Die Fotostiftung Schweiz in Winterthur steht vor einer weitreichenden strategischen Neuausrichtung. Ab Frühjahr 2026 übernimmt ein vierköpfiges Führungsteam die operative Leitung, während der bisherige Direktor Lars Willumeit die Institution nach der Realisierung der Andri-Pol-Ausstellung auf eigenen Wunsch verlässt. Diese Veränderungen läuten eine neue Ära für die 1971 gegründete Stiftung ein, mit einem verstärkten Fokus auf Sammlungsarbeit, Digitalisierung und dezentrale Ausstellungen.
Wichtige Punkte
- Die Fotostiftung Schweiz erhält ab Frühjahr 2026 ein neues, vierköpfiges Führungsteam.
- Der bisherige Direktor Lars Willumeit scheidet nach der Andri-Pol-Ausstellung aus.
- Die Neuausrichtung konzentriert sich auf Sammlungsarbeit und Digitalisierung.
- Ab 2027 sollen Ausstellungen vermehrt ausserhalb der eigenen Räumlichkeiten stattfinden.
- Die Stiftung verwahrt rund 160 Archive bedeutender Schweizer Fotografen.
Neues Führungsteam übernimmt Verantwortung
Das neue Führungsteam der Fotostiftung Schweiz setzt sich aus erfahrenen Mitarbeiterinnen zusammen, die bereits seit Langem in der Institution tätig sind. Diese interne Lösung soll Kontinuität gewährleisten und gleichzeitig frische Impulse setzen. Die vier Frauen bringen spezifische Expertisen mit, die für die zukünftige Ausrichtung der Stiftung entscheidend sind.
Kerstin Camenisch übernimmt die Administration, während Madleina Deplazes für die Bereiche Archive und Sammlungen zuständig sein wird. Teresa Gruber verantwortet künftig Ausstellungen und Vertiefung. Die Digitalisierung und Bildnutzung liegt in den Händen von Katharina Rippstein. Dieses Quartett folgt auf Lars Willumeit, der die Stiftung seit Mitte 2024 geleitet hatte.
Faktencheck
- Gründungsjahr der Fotostiftung Schweiz: 1971
- Anzahl der verwahrten Archive: Rund 160
- Zeitpunkt der Amtsübernahme des neuen Teams: Frühjahr 2026
Strategische Neuausrichtung mit klaren Zielen
Die Stiftung hat eine klare Vision für die Zukunft entwickelt. Ein zentraler Punkt der Neuausrichtung ist die Stärkung der Sammlungsarbeit. Die Fotostiftung Schweiz bewahrt im Auftrag des Bundes in Winterthur eine beeindruckende Anzahl von Archiven bedeutender Schweizer Fotografinnen und Fotografen. Diese Bestände sollen künftig noch intensiver erforscht, gepflegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung. In einer zunehmend digitalen Welt ist es essenziell, Fotografien und Archive digital zu erfassen und online verfügbar zu machen. Dies ermöglicht einen breiteren Zugang zu den Schätzen der Stiftung und erleichtert die Forschung für ein internationales Publikum. Die Digitalisierung ist ein langfristiges Projekt, das jedoch bereits im kommenden Jahr deutliche Fortschritte zeigen soll.
„Die Neuausrichtung ermöglicht es uns, unsere Kernaufgaben im Bereich der Bewahrung und Vermittlung der Schweizer Fotografie noch gezielter und zukunftsorientierter wahrzunehmen.“
Ausstellungen künftig auch ausserhalb Winterthurs
Ein bemerkenswerter Aspekt der strategischen Veränderungen ist die geplante Verlagerung von Ausstellungen ab dem Jahr 2027. Die Fotostiftung plant, ihre Ausstellungen vermehrt ausserhalb der eigenen Räumlichkeiten zu realisieren. Dieser Schritt zielt darauf ab, ein breiteres Publikum zu erreichen und die Schweizer Fotografie an verschiedenen Orten erlebbar zu machen.
Diese Dezentralisierung könnte neue Kooperationen mit anderen Museen und Kulturinstitutionen in der Schweiz und möglicherweise auch international ermöglichen. Dadurch wird die Reichweite der Stiftung erheblich erweitert und die Sichtbarkeit der Schweizer Fotokunst gesteigert. Es ist eine strategische Entscheidung, die die Fotostiftung in den kommenden Jahren stärker in den Fokus der nationalen und internationalen Kunstszene rücken könnte.
Hintergrund der Fotostiftung Schweiz
Die Fotostiftung Schweiz ist eine der führenden Institutionen für das Medium Fotografie in der Schweiz. Sie wurde 1971 gegründet und hat ihren Sitz in Winterthur. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, das fotografische Erbe des Landes zu sammeln, zu bewahren, zu erforschen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dies geschieht durch Ausstellungen, Publikationen und die Bereitstellung ihrer Archivbestände für Forschung und Lehre. Die Stiftung spielt eine entscheidende Rolle bei der Dokumentation und Vermittlung der Schweizer Fotogeschichte.
Geplante Ausstellungen für 2026
Trotz der bevorstehenden Veränderungen im Führungsteam und der strategischen Neuausrichtung sind für das Jahr 2026 bereits zwei spannende Ausstellungen geplant, die das breite Spektrum der Fotostiftung zeigen. Diese Ausstellungen bieten einen Einblick in die Vielfalt und Tiefe der Schweizer Fotografie und unterstreichen die Bedeutung der Stiftung als Bewahrerin kulturellen Erbes.
- «Frauen. Fragen. Fotoarchive.»: Diese Ausstellung startet am 28. Februar 2026 und verspricht eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle von Frauen in der Fotografie und den Geschichten, die in den Archiven verborgen liegen. Sie beleuchtet weibliche Perspektiven und Beiträge, die oft übersehen wurden.
- «Andri Pol – Poliversum»: Vom 27. Juni bis 6. Dezember 2026 wird die Ausstellung «Andri Pol – Poliversum» zu sehen sein. Diese Schau widmet sich dem Werk des renommierten Fotografen Andri Pol und bietet einen umfassenden Einblick in sein vielseitiges Schaffen. Es ist diese Ausstellung, deren Realisierung der scheidende Direktor Lars Willumeit noch begleiten wird.
Die Ausstellungen im Jahr 2026 dienen als Brücke zwischen der bisherigen Ausrichtung und der zukünftigen strategischen Positionierung der Fotostiftung Schweiz. Sie zeigen das Engagement der Institution, sowohl etablierte als auch neue Perspektiven der Fotografie zu präsentieren und das Publikum aktiv einzubeziehen.
Bedeutung für Winterthur und die Kulturlandschaft
Die Fotostiftung Schweiz ist ein wichtiger Pfeiler der Kulturlandschaft in Winterthur und darüber hinaus. Die Neuausrichtung hat das Potenzial, die Relevanz der Institution weiter zu steigern und ihre Rolle als Kompetenzzentrum für Fotografie zu festigen. Durch die verstärkte Konzentration auf Digitalisierung und die Ausweitung der Ausstellungsorte wird die Stiftung nicht nur lokal, sondern auch national und international sichtbarer.
Für Winterthur bedeutet dies eine Stärkung des kulturellen Angebots und eine Positionierung als wichtiger Standort für Kunst und Kultur. Die Stadt profitiert von der Präsenz einer Institution, die sich der Bewahrung und Vermittlung eines so wichtigen Mediums wie der Fotografie widmet. Die geplanten Veränderungen sind ein Zeichen für die Anpassungsfähigkeit und den Innovationswillen der Fotostiftung, um auch in Zukunft relevant zu bleiben.
Das neue Führungsteam steht vor der Aufgabe, diese strategischen Ziele umzusetzen und die Fotostiftung Schweiz erfolgreich in die nächste Phase ihrer Entwicklung zu führen. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich die neuen Schwerpunkte auf das Programm und die Wahrnehmung der Institution auswirken werden.





