Der Zoo Zürich sah sich gezwungen, zehn gesunde Dschelada-Affen zu töten. Diese Massnahme wurde aufgrund von Überpopulation und fehlenden Unterbringungsmöglichkeiten in anderen europäischen Zoos ergriffen. Die Entscheidung wurde am Montag bekannt gegeben und hat bei vielen Tierfreunden Bestürzung ausgelöst.
Wichtige Fakten
- Zehn gesunde Dschelada-Affen im Zoo Zürich getötet.
- Grund: Überpopulation der Gruppe (48 Tiere) und Platzmangel.
- Keine Unterbringungsmöglichkeiten in anderen europäischen Zoos gefunden.
- Die Körper der Tiere wurden der Forschung zur Verfügung gestellt.
- Ziel war die langfristige Gesundheit der verbleibenden Gruppe.
Hintergrund der Entscheidung
Die Dschelada-Gruppe im Zoo Zürich, beheimatet im Semien-Gebirge, war zuletzt auf 48 Tiere angewachsen. Eine solch grosse Gruppe führt zu internen Spannungen und kann das Wohlbefinden der Tiere beeinträchtigen. Experten des Zoos überwachten die Situation genau und stellten fest, dass die Unruhe im Clan zunahm.
Die Tötung der Tiere war laut Zoodirektor Severin Dressen ein äusserst schwieriger, aber notwendiger Schritt. Es ging darum, die Gruppe langfristig gesund und stabil zu halten. Der Zoo betonte, dass alle Optionen geprüft wurden, bevor diese drastische Massnahme ergriffen wurde.
Faktencheck Dscheladas
- Dscheladas (Theropithecus gelada) sind in Äthiopien heimisch.
- Sie leben in grossen Haremsgruppen mit einem dominanten Männchen.
- Ihre natürliche Umgebung sind Grasländer und Hochgebirge.
- Im Zoo Zürich leben sie im Bereich des Semien-Gebirges.
Suche nach Alternativen blieb erfolglos
Der Zoo Zürich hatte sich intensiv bemüht, die überschüssigen Dscheladas in anderen europäischen Zoos unterzubringen. Die Suche nach geeigneten Plätzen, die den hohen Standards der Tierhaltung entsprechen, blieb jedoch ohne Erfolg. Dies ist ein wiederkehrendes Problem bei der Haltung von Tiergruppen, die sich stark vermehren.
In den letzten Monaten gab es keine freien Kapazitäten in Zoos, die im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) für Dscheladas zusammenarbeiten. Das EEP koordiniert die Zucht bedrohter Arten, um eine gesunde und genetisch vielfältige Population in menschlicher Obhut zu erhalten.
"Die Entscheidung, gesunde Tiere zu töten, fällt uns extrem schwer. Es war jedoch der einzige Weg, um die langfristige Gesundheit und das Wohlergehen unserer Dschelada-Gruppe sicherzustellen, nachdem alle anderen Optionen ausgeschöpft waren", erklärte Zoodirektor Severin Dressen.
Auswirkungen auf die verbleibende Gruppe
Die Tötung der zehn Tiere unterschiedlichen Alters soll die Dynamik innerhalb der verbleibenden Dschelada-Gruppe beruhigen. Eine zu grosse Gruppengrösse kann zu erhöhtem Stress, Aggressionen und einer schlechteren Lebensqualität für alle Individuen führen. Durch die Reduzierung der Anzahl erhofft sich der Zoo, dass die Tiere wieder harmonischer zusammenleben können.
Die Massnahme zielt darauf ab, ein Gleichgewicht herzustellen, das den natürlichen Verhaltensweisen der Dscheladas besser entspricht. In freier Wildbahn regeln sich Bestände oft durch natürliche Selektion, die im Zoo nicht in gleicher Weise stattfindet.
Hintergrund: Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP)
Das EEP ist ein Programm der Europäischen Vereinigung der Zoos und Aquarien (EAZA). Es koordiniert die Zucht von über 400 Tierarten in europäischen Zoos. Ziel ist es, genetisch gesunde und stabile Populationen zu erhalten und bei Bedarf Tiere zwischen Zoos auszutauschen. Bei Überpopulationen oder genetischen Problemen kann es jedoch zu Herausforderungen bei der Platzierung von Tieren kommen.
Die Rolle der Forschung
Die Körper der getöteten Dscheladas wurden nicht einfach entsorgt. Sie werden der Forschung zur Verfügung gestellt. Dies ermöglicht es Wissenschaftlern, wichtige Erkenntnisse über die Biologie, Gesundheit und Krankheiten dieser Primatenart zu gewinnen. Solche Studien können helfen, die Haltung und den Schutz von Dscheladas in Zoos und in freier Wildbahn zu verbessern.
Diese wissenschaftliche Nutzung ist ein kleiner Trostpunkt in einer schwierigen Situation. Sie zeigt, dass der Zoo auch in solchen Fällen versucht, einen Beitrag zur Wissenschaft und zum Artenschutz zu leisten.
Kritik und Diskussion
Die Tötung gesunder Tiere, selbst unter solchen Umständen, führt regelmässig zu Diskussionen und Kritik. Tierschutzorganisationen und die Öffentlichkeit stellen die Frage nach der ethischen Vertretbarkeit solcher Entscheidungen. Der Zoo Zürich betont, dass dies eine Ultima Ratio war, nachdem alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft waren.
Die Debatte um das Management von Tierbeständen in Zoos ist komplex. Sie berührt Fragen des Artenschutzes, des Tierwohls und der Verantwortung von Zoologischen Gärten. Viele Zoos stehen vor ähnlichen Herausforderungen, wenn Zuchterfolge zu Überpopulationen führen und keine passenden Abnehmer gefunden werden können.
Fazit und Ausblick
Der Vorfall im Zoo Zürich verdeutlicht die Herausforderungen der modernen Tierhaltung in Zoologischen Gärten. Zwischen dem Wunsch, bedrohte Arten zu erhalten und den Tieren eine artgerechte Umgebung zu bieten, müssen schwierige Entscheidungen getroffen werden. Die Tötung der Dscheladas ist ein trauriges Beispiel dafür, wie komplex diese Balance sein kann.
Der Zoo wird die Entwicklung der verbleibenden Dschelada-Gruppe weiterhin genau beobachten. Es bleibt zu hoffen, dass die getroffene Massnahme tatsächlich zu einer Stabilisierung und Verbesserung des Wohlergehens der Tiere im Semien-Gebirge führt.





