Der Textilmaschinenhersteller Rieter steht in Winterthur vor entscheidenden Veränderungen. Das Unternehmen, einst eine Ikone der Schweizer Industrie, sieht sich mit einer Verlagerung des Fokus nach Asien und zunehmenden Personalmassnahmen konfrontiert. Am 5. November 2025 versammeln sich Vertreter der Personalverbände und Gewerkschaften in Winterthur, um die jüngsten Entwicklungen zu besprechen. Es wird mit schwerwiegenden Entscheidungen gerechnet, die den Standort Winterthur und seine Mitarbeitenden betreffen.
Wichtigste Erkenntnisse
- Rieter verlagert seinen Fokus zunehmend nach Asien.
- Es gibt laufend Entlassungen und Kurzarbeit bis zu 100 Prozent.
- Sozialpartner treffen sich am 5. November 2025 zu Krisengesprächen.
- Der Standort Winterthur steht vor einer unsicheren Zukunft.
- Die Situation spiegelt den Niedergang Europas als Werkplatz wider.
Verlagerung nach Asien prägt Rieters Strategie
Rieter, ein traditionsreicher Name in der Textilmaschinenindustrie, richtet seine strategische Ausrichtung neu aus. Ein wesentlicher Teil dieser Neuausrichtung ist die verstärkte Konzentration auf den asiatischen Markt. Diese Verlagerung hat direkte Konsequenzen für den Standort in Winterthur, der historisch das Herzstück des Unternehmens bildete.
Die Gründe für diesen strategischen Schritt sind vielfältig. Experten weisen auf die wachsende Nachfrage und die geringeren Produktionskosten in asiatischen Ländern hin. Dies stellt europäische Standorte vor enorme Herausforderungen, die mit höheren Lohnkosten und strengeren Umweltauflagen konfrontiert sind.
Faktencheck
- Gründungsjahr Rieter: 1795
- Kernprodukt: Maschinen für die Garnherstellung
- Aktuelle Herausforderung: Wettbewerbsfähigkeit in Hochlohnländern
Kurzarbeit und Entlassungen am Standort Winterthur
Die Auswirkungen der Neuausrichtung sind in Winterthur bereits spürbar. Das Unternehmen hat in den letzten Monaten wiederholt Kurzarbeit angeordnet. Diese Massnahmen reichen in einigen Bereichen bis zu 100 Prozent. Dies bedeutet, dass Mitarbeitende teilweise gar nicht mehr arbeiten, aber weiterhin angestellt sind, um Kündigungen zu vermeiden.
Neben der Kurzarbeit kommt es auch zu laufenden Entlassungen. Die genauen Zahlen sind nicht öffentlich bekannt, aber die Stimmung unter den Beschäftigten ist angespannt. Viele befürchten weitere Jobverluste, da die wirtschaftliche Lage angespannt bleibt und der Druck auf das Unternehmen wächst, Kosten zu senken.
„Die Unsicherheit unter den Mitarbeitenden ist gross. Viele fragen sich, wie lange sie ihren Arbeitsplatz noch behalten werden können. Es ist eine sehr schwierige Zeit für die Belegschaft.“
Krisentreffen mit Sozialpartnern am 5. November 2025
Die angespannte Situation hat die Sozialpartner auf den Plan gerufen. Am 5. November 2025 treffen sich Vertreter von Angestellte Schweiz, dem Kaufmännischen Verband sowie den Gewerkschaften Syna und Unia mit der Rieter-Führung in Winterthur. Solche Treffen sind oft ein Signal für bevorstehende, tiefgreifende Entscheidungen.
Die Erwartungen an dieses Treffen sind düster. Die Sozialpartner rechnen mit dem Schlimmsten: einer Massenentlassung. Sie werden sich dafür einsetzen, die Auswirkungen für die betroffenen Mitarbeitenden so gering wie möglich zu halten und angemessene Sozialpläne auszuhandeln.
Hintergrund: Sozialpartner in der Schweiz
In der Schweiz spielen Sozialpartner (Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften) eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen. Sie verhandeln Gesamtarbeitsverträge und treten bei Krisen wie Restrukturierungen oder Massenentlassungen in den Dialog mit den Unternehmen, um faire Lösungen für die Arbeitnehmenden zu finden.
Winterthur als Mahnmal für Europas Werkplatz
Die Situation bei Rieter in Winterthur ist mehr als nur ein Einzelfall. Sie steht symbolisch für den Niedergang von Europa als traditioneller Werkplatz. Viele Industrieunternehmen in Hochlohnländern sehen sich gezwungen, ihre Produktion in kostengünstigere Regionen zu verlagern, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.
Diese Entwicklung hat weitreichende Folgen für die betroffenen Regionen. Sie führt zu Arbeitsplatzverlusten, dem Verlust von Fachwissen und einer Schwächung der lokalen Wirtschaft. Die Politik und die Wirtschaft in Europa suchen nach Wegen, diesem Trend entgegenzuwirken, etwa durch Investitionen in Innovation und hochspezialisierte Nischen.
Die Zukunft der Schweizer Industrie
Die Schweiz hat traditionell eine starke Industrie. Unternehmen wie Rieter waren über Generationen hinweg wichtige Arbeitgeber. Die aktuellen Entwicklungen zeigen jedoch, dass auch die Schweizer Industrie vor grossen Umbrüchen steht. Die Herausforderung besteht darin, neue Geschäftsmodelle und innovative Technologien zu entwickeln, die es ermöglichen, trotz hoher Kosten in der Schweiz zu produzieren.
Dies erfordert Investitionen in Forschung und Entwicklung, eine hervorragende Ausbildung von Fachkräften und eine flexible Anpassung an globale Märkte. Nur so kann der Werkplatz Schweiz auch in Zukunft seine Stärke behaupten.
Bedeutung für die Region Winterthur
Für die Stadt Winterthur und die umliegende Region hat die Entwicklung bei Rieter eine besondere Bedeutung. Rieter ist nicht nur ein grosser Arbeitgeber, sondern auch ein Teil der industriellen Identität Winterthurs. Ein Abbau von Arbeitsplätzen oder gar eine Schliessung des Standorts hätte weitreichende soziale und wirtschaftliche Folgen.
Die Stadtverwaltung und lokale Wirtschaftsverbände beobachten die Situation genau. Sie prüfen mögliche Massnahmen zur Unterstützung der Betroffenen und zur Stärkung anderer Wirtschaftszweige in der Region, um die Abhängigkeit von einzelnen grossen Arbeitgebern zu reduzieren. Es geht darum, neue Perspektiven für die Fachkräfte und die lokale Wirtschaft zu schaffen.





