In Winterthur steht ein bedeutendes Umweltprojekt bevor: Der Mattenbach zwischen den Stadtteilen Seen und Waldegg wird renaturiert. Dieses Vorhaben, das auch den Hochwasserschutz verbessert und eine neue Veloroute integriert, soll ab dem Jahr 2030 umgesetzt werden. Ein Entwurf von Studio Céline Baumann hat sich in einem Wettbewerb durchgesetzt und verspricht eine umfassende Aufwertung des gesamten Gewässergebiets.
Wichtige Punkte
- Der Mattenbach wird zwischen Seen und Waldegg renaturiert.
- Ein Wettbewerbsentwurf von Studio Céline Baumann namens «Entre terre et eau» wurde ausgewählt.
- Das Projekt kombiniert Hochwasserschutz mit der Schaffung neuer Lebensräume.
- Eine neue Veloroute wird integriert, der Fokus liegt auf dem Langsamverkehr.
- Der Baubeginn ist für 2030 vorgesehen.
Renaturierung als Antwort auf Stadtentwicklung
Historisch wurden Flüsse und Bäche oft kanalisiert oder unter die Erde verlegt, um städtischen Bauprojekten Platz zu machen. Heute hat sich diese Sichtweise grundlegend geändert. Stadtplaner legen vermehrt Wert auf die ökologische Wiederherstellung und den Schutz vor Hochwasser. Der Mattenbach ist ein Paradebeispiel für diesen Wandel.
Das Gewässer, das aktuell in einem engen Korsett verläuft, erhält in Zukunft deutlich mehr Raum. Es wird in eine natürliche, mäandrierende Form gebracht. Diese Massnahme ist entscheidend für die Schaffung neuer Lebensräume entlang des Bachs und trägt gleichzeitig zum effektiven Hochwasserschutz bei.
Faktencheck Mattenbach
- Länge des Renaturierungsabschnitts: Zwischen Seen und Waldegg.
- Projektname: «Entre terre et eau».
- Federführung: Studio Céline Baumann (Landschaftsarchitektur).
- Weitere beteiligte Fachbereiche: Wasserbau, Verkehrsplanung, Ökologie, Sozialraum.
Die Herausforderung der Veloroute
Bereits im Jahr 2022 plante die Stadt Winterthur eine neue Veloroute durch das Gebiet des Mattenbachs. Dieses Vorhaben stieß jedoch auf Widerstand bei den Anwohnenden. Sie befürchteten Lärm, den Verlust alter Baumbestände und eine Beeinträchtigung der Ruhe auf den bestehenden Spazierwegen durch schnell fahrende E-Bikes.
Der Stadtrat reagierte auf die zahlreichen Einsprachen und schrieb einen Wettbewerb aus. Ziel war es, sowohl die Revitalisierung des Mattenbachs im Rahmen des Hochwasserschutzes als auch die Planung der Veloroute harmonisch zu lösen. Der prämierte Entwurf bietet hierfür eine innovative Lösung.
«Der Entwurf reagiert individuell auf das Umfeld, schafft unterschiedliche Lebensräume und Atmosphären und verbindet sie über den Weg am Wasser zu einem Ganzen.»
Auszug aus dem Jurybericht
Ein neues Konzept für Langsamverkehr
Zukünftig spazieren die Menschen auf einem Kiesweg dort, wo heute noch der Bach fliesst. Der Mattenbach selbst wird etwas abseits des Weges mehr Platz erhalten und seine natürliche Form wieder annehmen. Der bestehende «Uferwald» bleibt dabei fast vollständig erhalten, und der Gewässerraum wird erheblich erweitert.
Die Jury lobte besonders die ökologischen Vorteile dieses Konzepts. Die neuen Lebensräume am Südufer sind vor Störungen geschützt. Obwohl die einseitige Wegeführung verkehrstechnisch anspruchsvoll ist, überwiegen die Vorteile für die Natur und die Erholungssuchenden. Der Fokus am Bachweg liegt klar auf dem Langsamverkehr.
Hintergrund: Historische Flusskorrekturen
Im 19. und 20. Jahrhundert wurden viele Flüsse und Bäche begradigt, kanalisiert und oft unterirdisch verlegt. Dies sollte die landwirtschaftliche Nutzung optimieren, Siedlungsraum schaffen und den Bau von Infrastruktur erleichtern. Die negativen Folgen für die Ökologie und den Hochwasserschutz wurden oft ignoriert. Heute sind Renaturierungsprojekte ein wichtiger Bestandteil moderner Stadtplanung.
Ein zweiter Bach profitiert
Der Entwurf bringt noch eine weitere positive Veränderung mit sich: Der Steglitobelbach, der momentan unterirdisch verläuft, wird an die Oberfläche geholt. Er wird parallel zum Mattenbach fliessen und schliesslich in ihn münden. Obwohl dieser Abschnitt ausserhalb des ursprünglichen Planungsperimeters liegt, verspricht sich die Jury einen erheblichen Qualitätsgewinn für das gesamte Ökosystem.
Das Konzept wird als kreativ und konsistent beschrieben. Es gliedert den Bereich in fünf Abschnitte, die jeweils individuell auf ihre Umgebung reagieren und unterschiedliche Atmosphären schaffen. An Schlüsselstellen sind zudem Aufenthaltsorte von besonderer Qualität geplant, die zum Verweilen einladen.
Verkehrslösung für E-Bikes und schnelle Radfahrer
Die Hauptroute für schnelle Radfahrer und E-Bikes wird künftig über die nahe Waldeggstrasse verlaufen. Diese Strasse verbindet das Quartier Seen parallel zum Mattenbachweg mit dem Stadtzentrum. Sie wird bevorzugt ausgebaut, um sie als sichere und effiziente Fahrradstrecke zu etablieren. Dies entlastet den renaturierten Bachweg und bewahrt seine Ruhe für Spaziergänger und Naturliebhaber.
Die Planung geht nun mit Bedacht weiter. Auf Basis des prämierten Entwurfs wird ein Vorprojekt erarbeitet. Anschliessend ist ein weiteres partizipatives Verfahren geplant, um die Bevölkerung in den weiteren Prozess einzubinden. Die Stadt rechnet mit einem Baubeginn frühestens im Jahr 2030.
- Landschaftsarchitektur: Studio Céline Baumann, Basel
- Wasserbau: NRP Ingenieure AG, Weinfelden
- Verkehrsplanung: Schneiter Verkehrsplanung AG, Zürich
- Ökologie: OePlan GmbH, Rapperswil-Jona
- Sozialraum: Barbara Emmenegger und Katrin Oesch





