Der Zoo Zürich hat einen entscheidenden Erfolg im Artenschutz erzielt: Das Team der Forschungsstation konnte den vom Aussterben bedrohten Orangeaugen-Laubfrosch erfolgreich nachzüchten. Dies ist ein wichtiger Schritt zum Aufbau einer Reservepopulation für diese in Costa Rica beheimatete Amphibienart, deren Bestand in freier Wildbahn dramatisch schrumpft.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Zoo Zürich etabliert eine Reservepopulation des Orangeaugen-Laubfroschs.
- Die Zucht gelang dank der Simulation von Trocken- und Regenzeiten in der Forschungsstation.
- Anfang des Projekts war ein Konfiskat von Laich und Kaulquappen am Flughafen Zürich.
- Zehn weitere europäische Zoos zeigen bereits Interesse an der Weitergabe des Wissens.
- Der natürliche Lebensraum des Frosches in Costa Rica ist stark bedroht durch Umweltverschmutzung und den Chytridpilz.
Ein Konfiskat als Startpunkt für den Artenschutz
Die Anfänge dieses ambitionierten Projekts liegen in einem unerwarteten Fund: Vor einigen Monaten wurden am Flughafen Zürich dutzende Kaulquappen und Froschlaich des Orangeaugen-Laubfrosches als Konfiskat entdeckt. Eine Rückführung in den natürlichen Lebensraum war ausgeschlossen. Das Team der Forschungsstation im Zoo Zürich erkannte sofort die Chance und nahm sich der Tiere an.
Aus diesem Konfiskat konnten die Expertinnen und Experten dreissig Frösche aufziehen. Dies war der erste, grundlegende Schritt. Die eigentliche Herausforderung bestand jedoch darin, diese Tiere zur Fortpflanzung zu bewegen, um eine stabile Reservepopulation aufzubauen.
Faktencheck: Der Orangeaugen-Laubfrosch
- Wissenschaftlicher Name: Agalychnis annae
- Heimat: Feuchte Tieflandregenwälder Costa Ricas
- Gefährdungsstatus: Stark bedroht (IUCN Red List)
- Besonderheit: Auffällige orangefarbene Augen
Intensive Forschung und Simulationen
Da kaum Tiere dieser Art in europäischen Zoos existierten, war das Team auf sich gestellt. Eine umfassende Literaturrecherche und der Austausch mit wenigen Froschspezialisten weltweit waren notwendig. Der Mangel an Informationen über die Zucht und Haltung des Orangeaugen-Laubfrosches zeigte die Dringlichkeit des Projekts.
Zoodirektor Severin Dressen betonte die Bedeutung:
„Wir hatten plötzlich dreissig Frösche einer bedrohten Art in unserer Obhut, deren Situation in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet alles andere als positiv ist. Zugleich existiert keine Reservepopulation, obwohl es diese unbedingt geben sollte.“
Die Forschungsstation bietet optimale Bedingungen für solche Projekte. Mit präziser Technik konnten die Tierpflegerinnen und Tierpfleger eine Trocken- und anschliessend eine Regenzeit simulieren. Diese natürlichen Zyklen sind entscheidend für die Fortpflanzung vieler Amphibienarten.
Erster Zuchterfolg und die Zukunft
Die harte Arbeit zahlte sich aus: Am dritten Tag der simulierten Regenzeit beobachtete das Team die erste Laichablage. Viele weitere folgten. Rund 60 Eier klebten als Klumpen unter einem Blatt – ein sichtbares Zeichen des Erfolgs.
Alle Schritte, die zu diesem Durchbruch führten, wurden akribisch dokumentiert. In Zusammenarbeit mit der Organisation Citizen Conservation entstehen nun die ersten Richtlinien für den Aufbau und Erhalt einer Reservepopulation des Orangeaugen-Laubfrosches. Dieses Wissen soll nicht nur intern genutzt, sondern auch mit anderen Institutionen geteilt werden. Bereits zehn weitere Zoos in Europa haben ihr Interesse an den Nachzuchten und dem gesammelten Fachwissen bekundet.
Hintergrund: Bedrohung in Costa Rica
Der Orangeaugen-Laubfrosch ist in den feuchten Tieflandregenwäldern Costa Ricas beheimatet. Dort ist die Art jedoch weitgehend verschwunden. Restpopulationen finden sich oft in städtischen Gebieten oder auf Kaffeeplantagen, wo sie durch menschliche Aktivitäten wie Umweltverschmutzung und die Zerstörung von Laichplätzen stark gefährdet sind. Eine der grössten Bedrohungen ist der Chytridpilz, ein weltweit gefährlicher Erreger für Amphibien.
Die Rolle der Forschungsstation im Zoo Zürich
Die Forschungsstation im Zoo Zürich spielt eine zentrale Rolle im modernen Artenschutz. Sie bietet Einblicke in die wissenschaftliche Arbeit eines Zoos und ermöglicht die Erforschung optimaler Zucht- und Haltungsbedingungen für bedrohte Arten. Der Aufbau und Erhalt von Reservepopulationen ausserhalb des natürlichen Lebensraums ist essenziell, um das Überleben dieser Arten zu sichern.
Der Erfolg mit dem Orangeaugen-Laubfrosch ist nur ein Beispiel. Ähnliche Erfolge konnten bereits bei neun weiteren Arten erzielt werden, darunter der Vincente-Baumsteiger, der Buckelkärpfling und die Türkisblaue Riesenstabschrecke.
Die Forschungsstation arbeitet mit maximaler Transparenz. Simulationen der Regenzeit, Eiablagen, der Schlupf und die Metamorphose zum Frosch werden öffentlich gezeigt. Besucher können die Fortschritte live miterleben. Dies fördert nicht nur das Verständnis für die wissenschaftliche Arbeit, sondern auch das Bewusstsein für die Bedeutung des Artenschutzes.
Wissen generieren, Abläufe optimieren und Reservepopulationen etablieren sind die Säulen dieser Arbeit. Zusammen mit Naturschutz und Bildung bilden Forschung und Artenschutz die vier Hauptaufgaben eines modernen Zoos. Der Orangeaugen-Laubfrosch im Zoo Zürich ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie diese Aufgaben erfolgreich ineinandergreifen können.
Ziele der Forschungsstation
- Erforschung von Zucht- und Haltungsbedingungen
- Aufbau und Erhalt von Reservepopulationen
- Generierung und Verbreitung von Wissen
- Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Artenschutz





