Nach einem deutlichen Rückgang der Besucherzahlen im vergangenen Jahr vollzieht das Openair Frauenfeld eine strategische Kehrtwende. Die Organisatoren setzen für die kommende Ausgabe wieder ausschliesslich auf Hip-Hop und Rap, um das Vertrauen der langjährigen Fangemeinde zurückzugewinnen. Dieser Schritt ist eine direkte Reaktion auf das negative Echo nach dem Versuch, das musikalische Spektrum des Festivals zu erweitern.
Die Besucherzahl sank von 160'000 im Vorjahr auf nur noch 102'000, nachdem Pop-Acts wie Justin Timberlake angekündigt wurden. Nun soll das Programm wieder konsequent auf die Wünsche der Kernzielgruppe ausgerichtet werden, wie die Veranstalter bestätigten.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Openair Frauenfeld wird 2026 wieder ein reines Hip-Hop-Festival.
- Die Besucherzahlen sanken 2025 um fast 37 % auf 102'000.
- Die Veranstalter reagieren damit auf starkes negatives Feedback aus der Community.
- Das Festival wird von vier auf drei Tage verkürzt, und Tageskarten sind nur noch für den Samstag erhältlich.
Ein fehlgeschlagenes Experiment
Das Jahr 2025 sollte für das Openair Frauenfeld eine Neuausrichtung markieren. Mit der Ankündigung von internationalen Pop-Grössen wie Justin Timberlake versuchten die Organisatoren, ein breiteres Publikum anzusprechen. Doch der Plan ging nicht auf. Die treue Hip-Hop-Community, die das Festival über Jahre zum grössten seiner Art in Europa gemacht hat, reagierte mit Unverständnis und Kritik.
Die negativen Kommentare in den sozialen Medien häuften sich und wirkten sich direkt auf den Ticketverkauf aus. René Götz, CEO der veranstaltenden First Event AG, räumte ein, dass die Strategie nicht wie erhofft funktioniert habe.
«Der Plan, das musikalische Spektrum zu erweitern, hat nicht wie gewünscht funktioniert. Negative Kommentare auf Social Media hätten damals den Ticketverkauf gebremst.»
Die Konsequenzen waren deutlich spürbar. Während das Festival im Vorjahr noch 160'000 Musikfans auf die Grosse Allmend lockte, waren es 2025 nur noch 102'000. Dieser massive Einbruch von fast 58'000 Besuchern war ein klares Signal, das die Veranstalter nicht ignorieren konnten.
Die Timberlake-Kontroverse
Besonders die Verpflichtung von Justin Timberlake sorgte für Diskussionen. Viele Fans sahen darin einen Verrat an den Wurzeln des Festivals. Obwohl der Popstar seinen Auftritt kurzfristig absagte und durch den US-Rapper A$AP Rocky ersetzt wurde, war der Imageschaden bereits angerichtet. Die Episode zeigte, wie sensibel die Community auf Veränderungen reagiert, die den Markenkern des Festivals berühren.
Zurück zu den Wurzeln: Die Strategie für 2026
Die Organisatoren haben die Botschaft der Fans verstanden und leiten nun einen Kurswechsel ein. Für die Ausgabe 2026 lautet die Devise: «Back to the Roots». Das Line-up soll wieder ausschliesslich aus Acts der Hip-Hop- und Rap-Szene bestehen.
Was ist das Openair Frauenfeld?
Das Openair Frauenfeld ist das grösste Musikfestival der Schweiz und gilt als das grösste Hip-Hop-Festival Europas. Es findet jährlich auf der Grossen Allmend in Frauenfeld statt und zieht zehntausende Besucher aus der ganzen Welt an. Seit seiner Gründung hat es sich als feste Grösse in der internationalen Festivalszene etabliert.
René Götz betonte, dass das Feedback der Community bei der Programmgestaltung für das kommende Jahr eine zentrale Rolle spiele. «Rap-Fans werden dieses Jahr definitiv auf ihre Kosten kommen», versprach er. Man wolle gezielt auch das jüngere Publikum ansprechen, das sich im letzten Jahr möglicherweise vernachlässigt gefühlt habe.
Erste Ankündigungen und positive Reaktionen
Ein erster Schritt, um das Vertrauen zurückzugewinnen, ist die Art der Programmankündigung. In Form eines Adventskalenders werden im Dezember nach und nach die Namen der auftretenden Künstler bekannt gegeben. Den Anfang machte der deutsche Rapper OG Keemo, eine in der Szene hoch angesehene Figur.
Die Reaktionen auf diese erste Ankündigung fielen überwiegend positiv aus. In den sozialen Netzwerken äusserten sich viele Nutzer hoffnungsvoll. Kommentare wie «Wenn es so weitergeht, kann es nur gut werden» oder «Hoffentlich geht es mit einem Banger weiter» zeigen, dass die Fans bereit sind, dem Festival eine neue Chance zu geben.
Besucherzahlen im Vergleich
- 2024: 160'000 Besucher
- 2025: 102'000 Besucher
- Rückgang: -36.25 %
Dieser drastische Rückgang war der Auslöser für die strategische Neuausrichtung des Festivals.
Organisatorische Änderungen für das Festivalerlebnis
Neben der musikalischen Neuausrichtung gibt es auch strukturelle Anpassungen. Das Festival wird künftig nur noch drei statt vier Tage dauern. Damit kehrt man zu einem früheren, bewährten Format zurück.
Auch das Ticketsystem wird überarbeitet. Der Fokus liegt wieder klar auf dem Gesamterlebnis über mehrere Tage. 3-Tages-Pässe werden zum Standard. Wer nur für einen Tag kommen möchte, hat dazu nur noch am Samstag die Möglichkeit. Eine Ausnahme gilt für VIP-Besucher, die weiterhin Tagestickets für Donnerstag und Freitag erwerben können.
«Unser Fokus liegt auf dem vollen Festivalerlebnis über mehrere Tage», erklärte Götz. Mit diesen Massnahmen wollen die Veranstalter die Atmosphäre stärken und sicherstellen, dass die Besucher vollständig in die Kultur des Festivals eintauchen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Neuausrichtung des Openair Frauenfeld ist ein mutiger Schritt, der zeigt, dass die Organisatoren bereit sind, aus Fehlern zu lernen. Die Konzentration auf die eigene Kernkompetenz – Hip-Hop – ist eine klare Ansage an die treue Fangemeinde. Es ist ein Versprechen, die Identität, die das Festival gross gemacht hat, wieder in den Mittelpunkt zu rücken.
Die kommenden Wochen werden zeigen, welche weiteren Künstler für das Line-up 2026 bestätigt werden. Die positive Resonanz auf den ersten Act lässt jedoch hoffen, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Die Veranstalter zeigen sich zuversichtlich: «Wir sind zuversichtlich, dass wir wieder auf Kurs sind – und stärker als zuvor zurückkehren.» Die Hip-Hop-Community wird genau beobachten, ob dieses Versprechen eingelöst wird.





