Im Kanton Thurgau verlassen sich über 60 Prozent der Haushalte mit Kindern unter 13 Jahren auf externe Betreuungsangebote. Eine neue Erhebung zeigt, dass Grosseltern dabei eine zentrale Rolle spielen. Fast die Hälfte der Haushalte, die zusätzliche Betreuung benötigen, wird von den Grosseltern unterstützt. Dies unterstreicht die Bedeutung generationenübergreifender Unterstützung in der Kinderbetreuung.
Wichtige Erkenntnisse
- 63 % der Thurgauer Haushalte mit Kindern unter 13 Jahren nutzen ergänzende Betreuung.
- In 43 % dieser Haushalte übernehmen Grosseltern die Betreuung.
- Junge Menschen wünschen sich im Durchschnitt zwei Kinder, aber jeder Fünfte möchte kinderlos bleiben.
- Das Modell «beide Teilzeit» wird von 50 % der Thurgauer befürwortet, jedoch nur von 7 % gelebt.
- Mütter tragen bei Krankheit der Kinder in 74 % der Fälle die Hauptlast.
Grosseltern als Rückgrat der Kinderbetreuung
Die aktuellen Daten des Amts für Daten und Statistik des Kantons Thurgau offenbaren ein klares Bild: Die familienergänzende Kinderbetreuung ist weit verbreitet. Nur etwas mehr als ein Drittel der Haushalte mit Kindern unter 13 Jahren kommt ohne externe Hilfe aus. Die Mehrheit, genauer gesagt 63 Prozent, greift regelmässig auf Unterstützung zurück.
Besonders hervorzuheben ist die Rolle der Grosseltern. Sie sind in 43 Prozent der Haushalte, die auf externe Betreuung angewiesen sind, die wichtigste Stütze. Dies zeigt, wie tief die familiären Bindungen und die generationenübergreifende Solidarität im Thurgau verwurzelt sind. Kindertagesstätten und schulergänzende Einrichtungen folgen mit 25 Prozent an zweiter Stelle. Auch Nachbarn und Bekannte leisten mit 12 Prozent einen Beitrag.
«Die Ergebnisse der Erhebung zu Familien und Generationen des Bundesamtes für Statistik liefern erstmals detaillierte Einblicke für den Thurgau und zeigen, wie stark sich Grosseltern in der Kinderbetreuung engagieren. Diese Unterstützung ist für viele Familien unverzichtbar.»
Faktencheck Grosseltern
- 47 % der Thurgauer zwischen 55 und 80 Jahren haben Enkelkinder.
- 37 % dieser Grosseltern betreuen mindestens einmal pro Woche ein Enkelkind unter 13 Jahren.
- 17 % hüten Enkelkinder seltener als einmal im Monat oder nur in den Ferien.
- 20 % der Grosseltern haben in den letzten 12 Monaten keine Enkelkinder gehütet.
Kinderwunsch und Lebensrealität
Der Kinderwunsch der jungen Generation im Thurgau ist deutlich ausgeprägt. Die Mehrheit der 20- bis 29-Jährigen, nämlich 55 Prozent, wünscht sich zwei Kinder. Insgesamt haben 83 Prozent der jungen Menschen einen Kinderwunsch. Dennoch plant fast jeder Fünfte, kinderlos zu bleiben (17 Prozent).
Ein Blick auf die ältere Generation der 50- bis 59-Jährigen zeigt eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität: Jede oder jeder Vierte in dieser Altersgruppe ist kinderlos geblieben. Dies deutet darauf hin, dass die Lebensplanung nicht immer mit den ursprünglichen Vorstellungen übereinstimmt.
Idealvorstellung versus Alltag: Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Die Frage nach der besten Organisation von Familien- und Erwerbsleben, besonders wenn Kinder im Vorschulalter sind, offenbart klare Präferenzen. Ein Vollzeitpensum beider Elternteile findet kaum Zustimmung; 96 Prozent der Thurgauerinnen und Thurgauer (im Alter von 15 bis 80 Jahren) lehnen dieses Modell ab. Stattdessen befürwortet jede oder jeder Zweite das Modell «beide Teilzeit».
In der Praxis ist dieses Ideal jedoch selten umgesetzt. Lediglich 7 Prozent der Familien mit einem jüngsten Kind unter drei Jahren leben dieses Modell. Bei Kindern zwischen vier und zwölf Jahren sind es sogar nur 6 Prozent. Dies zeigt die Herausforderungen, denen sich Familien bei der Vereinbarkeit von Beruf und Betreuung gegenübersehen.
Hintergrund der Erhebung
Die Daten stammen aus der «Erhebung zu Familien und Generationen» des Bundesamtes für Statistik. Erstmals liegen nun auch spezifische Ergebnisse für den Kanton Thurgau vor. Diese detaillierten Einblicke helfen, die Bedürfnisse und Herausforderungen von Familien in der Region besser zu verstehen und gezielte Massnahmen zu entwickeln.
Ungleichverteilung der Betreuungsaufgaben
Trotz der Idealvorstellung von geteilter Verantwortung zeigt die Realität oft eine ungleiche Verteilung der Betreuungsaufgaben. Mütter sind in den meisten Familien stärker in die Kinderbetreuung eingebunden als Väter. Besonders deutlich wird dies bei der Betreuung kranker Kinder: In 74 Prozent der Fälle bleiben die Mütter zu Hause.
Auch beim Ankleiden der Kinder übernehmen Mütter mit 56 Prozent den grössten Anteil. Tätigkeiten wie Spielen oder Zubettbringen werden hingegen von beiden Elternteilen wahrgenommen. Dies deutet darauf hin, dass traditionelle Rollenbilder in bestimmten Bereichen der Kinderbetreuung weiterhin stark präsent sind.
Finanzielle Belastung von Familien
Die finanzielle Situation vieler Haushalte im Thurgau ist stabil, doch für einen Viertel der Haushalte ist es schwierig, bis zum Monatsende finanziell über die Runden zu kommen. Haushalte mit Kindern sind dabei häufiger von finanziellen Schwierigkeiten betroffen als Paarhaushalte ohne Kinder. Dies unterstreicht die Notwendigkeit von Unterstützungsmassnahmen für Familien.
Generationenübergreifende Verantwortung
Die Mehrheit der Thurgauerinnen und Thurgauer (15 bis 80 Jahre) befürwortet die gegenseitige Verantwortung und Unterstützung zwischen den Generationen. 68 Prozent stimmen der Aussage zu, dass erwachsene Kinder ihre Eltern bei Pflege- oder Betreuungsbedarf unterstützen sollen. Bei finanziellen Schwierigkeiten der Eltern fällt die Zustimmung mit 57 Prozent etwas geringer aus.
Die neuen Daten bieten eine wichtige Grundlage für politische Entscheidungen und die Entwicklung von Angeboten, die den Bedürfnissen der Thurgauer Familien gerecht werden. Die Stärkung der familienergänzenden Betreuung und die Förderung einer ausgewogeneren Aufteilung der Betreuungsaufgaben bleiben zentrale Themen.




