Der Büroartikelhändler Office World gibt sein Filialgeschäft in der Schweiz vollständig auf. Bis zum Frühling 2027 werden alle verbleibenden zehn Standorte geschlossen. Das Unternehmen konzentriert sich künftig ausschliesslich auf den Online-Handel. Von der strategischen Neuausrichtung sind 45 Vollzeitstellen betroffen.
Das Wichtigste in Kürze
- Kompletter Rückzug: Alle zehn verbleibenden Office World-Filialen in der Schweiz schliessen bis April 2027.
- Stellenabbau: 45 Vollzeitstellen werden im Zuge der Schliessungen gestrichen.
- Strategiewechsel: Das Unternehmen setzt zukünftig vollständig auf den Online-Handel mit einem Sortiment von rund 60'000 Artikeln.
- Hintergrund: Die Entscheidung folgt auf die bereits Anfang des Jahres geschlossenen Filialen in Winterthur, Bern und Sursee.
Ein Ende für den stationären Handel
Die Entscheidung markiert einen Wendepunkt für den 1991 gegründeten Bürobedarfsanbieter. Nachdem bereits Anfang des Jahres die Standorte in Winterthur, der Berner Altstadt und Sursee geschlossen wurden, folgt nun der vollständige Rückzug aus dem stationären Handel. Die verbleibenden zehn Filialen werden schrittweise über die nächsten Jahre aufgegeben.
Der Grund für diesen drastischen Schritt liegt im veränderten Einkaufsverhalten der Kunden und der zunehmenden Konkurrenz durch den Online-Handel. Wer heute Büromaterial wie Druckerpatronen, Stifte oder Tastaturen benötigt, bestellt diese meist direkt im Internet.
"Das Verhältnis zwischen Einnahmen und Kosten stimmt im Ladengeschäft langfristig nicht mehr", erklärt Dominik Engeler, Leiter des Filialgeschäfts bei Office World, in einer Mitteilung.
Das Unternehmen reagiert damit auf eine Entwicklung, die den gesamten Detailhandel seit Jahren unter Druck setzt. Die Zukunft von Office World liegt nun vollständig im digitalen Raum, wo über eine Plattform rund 60'000 verschiedene Büroartikel angeboten werden sollen.
Schrittweise Schliessungen und die Folgen für Mitarbeiter
Die Schliessung der Filialen wird nicht auf einen Schlag erfolgen, sondern gestaffelt bis ins Frühjahr 2027. Dieser Prozess betrifft Standorte in der ganzen Schweiz, von St. Gallen über Basel und Luzern bis nach Lausanne und Genf. Besonders betroffen ist die Region Zürich, wo die Filialen im Glattzentrum, in Regensdorf und in Zürich-Altstetten ihre Türen schliessen werden.
Für die Belegschaft ist dies eine bittere Nachricht. Insgesamt sind 45 Vollzeitstellen von dem Stellenabbau betroffen. Office World hat jedoch zugesichert, die betroffenen Mitarbeitenden frühzeitig zu informieren und sie bei der Suche nach einer neuen Anstellung zu unterstützen.
Ein Blick in die Geschichte
Office World wurde 1991 gegründet und 1997 von der Migros übernommen. Zwei Jahrzehnte lang war das Unternehmen eine Tochtergesellschaft des "orangen Riesen", bevor es 2017 an die österreichische MTH Retail Group verkauft wurde. Die MTH Retail Group betreibt in Österreich und Deutschland über 770 Filialen im Papeterie- und Schreibwarenbereich und übernahm damals alle Mitarbeitenden und Verkaufsstellen.
Geplanter Zeitplan der Schliessungen
Die Schliessungen sind über einen längeren Zeitraum geplant, um einen geordneten Rückzug zu gewährleisten. Ein genauer Überblick über die letzten Schliessungen:
- Oktober 2026: Filiale im Glattzentrum, Wallisellen ZH
- Kurz danach: Standorte in Regensdorf und Zürich-Altstetten
- Im Laufe von 2026/2027: Filialen in St. Gallen, Pratteln BL, Basel, Luzern, Lausanne und Steinhausen ZG
- April 2027: Die letzte Filiale schliesst in Genf
Was geschieht mit den prominenten Ladenflächen?
Viele der Office World-Filialen befinden sich an attraktiven und stark frequentierten Lagen. Die Nachfolgenutzung dieser Flächen dürfte daher auf grosses Interesse stossen. Ein prominentes Beispiel ist der Standort im Glattzentrum in Wallisellen, einem der grössten Einkaufszentren der Schweiz.
Ladenfläche im Glattzentrum zu vermieten
Die 840 Quadratmeter grosse Fläche im Untergeschoss des Glattzentrums ist bereits zur Miete ausgeschrieben. Ab dem 1. November 2026 ist sie verfügbar. Der Mietpreis beträgt 630 Franken pro Quadratmeter und Jahr. Laut Inserat wird ein "Fachmarktformat mit einem starken Brand" gesucht, idealerweise aus den Bereichen Sport, Freizeit, Wohnen, Lebensmittel oder Mobilität.
Rageth Clavadetscher, der Geschäftsführer des Glattzentrums, erklärte gegenüber dem "Zürcher Unterländer", dass man mit der öffentlichen Ausschreibung "den Horizont erweitern" wolle, um zu sehen, welche Möglichkeiten der Markt bietet. Normalerweise werden solche Top-Lagen unter der Hand vergeben, da es im Glattzentrum eine Warteliste für potenzielle Mieter gibt.
Die Schliessung der Office World-Filialen ist ein weiteres Zeichen für den tiefgreifenden Wandel im Schweizer Detailhandel. Während für die Mitarbeitenden eine unsichere Zeit anbricht, eröffnet der Rückzug des Unternehmens neue Chancen für andere Marken, die von den frei werdenden Premium-Ladenflächen profitieren können.





