden kann. Eine solche Massnahme würde das Problem lediglich aufschieben und das Tierwohl langfristig nicht verbessern.
Artenschutz versus Tierschutz
Es ist wichtig, den Unterschied zwischen Artenschutz und Tierschutz zu verstehen. Im Artenschutz steht der Erhalt einer gesamten Art im Vordergrund. Der Zoo Zürich betreibt nach eigenen Angaben Artenschutz. Der Tierschutz hingegen konzentriert sich auf das Wohl des einzelnen Individuums. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Tierwohl im Zoo Zürich nicht an erster Stelle steht.
Die Komplexität der Auswilderung
Viele Stimmen fordern, die Tiere stattdessen auszuwildern. Dies ist jedoch ein äusserst komplexer Prozess. Tiere, die in Zoos geboren und aufgewachsen sind, sind in den seltensten Fällen für eine sofortige Auswilderung geeignet. Der Prozess zieht sich oft über mehrere Generationen und ist ohne ausreichend vorhandenen Lebensraum wenig erfolgversprechend.
Dscheladas leben ausschliesslich im Hochland Äthiopiens. Dort gibt es derzeit noch grosse Bestände, weshalb Wiederansiedlungen aktuell nicht notwendig sind. Dennoch nimmt der Lebensraum der Tiere durch menschliche Konkurrenz ab. Eine Reservepopulation in Zoos ist daher sinnvoll, um die Art langfristig zu sichern.
Wiederansiedlung: Hohe Hürden
- Benötigt meist mehrere Generationen zur Vorbereitung.
- Erfordert intakten, ausreichend grossen Lebensraum.
- Tiere aus Zoos müssen erst an die Wildnis adaptiert werden.
- Selten direkt und sofort erfolgreich.
Forschung statt Verfütterung
Eine weitere Frage betraf die Möglichkeit, die getöteten Tiere an andere Zootiere zu verfüttern. Dies wäre eine sinnvolle und nachhaltige Nutzung im Rahmen des Artenmanagements. Allerdings ist dies nur möglich, wenn die Tiere nicht medikamentös getötet wurden. Da die Dscheladas euthanasiert wurden, war eine Verfütterung ausgeschlossen.
Stattdessen wurden die Tiere der Wissenschaft zur Verfügung gestellt. Es bestand grosses Interesse seitens der Forschung an den Dscheladas, und so tragen die Tiere posthum zu verschiedenen Forschungsprojekten bei. Dies unterstreicht den Forschungsauftrag des Zoos und den Beitrag zum Verständnis der Art.
Die Diskussion um die Dschelada-Tötungen zeigt die ethischen und praktischen Herausforderungen, denen sich moderne Zoos stellen müssen. Zwischen Artenschutz, Tierwohl und begrenzten Ressourcen müssen schwierige Entscheidungen getroffen werden, die oft zu emotionalen Reaktionen führen.





