Die Primarschule Pünt in Uster steht im Mittelpunkt einer Kontroverse. In den letzten zwei Jahren kündigten 22 Mitarbeitende, während interne Spannungen und ein ungewöhnlicher Polizeieinsatz für Aufsehen sorgen. Die Situation hat auch die lokale Politik auf den Plan gerufen, die eine Erklärung von der Schulleitung fordert.
Wichtige Punkte
- 22 Lehrpersonen und Angestellte verliessen die Schule Pünt in zwei Jahren.
- Ein Personalgespräch im November 2023 fand unter Polizeischutz statt.
- Politiker kritisieren die hohe Fluktuation und das Vorgehen der Schulverwaltung.
- Die Schulleitung weist die Vorwürfe zurück und spricht von üblichen Verfahren.
- Zwei Rekursverfahren sind noch hängig, Kosten belaufen sich auf rund 37'000 Franken.
Hohe Personalfluktuation an der Primarschule Pünt
Die Schule Pünt in Uster verzeichnet eine aussergewöhnlich hohe Personalfluktuation. Innerhalb von nur zwei Jahren haben 22 Lehrpersonen und Angestellte die Schule verlassen oder wurden krankgeschrieben. Diese Zahlen sind bemerkenswert und werfen Fragen zur Arbeitsatmosphäre und Führung in der Bildungseinrichtung auf.
Die Abgänge umfassen sowohl freiwillige Kündigungen als auch unfreiwillige Trennungen. Kritiker sprechen von einem alarmierenden Trend, der nicht ignoriert werden kann. Die hohe Zahl der Wechsel deutet auf tiefgreifende Probleme im Schulbetrieb hin.
Faktencheck: Personalabgänge
- Anzahl Abgänge: 22 Mitarbeitende
- Zeitraum: Zwei Jahre
- Betroffen: Lehrpersonen und weitere Angestellte
Umstrittener Polizeieinsatz bei Personalgespräch
Ein Vorfall im November 2023 sorgte besonders für Empörung. Bei einem Personalgespräch mit einer Mitarbeiterin wurden zwei zivile, aber bewaffnete Polizisten hinzugezogen. Sie standen vor der halb offenen Tür des Gesprächszimmers. Die betroffene Mitarbeiterin wusste nichts von der Anwesenheit der Polizei.
Guido Schär, Leiter der Schulverwaltung, hatte die Mitarbeiterin vorgeladen und verwarnt. Die Notwendigkeit eines Polizeischutzes bei einem solchen Gespräch wird von vielen Seiten hinterfragt. Zudem soll der Einsatz nie offiziell rapportiert worden sein, was weitere Fragen zur Transparenz aufwirft.
"Die Antworten zeugen von Überheblichkeit und fehlender Selbstkritik. Solche Einsätze sind bei unbescholtenen Personen missbräuchliche Machtdemonstrationen." – Paul Stopper, BPU-Politiker.
Politische Reaktionen und Vorwürfe
Fünf Gemeinderäte haben in einer Anfrage an die Schulleitung die Vorkommnisse kritisiert. Sie bemängeln die "eklatanten" Abgänge und das Verhalten des Leiters der Schulverwaltung. Die Politiker äusserten den Verdacht, dass der Leiter der Schulverwaltung "öfters" ohne Befugnis personalrechtlich interveniert hat.
Es wird berichtet, dass er Haus-, Rede- und/oder Kontaktverbote erteilte und Lehrpersonen abmahnte. Dies geschah teilweise unter Androhung personeller Konsequenzen. Zudem soll er angeordnet haben, dass jegliche Kommunikation nur noch über ihn und nicht über die Schulleitung erfolgen dürfe. Die Politiker sehen darin den Versuch, "die Fäden willkürlich in seinen Händen halten zu wollen".
Hintergrund: Kritikpunkte der Politik
Die politische Anfrage konzentrierte sich auf mehrere Punkte:
- Hohe Personalfluktuation.
- Polizeieinsatz bei Personalgespräch.
- Angeblich selbstherrliches Vorgehen des Leiters der Schulverwaltung.
- Fehlende Unterstützung für hilfesuchende Lehrpersonen durch Schulleitung und Primarschulpflege.
Schulleitung weist Vorwürfe zurück
Der Ustermer Stadtrat und die Primarschulpflege weisen die in der politischen Anfrage erhobenen Vorwürfe vehement zurück. Sie bezeichnen die Aussagen als "pauschalisierend" und teilweise rufschädigend. Eine Vermischung von subjektiven Einschätzungen und überprüfbaren Sachverhalten wird beklagt.
Die Schulleitung argumentiert, dass die Mehrheit der Lehrerschaft hinter ihr stehe. Die Personalfluktuation werde auf Faktoren wie Wohnortwechsel, befristete Verträge und fehlende Diplome zurückgeführt. Diese Erklärungen sollen die hohe Zahl der Abgänge relativieren.
Verteidigung des Polizeieinsatzes
Schulpflegepräsidentin Patricia Bernet und Gesamtschulleiter Markus Zollinger verteidigen den Polizeieinsatz. Sie erklären, die Polizei sei beigezogen worden, um "alle Anwesenden bei einer allfälligen Eskalation während oder nach dem Gespräch schützen zu können". Dies sei ein übliches Vorgehen in allen Abteilungen der Stadt, auch wenn es glücklicherweise selten vorkomme.
Diese Begründung stösst jedoch auf Widerstand im Gemeinderat. Paul Stopper kritisiert die Bezeichnung des Einsatzes als "üblich" scharf. Er sieht darin eine "missbräuchliche Machtdemonstration" gegenüber unbescholtenen Personen.
Kosten und hängige Rekursverfahren
Die Primarschulpflege bestätigt, dass es "zu herausfordernden Personalsituationen" gekommen ist. Aktuell sind zwei Rekursverfahren aus den Jahren 2024 und 2025 noch hängig. Diese Verfahren sind oft mit rechtlichen Kosten verbunden.
Die fachliche und juristische Unterstützung und Begleitung in diesen Fällen hat laut Schulpflegepräsidentin Patricia Bernet bisher rund 37'000 Franken gekostet. Diese Summe zeigt den administrativen und finanziellen Aufwand, der mit den internen Konflikten verbunden ist.
Kostenübersicht
- Anzahl Rekursverfahren: 2
- Kosten für Unterstützung: ca. 37'000 CHF
- Zeitraum der Verfahren: 2024 und 2025
Kritik an der Antwort der Schulleitung
Die Antworten der Schulleitung auf die politische Anfrage stossen im Gemeinderat auf weitere Kritik. BPU-Politiker Paul Stopper bemängelt, die Antworten zeugten von "Überheblichkeit und fehlender Selbstkritik". Diese Einschätzung deutet darauf hin, dass die politischen Akteure mit den Erklärungen der Schulleitung nicht zufrieden sind.
Die Diskussion um die Schule Pünt bleibt somit ein wichtiges Thema in Uster. Die Forderung nach Transparenz und einer umfassenden Aufarbeitung der Vorkommnisse wird lauter. Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Schritte die politischen Gremien unternehmen, um die Situation an der Schule zu klären und zu verbessern.





