Der Zoo Zürich feiert einen aussergewöhnlichen Bruterfolg bei seinen Königspinguinen. Sechs Küken wurden in der letzten Brutsaison erfolgreich aufgezogen, eine Zahl, die in europäischen Zoos selten erreicht wird. Dieser Erfolg ist das Ergebnis einer Kombination aus artgerechter Haltung und dem professionellen Einsatz des Tierpflegeteams.
Wichtige Erkenntnisse
- Sechs Königspinguin-Küken im Zoo Zürich in einer Saison.
- Trotz Baulärm und Forschungsprojekt fühlen sich die Tiere wohl.
- Das Tierpflegeteam schafft optimale Bedingungen durch gezieltes Stressmanagement.
- Alle Bruten sind Naturbruten, Handaufzuchten werden vermieden.
Ein seltener Anblick in der Pinguinkolonie
Besucher des Zoo Zürich können derzeit ein besonderes Schauspiel beobachten: Zwischen den erwachsenen Königspinguinen tummeln sich sechs flauschige, braune Küken. Diese Anzahl ist bemerkenswert. Normalerweise ziehen Zoos pro Brutsaison ein bis zwei Jungtiere erfolgreich auf. Der Erfolg des Zürcher Zoos hat bereits Anfragen von anderen europäischen Zoos hervorgerufen, die sich für die dahinterstehenden Methoden interessieren.
Der Lebensraum der Pinguine im Zoo Zürich ist nicht der modernste. Dennoch zeigen die Tiere eine hohe Anpassungsfähigkeit. Königspinguine gelten als sensible Tiere, die auf Störungen reagieren können. Doch selbst die Bauarbeiten für die neue Pantanal-Voliere direkt nebenan, verbunden mit Lärm, konnten den Bruterfolg nicht beeinträchtigen.
Faktencheck
- 6 Küken: Rekordanzahl für den Zoo Zürich in einer Brutsaison.
- Sensible Tiere: Königspinguine reagieren empfindlich auf Störungen.
- Baustellenlärm: Trotz Bauarbeiten neben dem Gehege blieben die Pinguine unbeeindruckt.
Das Geheimnis des Erfolgs: Kompetente Tiere und professionelle Pflege
Was steckt also hinter diesem ungewöhnlichen Erfolg? Das Tierpflegeteam des Zoos Zürich ist überzeugt, dass die Pinguine selbst eine entscheidende Rolle spielen. Sie sind «kompetent», wie es heisst. Das bedeutet, die Tiere fühlen sich so wohl und sicher, dass sie sich durch äussere Einflüsse kaum stören lassen. Dies gilt selbst für ein aktuelles Forschungsprojekt, bei dem den Tieren Blut abgenommen wird.
Die unermüdliche Arbeit des Tierpflegeteams ist dabei unerlässlich. Ihre Aufgabe geht weit über die grundlegende Versorgung hinaus. Sie passen ständig kleine Details im Alltag der Tiere an, um optimale Bedingungen zu gewährleisten. Dies beinhaltet auch die gezielte Erzeugung von Eustress, einem positiven, kurzfristigen Stress, der dem natürlichen Verhalten der Tiere in freier Wildbahn ähnelt.
«Es ist den Pinguinen einfach total egal, was um sie herum läuft, sie fühlen sich sehr wohl. Trotz Baulärm. Trotz laufender Studie. Trotz einem in die Jahre gekommenen Lebensraum.»
Eustress versus Disstress: Ein wichtiger Unterschied
Eustress ist das Gegenteil von Disstress, dem schädlichen, dauerhaften Stress. Kurze, vorübergehende Stressmomente, wie sie auch in der Natur vorkommen, wirken sich positiv auf das Tierwohl aus. Ein Beispiel hierfür ist das offene Stehenlassen der Tür zur Pinguinanlage, wenn in der Fischküche gearbeitet wird. Die Pinguine hören Geräusche und können in die Küche schauen.
Dabei stehen sie nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Dies vermittelt den Tieren: «Hier läuft etwas, aber es ist nicht schlimm, es muss mich nicht stressen.» Es simuliert Situationen wie das Vorbeifliegen einer Möwe oder einen kurzen Schneesturm in freier Wildbahn. Solche Momente tragen dazu bei, dass die Pinguine entspannt bleiben und sich auf ihr natürliches Verhalten konzentrieren können.
Hintergrundinformationen
Königspinguine (Aptenodytes patagonicus) sind nach den Kaiserpinguinen die zweitgrösste Pinguinart. Sie leben in subantarktischen Regionen und ernähren sich hauptsächlich von Fischen und Tintenfischen. Ihre Brutzeit ist lang und anspruchsvoll, was den Erfolg im Zoo Zürich noch bemerkenswerter macht.
Natürliche Sozialstrukturen und Brutverhalten
Die Pinguine im Zoo Zürich leben in ihren natürlichen Sozialstrukturen. Sie suchen sich ihre Partner selbst und jede Brut ist eine Naturbrut. Es gibt keine Handaufzuchten. Dieser Ansatz fördert die Eigenständigkeit der Tiere und stärkt ihre Bindungen innerhalb der Kolonie. Dadurch können sie sich voll und ganz auf ihre natürlichen Instinkte konzentrieren: Balz, Fortpflanzung und das Aufziehen der Jungen.
Dieser Erfolg mit sechs Küken ist somit kein Zufall, sondern das Ergebnis einer durchdachten und leidenschaftlichen Tierhaltung. Es zeigt, wie wichtig es ist, die Bedürfnisse der Tiere genau zu verstehen und eine Umgebung zu schaffen, die ihnen trotz menschlicher Nähe ein möglichst natürliches Leben ermöglicht. Der Zoo Zürich beweist, dass auch unter herausfordernden Bedingungen, wie Baulärm, eine erfolgreiche Arterhaltung möglich ist.
Blick in die Zukunft
Der Zoo Zürich wird seine erfolgreichen Methoden weiterführen und sein Wissen mit anderen Zoos teilen. Dies trägt dazu bei, die Arterhaltung von Königspinguinen weltweit zu unterstützen. Die sechs jungen Pinguine sind ein lebendiger Beweis für die hohe Qualität der Tierpflege und das Engagement des gesamten Teams.
- Erfolgreiche Naturbruten im Zoo Zürich.
- Keine Handaufzuchten bei den Königspinguinen.
- Fokus auf natürliche Verhaltensweisen und Sozialstrukturen.





