In der Kläranlage Furt in Bülach existierte jahrelang ein geheimer Wellness-Bereich. Dieser umfasste eine Sauna, eine Mehrpersonen-Badewanne, eine Dusche und Fitnessgeräte. Die Anlage wurde mindestens seit dem Jahr 2000 genutzt und erst 2021 durch einen neuen Abteilungsleiter stillgelegt. Die Betriebskosten trugen indirekt die Steuerzahlenden und angeschlossenen Gemeinden.
Wichtige Erkenntnisse
- Geheimer Wellness-Bereich in Bülach seit 2000 in Betrieb.
- Anlage umfasste Sauna, Badewanne, Dusche und Fitnessgeräte.
- Betriebskosten wurden von Steuerzahlenden getragen.
- Stilllegung erfolgte erst 2021 durch neuen Abteilungsleiter.
- Politische Kritik an Stadtpräsident und Stadträtin wegen mangelnder Transparenz.
Jahrelange Nutzung und späte Aufdeckung
Die Existenz des Wellness-Bereichs kam durch einen Bericht der Geschäftsprüfungskommission ans Licht. Die genaue Nutzung der Anlage lässt sich heute nicht mehr vollständig klären, da kaum Unterlagen vorhanden sind. Es ist jedoch gesichert, dass die Einrichtungen über zwei Jahrzehnte hinweg aktiv waren.
Der Betrieb dieser Freizeiteinrichtung innerhalb einer öffentlichen Kläranlage wirft Fragen zur Aufsicht und zum Umgang mit öffentlichen Mitteln auf. Die Kosten für Strom und Wartung des Bereichs wurden aus dem Budget der Kläranlage bezahlt, was bedeutet, dass die Bürgerinnen und Bürger von Bülach und den umliegenden Gemeinden die Ausgaben trugen.
Faktencheck
- Die Anlage existierte mindestens 21 Jahre lang.
- Die Stilllegung erfolgte 2021.
- Es gab keine klaren Aufzeichnungen über die Nutzer.
Politische Reaktionen und Konsequenzen
Die Veröffentlichung des Berichts kurz vor den Wahlen sorgte für politische Brisanz. Stadträtin Andrea Spycher (SVP) und Stadtpräsident Mark Eberli (EVP) gerieten in die Kritik, weil die Öffentlichkeit nicht früher über die Angelegenheit informiert wurde. Beide räumten Fehler in der Kommunikation ein.
Stadträtin Andrea Spycher erklärte: «Ich habe die Tragweite unterschätzt. Rückblickend war die fehlende Transparenz ein Fehler.»
Auch Stadtpräsident Mark Eberli bezeichnete die Situation als «unrühmliche Geschichte» und bestätigte, dass mehr Offenheit angebracht gewesen wäre. Die Stadtverwaltung hat bereits Massnahmen angekündigt. Dazu gehört die Erarbeitung neuer Verhaltensregeln für städtische Angestellte. Dies soll sicherstellen, dass solche Vorfälle in Zukunft vermieden werden.
Transparenz als Lehre
Die Stadt Bülach steht nun vor der Aufgabe, das Vertrauen der Bevölkerung wiederherzustellen. Die angekündigten Massnahmen sollen nicht nur die internen Abläufe verbessern, sondern auch die Transparenz gegenüber den Steuerzahlenden erhöhen. Es bleibt abzuwarten, wie schnell und effektiv diese neuen Regeln umgesetzt werden.
Ähnliche Fälle in anderen Schweizer Städten
Der Fall in Bülach ist kein Einzelfall. Auch in anderen Schweizer Städten gab es in der Vergangenheit ähnliche Vorkommnisse, bei denen öffentliche Räumlichkeiten zweckentfremdet wurden. Diese Fälle zeigen ein wiederkehrendes Muster mangelnder Kontrolle und unzureichender Aufsicht in städtischen Betrieben.
Historische Parallelen
Erinnerungen werden wach an die Affäre bei Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) vor einigen Jahren. Dort hatte ein ehemaliger Direktor auf dem Gelände eines stillgelegten Klärwerks eine Art Parallelwelt aufgebaut. Diese umfasste einen Swimmingpool für Mitarbeitende in einem ehemaligen Klärbecken, einen Kleinzoo mit Emus und sogar ein Oldtimer-Museum mit alten Abfallwagen.
Die ERZ-Affäre hatte weitreichende Konsequenzen. Der Direktor wurde 2017 fristlos entlassen und später wegen mehrfacher ungetreuer Amtsführung und ungetreuer Geschäftsbesorgung verurteilt. Solche Fälle belasten nicht nur die Gemeindekassen, sondern auch das Ansehen der öffentlichen Verwaltung.
Das «Liebesnest» in Basel
Ein weiterer bemerkenswerter Fall ereignete sich in Basel. Dort hatte ein Teamleiter im Erziehungsdepartement einen Pausenraum zu einem privaten «Liebesnest» umfunktioniert. Er richtete den Raum mit einem französischen Bett, einer Polstergruppe und einer Stereoanlage ein. Zusammen mit einer Aushilfe, mit der er eine Affäre hatte, verbrachte er dort private Zeit und übernachtete auch vor Ort.
Dieser Vorfall wurde 2018 von der kantonalen Ombudsstelle publik gemacht. Der Teamleiter wurde fristlos entlassen, nachdem die Verantwortlichen die Vorfälle als schwerwiegend eingestuft hatten. Die Aushilfe liess sich bis zum Ende ihres befristeten Einsatzes krankschreiben.
Lehren für die Zukunft
Die Fälle in Bülach, Zürich und Basel unterstreichen die Notwendigkeit strengerer Kontrollen und einer Kultur der Transparenz in der öffentlichen Verwaltung. Es ist entscheidend, dass städtische Betriebe nicht nur ihre Kernaufgaben erfüllen, sondern auch mit den ihnen anvertrauten Ressourcen verantwortungsvoll umgehen.
Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu wissen, wie ihre Steuergelder verwendet werden. Die Kommunen müssen Mechanismen schaffen, die eine frühzeitige Erkennung und Behebung von Missständen ermöglichen. Neue Verhaltensregeln und eine stärkere interne Aufsicht sind wichtige Schritte in die richtige Richtung.
Die Ereignisse in Bülach dienen als Mahnung. Sie zeigen, wie wichtig es ist, dass die Verwaltung proaktiv und offen mit der Bevölkerung kommuniziert, besonders wenn es um die Nutzung öffentlicher Infrastruktur und Finanzen geht. Nur so kann das Vertrauen in die lokalen Behörden langfristig erhalten bleiben.





