Das Dampfzentrum Winterthur steht vor einer umfassenden Neuausrichtung. Ziel ist es, mit einem frischen Konzept und neuen Ausstellungen ein breiteres Publikum anzusprechen. Besonders Kinder und Schulklassen sollen zukünftig verstärkt für die Geschichte der Industrialisierung begeistert werden. Rolf Kuratle, der neue Stiftungspräsident, möchte das Museum aus seiner bisherigen Nische führen und als festen Bestandteil der Winterthurer Museumslandschaft etablieren.
Wichtige Punkte
- Das Dampfzentrum plant regelmässige Wechselausstellungen.
- Fokus liegt auf der Hochindustrialisierung (1850-1920).
- Ein neues Konzept soll jüngeres Publikum und Familien ansprechen.
- Bastelworkshops für Kinder, wie der Bau von 'Turbinli', sind vorgesehen.
- Das Zentrum sucht neue Einnahmequellen durch Firmensponsoren.
Neues Konzept für mehr Besucher
Nach schwierigen Jahren ohne nachhaltige Finanzierung und mangelndem Nachwuchs setzt das Dampfzentrum Winterthur auf einen Neustart. Rolf Kuratle, seit wenigen Monaten Stiftungspräsident, bringt eine neue Perspektive ein. Er betont die kulturelle Bedeutung der Exponate und die Notwendigkeit, diese besser zu präsentieren.
Kuratle strebt an, das Image des Museums zu modernisieren. Er möchte die Attraktivität für Besucher erhöhen, die nicht primär an historischen Maschinen interessiert sind. Eine zentrale Strategie hierfür sind regelmässige Wechselausstellungen, die einen dynamischen Einblick in die Epoche der Industrialisierung bieten sollen.
Faktencheck
- Die Drei-Zylinder-Dampfmaschine von Sulzer, ein Hauptausstellungsstück, wiegt bis zu 50 Tonnen.
- Sie wurde 1889 auf der Weltausstellung in Paris präsentiert.
- Die geplante Epoche der Wechselausstellungen umfasst die Jahre 1850 bis 1920.
Fokus auf die Hochindustrialisierung
Die geplanten Wechselausstellungen konzentrieren sich auf die Hochindustrialisierung zwischen 1850 und 1920. Kuratle bezeichnet diese Zeit als extrem dynamisch und prägend für unsere heutige Welt. Technologien wie die Eisenbahn, das moderne Bankensystem und die Urbanisierung nahmen in dieser Ära ihren Anfang. Jede Ausstellung soll dabei einen Bezug zur Geschichte Winterthurs herstellen.
"Das war eine extrem dynamische Zeit. Bahnbrechende Technologien haben Entwicklungen angestossen, die unseren Alltag bis heute prägen", so Rolf Kuratle.
Diese thematische Breite soll sicherstellen, dass die Ausstellungen für ein breiteres Publikum relevant sind. Es geht darum, die historischen Maschinen in einen grösseren gesellschaftlichen und technischen Kontext zu stellen. Dies verhindert, dass das Museum als statisch wahrgenommen wird.
Attraktivität für Kinder und Familien steigern
Ein wesentlicher Bestandteil der neuen Strategie ist die Ansprache von Kindern und Schulklassen. Winterthur ist eine Familienstadt, und das Dampfzentrum möchte diesem Umstand gerecht werden. Bisher zog das Museum hauptsächlich ältere Besucher an, die sich für Nostalgie interessieren.
Eine konkrete Idee, um jüngere Generationen zu begeistern, sind interaktive Workshops. Kinder sollen die Möglichkeit erhalten, vor Ort selbst "Turbinli" zu bauen. Ein solches "Turbinli" besteht aus einfachen Materialien wie einer Aludose, einem Holzsockel, Metallstäben und einem Teelicht. Trotz seiner geringen Grösse und des geringen Gewichts von "kaum einem Kilo" ist es funktionstüchtig.
Hintergrundinformationen
Das Dampfzentrum Winterthur beherbergt bedeutende Industriedenkmäler, darunter riesige Dampfmaschinen der Firma Sulzer. Diese Maschinen sind Zeugen einer Epoche, in der Winterthur ein Zentrum der Schweizer Maschinenindustrie war. Die Halle 181 auf dem Lagerplatz bietet den historischen Exponaten eine passende Kulisse.
Finanzielle Stabilität durch neue Partnerschaften
Die finanziellen Herausforderungen der Vergangenheit sollen durch verstärktes Networking und die Gewinnung von Firmensponsoren gemeistert werden. Ein Subventionsvertrag mit der Stadt Winterthur kam in der Vergangenheit nicht zustande, was den Zugang zu weiteren öffentlichen Geldern von Bund und Kanton erschwerte.
Rolf Kuratle sieht in der Zusammenarbeit mit Unternehmen eine wichtige Einnahmequelle. Er ist überzeugt, dass die kulturellen Schätze des Dampfzentrums für Sponsoren attraktiv sind. Die Wiedereröffnungsfeier, zu der 50 Personen aus Politik, Wirtschaft und Kultur eingeladen sind, dient auch der Intensivierung dieser Kontakte.
- Netzwerken mit Politik und Wirtschaft.
- Gewinnung von Firmensponsoren als neue Einnahmequelle.
- Erschliessung von Mitteln, die bisher fehlten.
Das Dampfmaschinenfest als Höhepunkt
Ein traditioneller Höhepunkt im Jahreskalender des Dampfzentrums ist das Dampfmaschinenfest. Dieses Fest findet eine Woche nach der offiziellen Wiedereröffnung statt und bietet der Öffentlichkeit die Gelegenheit, die über hundertjährigen Maschinen in Aktion zu erleben. Es richtet sich an Jung und Alt und ist ein wichtiger Anlass, um die Faszination der Dampftechnik direkt zu vermitteln.
Das Dampfmaschinenfest findet am Samstag, 18. Oktober, von 10 bis 17 Uhr statt. Es ist eine Gelegenheit für Familien und Technikbegeisterte, die Geschichte hautnah zu erleben. Solche Veranstaltungen sind entscheidend für die neue Strategie, das Zentrum nach aussen hin zu öffnen und mehr Menschen anzuziehen.
Die ehrenamtlichen Mitglieder des Dampfvereins spielen eine Schlüsselrolle bei der Instandhaltung und Präsentation der Maschinen. Ihr Engagement ist entscheidend für den Betrieb und die Vorbereitung auf die Wiedereröffnung. Ohne ihren Einsatz wäre die Pflege der "Kulturschätze" nicht möglich.
Die Neuausrichtung des Dampfzentrums ist ein wichtiger Schritt, um die Industriegeschichte Winterthurs lebendig zu halten und für zukünftige Generationen zugänglich zu machen. Mit neuen Ideen und einem Fokus auf Interaktion und Bildung soll das Museum wieder fest in der Kulturlandschaft verankert werden.





