Zürich kämpft mit einem paradoxen Immobilienproblem: Während Dutzende luxuriöse Mietwohnungen in Top-Lagen wie Oerlikon leer stehen, bleibt bezahlbarer Wohnraum für Normalverdienende weiterhin äusserst rar. Diese Entwicklung führt zu einer leichten Entspannung im Hochpreissegment, hat aber kaum Auswirkungen auf die durchschnittlichen Mieten in der Stadt.
Wichtige Erkenntnisse
- Am Bahnhof Oerlikon stehen viele Luxuswohnungen leer.
- Die Mieten im Hochpreissektor sind um bis zu 20 Prozent gesunken.
- Bezahlbare Wohnungen in Zürich bleiben weiterhin Mangelware.
- Experten sehen eine Fehlentwicklung im Bau von Luxusimmobilien.
Leerstand bei Luxusimmobilien in Oerlikon
Im Zürcher Stadtteil Oerlikon, einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt, offenbart sich ein bemerkenswerter Trend. Im ehemaligen Swissôtel, das nun als 'Oerlikon One' bekannt ist, stehen 20 der insgesamt 124 Wohnungen leer. Diese Zahl hat sich in den letzten sechs Monaten nicht verändert. Eine 3.5-Zimmer-Wohnung im 25. Stock mit beeindruckender Aussicht kann monatlich bis zu 7200 Franken kosten. Offenbar sind diese Preise selbst für den Zürcher Markt zu hoch, um schnell Mieter zu finden.
Auch auf der anderen Seite des Bahnhofs Oerlikon ist die Situation ähnlich. Dort sind seit November 2023 40 von 61 neu gebauten Wohneinheiten unbewohnt. Die Preise für 3.5-Zimmer-Wohnungen variieren hier von 2740 Franken bis zu 4950 Franken. Dieser Leerstand zeigt, dass selbst in beliebten Lagen nicht jede hochpreisige Wohnung sofort Abnehmer findet.
Fakten zum Zürcher Wohnungsmarkt
- 20 Wohnungen stehen in 'Oerlikon One' leer.
- 40 von 61 neuen Wohneinheiten am Bahnhof Oerlikon sind unbewohnt.
- Mieten im Hochpreissektor sind um bis zu 20 Prozent gesunken.
- Die durchschnittlichen Mieten im Kanton Zürich sanken in sechs Monaten um ein Prozent.
Sinkende Mieten im Hochpreissegment
Das Immobilien-Beratungsunternehmen Wüest und Partner hat festgestellt, dass die Mieten im Kanton Zürich insgesamt leicht gesunken sind. In den letzten sechs Monaten betrug dieser Rückgang rund ein Prozent. Dieser Effekt ist jedoch fast ausschliesslich auf das Luxussegment zurückzuführen.
Immobilien-Ökonom Donato Scognamiglio hat berechnet, dass die Mieten im Hochpreissektor sogar um bis zu 20 Prozent gesunken sind. Er bezog dabei Wohnungen ein, deren Miete, umgerechnet auf 100 Quadratmeter, mindestens 5500 Franken pro Monat beträgt. Diese Entwicklung deutet auf eine Übersättigung in diesem spezifischen Marktsegment hin.
"Das ist, als ob auf dem Golfplatz der Kaviar etwas günstiger geworden wäre."
Scognamiglio verdeutlicht mit diesem Vergleich, dass die Preissenkungen im Luxusbereich keine Entlastung für Normalverdienende bedeuten. Der breite Wohnungsmarkt für bezahlbare Wohnungen bleibt unverändert angespannt.
Fehlinvestitionen und Bedarfslücken
Ein Vertreter der Maklerfirma Engel und Völkers erklärt, dass der Verkauf teurer Immobilien heute deutlich länger dauert. Besonders schwer vermittelbar seien Luxuswohnungen an Orten, wo Gutverdienende nicht unbedingt wohnen möchten. Dies könnte genau das Problem der Edel-Mietwohnungen am wenig mondänen Bahnhof Oerlikon sein. Der Makler spricht von einer "Vorbeibauung am Bedarf".
Trotz dieser Schwierigkeiten im Luxussegment betonen Experten, dass attraktive Wohnungen in wirklich erstklassigen Lagen nach wie vor schnell vermietet oder verkauft werden. Es scheint eine klare Diskrepanz zwischen dem Angebot an sehr teuren Wohnungen und der tatsächlichen Nachfrage nach diesen spezifischen Objekten zu geben.
Hintergrund: Zürcher Wohnungsmarkt
Der Zürcher Wohnungsmarkt gilt seit Jahren als einer der schwierigsten in der Schweiz. Eine hohe Nachfrage trifft auf ein begrenztes Angebot, was zu konstant hohen Mieten führt. Besonders betroffen sind Personen mit mittleren Einkommen, die weder in der Lage sind, Luxusmieten zu zahlen, noch die hohen Eigenkapitalanforderungen für den Kauf einer Immobilie erfüllen können. Die aktuelle Entwicklung im Luxussegment ändert an dieser grundlegenden Knappheit nichts.
Keine Entlastung für den breiten Markt
Die sinkenden Mieten im Luxussegment haben praktisch keinen Einfluss auf die durchschnittlichen Mieten in Zürich. Bezahlbare Wohnungen bleiben weiterhin Mangelware. Für Normalverdienende ändert sich auf dem Zürcher Wohnungsmarkt nichts Wesentliches. Die Suche nach einer geeigneten Wohnung bleibt ein Geduldsspiel und oft eine Frage des Glücks.
Während die Preise auf dem Eigenheim-Markt weiterhin stark steigen und das notwendige Eigenkapital immer schwieriger aufzubringen ist, wird über Alternativen wie den Mietkauf diskutiert. Diese Modelle sollen eine Brücke zum klassischen Immobilienkauf schlagen, sind aber noch keine weit verbreitete Lösung für die breite Bevölkerung.
Die Stadt Zürich steht vor der Herausforderung, den Bau von Wohnraum besser auf die Bedürfnisse der Bevölkerung abzustimmen. Eine Fokussierung auf bezahlbaren Wohnraum könnte die angespannte Situation für viele Zürcherinnen und Zürcher entspannen und dem Leerstand im Luxussegment entgegenwirken.





