Nach einem unerwarteten Produktionsstopp Ende November läuft die Zuckerfabrik in Frauenfeld seit Anfang Januar wieder auf Hochtouren. Ein Defekt am Kalkofen hatte die Verarbeitung von Zuckerrüben für Wochen lahmgelegt. Nun sichert eine innovative Übergangslösung die weitere Zuckerherstellung, während ein neuer Ofen für die nächste Kampagne vorbereitet wird.
Wichtige Punkte
- Produktionsstopp in Frauenfeld wegen Kalkofen-Defekts Ende November.
- Wiederaufnahme der Produktion Anfang Januar durch externe Zufuhr von Brandkalk und CO2.
- Defekter Ofen wird nicht repariert, ein neuer Ofen für Herbst 2024 ist geplant.
- Rübenberge an Feldrändern werden garantiert verarbeitet, Qualität wird vor Ort geprüft.
- Entschädigungsmodell für Landwirte in Arbeit.
Ein unerwarteter Stillstand
Die Schweizer Zucker AG in Frauenfeld sah sich Ende November mit einer grossen Herausforderung konfrontiert. Ein Defekt am Kalkofen führte zu einem abrupten Stopp der Zuckerproduktion mitten in der Kampagne. Die Folgen waren weitreichend: Zahlreiche Zuckerrübenberge blieben an den Feldrändern liegen, da sie nicht wie geplant verarbeitet werden konnten.
Raphael Wild, Leiter Kommunikation der Schweizer Zucker AG, erklärte die Ursache des Problems. Das Innere des Ofens ist mit Schamottsteinen ausgekleidet. Diese Steine verschoben sich aus unbekannten Gründen. Dadurch entstanden Spalten, durch die das darunterliegende Metall der extremen Hitze von rund 1200 Grad Celsius ausgesetzt war und schmolz. Aus Sicherheitsgründen musste der Brennofen umgehend abgeschaltet werden.
Fakten zum Kalkofen
- Der Kalkofen verbrennt täglich etwa 200 Tonnen Kalksteine.
- Die entstehende Kalkmilch reinigt den zuckerhaltigen Rohsaft.
- Sie filtert unerwünschte Nichtzuckerstoffe aus dem Saft.
Innovative Übergangslösung ermöglicht Neustart
Nach Wochen des Stillstands konnte die Produktion in Frauenfeld Anfang Januar wieder aufgenommen werden. Dies gelang dank einer innovativen Übergangslösung, die Raphael Wild als europaweit einzigartig bezeichnete. Statt den defekten Ofen sofort zu reparieren, werden die vom Ofen produzierten Stoffe – Brandkalk und CO2 – nun extern zugeführt.
Diese Massnahme gewährleistet, dass der zuckerhaltige Rohsaft weiterhin gereinigt werden kann. Die sogenannte Kalkmilch, die unerlässlich für die Zuckerherstellung ist, wird nun auf diese Weise bereitgestellt. Die Fabrik erreicht mit dieser Übergangslösung eine Verarbeitungsmenge von 200 Tonnen Rüben pro Stunde, was den Erwartungen entspricht.
„Wir haben die Produktion wieder aufgenommen, indem wir die Stoffe, die der Ofen produziert, extern einführen, das sind Brandkalk und CO2“, so Raphael Wild, Leiter Kommunikation der Schweizer Zucker AG.
Die Rolle des Kalkofens
Der Kalkofen spielt eine zentrale Rolle im Reinigungsprozess des Zuckersafts. Nach dem Entzug des Zuckers aus den Rüben muss der Rohsaft von Nichtzuckerstoffen befreit werden. Hierfür wird Kalkmilch verwendet, die durch das Verbrennen von Kalksteinen und das Mischen mit Dünnsaft entsteht. Ohne diese Reinigung wäre die Herstellung von reinem Kristallzucker nicht möglich.
Herausforderungen für die Rübenlagerung
Trotz der Wiederaufnahme der Produktion bleiben die grossen Mengen an Zuckerrüben an den Feldrändern eine Herausforderung. Die Rüben werden garantiert noch verarbeitet, doch ihre Haltbarkeit ist stark wetterabhängig. Kalte Temperaturen sind vorteilhaft, da sie den Veratmungsprozess von Kristallzucker zu Glukose und Fruktose verlangsamen. Dieser Prozess kann durch mikrobiologischen Befall wie Pilze oder Bakterien verstärkt werden.
Warme Temperaturen, wie sie in den Wochen nach dem Defekt teilweise herrschten, können dazu führen, dass Rübenberge zu gären beginnen. Dies ist oft schon frühzeitig am Geruch erkennbar. Bevor die Rüben verarbeitet werden, werden alle angelieferten Mengen vor Ort beprobt. „Ob die Rüben noch gut sind oder gären, können wir vorweg nicht entscheiden. Alle Rüben werden angeliefert und vor Ort beprobt“, betonte Wild.
Qualitätssicherung bei der Anlieferung
Fallen die Proben zu schlecht aus, können die Rüben nicht mehr zu Zucker weiterverarbeitet werden. In solchen Fällen finden sie beispielsweise in Biogasanlagen eine Verwertung. Die Schweizer Zucker AG versichert jedoch, dass alle Rüben angeliefert und die Landwirte entsprechend vergütet werden. „Es werden garantiert alle Rüben angeliefert. Es bleiben keine Zuckerrüben auf den Feldern zurück, die Landwirte werden sicher vergütet“, so Wild.
Ein spezielles Entschädigungsmodell für die Landwirte ist bereits in Arbeit. Die Details dazu werden zu gegebener Zeit bekannt gegeben. Dies soll die finanziellen Einbussen der Bauern durch die längere Lagerung und mögliche Qualitätseinbussen abfedern.
Blick in die Zukunft: Ein neuer Ofen für 2024
Der defekte Kalkofen wurde nicht repariert, sondern innerhalb eines Monats vollständig zurückgebaut. Für die kommende Kampagne im Herbst dieses Jahres ist bereits ein neuer Ofen geplant. Dieser soll dann wieder voll einsatzbereit sein und die eigenständige Produktion von Brandkalk und CO2 sicherstellen.
Die Produktion in Frauenfeld wird voraussichtlich noch bis Ende Februar fortgesetzt. Die Übergangslösung im Werk Frauenfeld funktioniert gut und hat die erwartete Leistung von 200 Tonnen pro Stunde erreicht. Bleibt die Qualität der Rüben konstant, könnte die wöchentlich verarbeitbare Menge sogar noch erhöht werden, wie die Schweizer Zucker AG in ihrem Wochenbericht vom 15. Januar mitteilte.
Diese Entwicklung zeigt die Anpassungsfähigkeit der Schweizer Zuckerindustrie an unerwartete technische Probleme und die Bemühungen, die Versorgungssicherheit und die Wertschöpfung für die Landwirte zu gewährleisten.





