Der Verein Dementality hat eine neue Kampagne lanciert, die auf den Orientierungsverlust bei Demenz aufmerksam macht. Die Aktion, die Plakate im öffentlichen Raum nutzt, thematisiert, wie vertraute Orte wie das eigene Zuhause für Betroffene fremd werden können. Ziel ist es, Spenden für Aufklärung, Begleitung und konkrete Unterstützung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zu sammeln.
Wichtige Punkte
- Die Kampagne von Dementality macht auf den Orientierungsverlust bei Demenz aufmerksam.
- Plakate im öffentlichen Raum simulieren Vermisstenanzeigen.
- Der Verein wurde von Su und Youn Bak nach der Demenzerkrankung ihrer Mutter gegründet.
- Gesammelte Spenden unterstützen Aufklärung, Begleitung und Alltagshilfe.
- Die Zürcher Agentur Andmore verantwortet Kreation und Produktion.
Das Zuhause wird fremd: Eine Kampagne mit Tiefgang
Die Kampagne von Dementality setzt auf ein starkes Bild: Sie nutzt das Format einer Vermisstenanzeige, um die innere Verwirrung und den Orientierungsverlust, den Menschen mit Demenz erleben, sichtbar zu machen. Auf den Plakaten im öffentlichen Raum steht nicht etwa eine vermisste Person, sondern die Vertrautheit des eigenen Zuhauses, die für Betroffene abhandenkommt. Dieses Konzept soll Passanten direkt ansprechen und zum Nachdenken anregen.
Die Gründerinnen des Vereins, Su und Youn Bak, haben die Kampagne aus eigener Erfahrung entwickelt. Ihre Mutter erkrankte an Demenz, und sie erlebten die Herausforderungen und Gefühle der Isolation aus erster Hand. Diese persönliche Betroffenheit prägt die Botschaft des Vereins und die gesamte Kampagne.
Faktencheck
- Weltweit leben rund 55 Millionen Menschen mit Demenz.
- Jedes Jahr kommen fast 10 Millionen neue Fälle hinzu.
- In der Schweiz sind schätzungsweise 153'000 Menschen von Demenz betroffen.
- Die Zahl der Demenzerkrankten wird bis 2050 voraussichtlich auf 315'000 steigen.
Persönliche Erfahrungen als Antrieb
Su und Youn Bak gründeten den Verein Dementality, weil sie während der Erkrankung ihrer Mutter oft das Gefühl hatten, mit ihren Sorgen allein zu sein. Dieses Gefühl der Isolation möchten sie anderen Familien ersparen. Ihre Initiative zielt darauf ab, ein Netzwerk der Unterstützung und des Verständnisses aufzubauen.
«Als unsere Mutter an Demenz erkrankte, hatten wir oft das Gefühl, mit unseren Sorgen allein zu sein», erklären Su und Youn Bak. «Mit unserer ersten OOH-Kampagne wollen wir sichtbar machen, was Demenz für Betroffene und ihre Familien bedeutet und daran erinnern, wie wichtig Geborgenheit ist. Wir möchten dazu beitragen, dass dieses Gefühl nicht verloren geht und Unterstützung dort ankommt, wo sie dringend gebraucht wird.»
Diese Aussage unterstreicht die emotionale Motivation hinter der Kampagne. Es geht nicht nur um Aufklärung, sondern auch darum, ein Gefühl von Zugehörigkeit und Sicherheit für Menschen mit Demenz und ihre Familien zu schaffen.
Konkrete Ziele der Spendenaktion
Die gesammelten Spenden sollen in drei Hauptbereiche fliessen:
- Aufklärung: Bereitstellung von Informationen über Demenz, ihre Symptome und den Umgang damit für die breite Öffentlichkeit und Angehörige.
- Begleitung: Unterstützung und Betreuung von Betroffenen und ihren Familien in verschiedenen Phasen der Krankheit.
- Alltagsunterstützung: Konkrete Hilfestellungen im Alltag, um die Lebensqualität von Menschen mit Demenz zu verbessern und Angehörige zu entlasten.
Diese Massnahmen sind entscheidend, um den Alltag von Demenzkranken und ihren Familien zu erleichtern. Der Verlust der Orientierung betrifft nicht nur räumliche Aspekte, sondern auch zeitliche und soziale Dimensionen, was den Alltag extrem erschweren kann.
Hintergrund Demenz
Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, die mit dem Verlust geistiger Fähigkeiten einhergehen. Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. Die Krankheit beeinflusst das Gedächtnis, das Denken, die Orientierung und die Persönlichkeit. Dies führt oft zu grossen Herausforderungen im täglichen Leben und erfordert umfassende Betreuung und Unterstützung.
Zusammenarbeit mit Andmore
Für die Kreation und Produktion der Kampagne hat Dementality die neu gegründete Zürcher Agentur Andmore beauftragt. Die Zusammenarbeit mit einer frischen und innovativen Agentur zeigt, dass der Verein auch bei der Umsetzung neue Wege gehen möchte, um maximale Aufmerksamkeit zu erzielen. Andmore war von der ersten Idee bis zur finalen Umsetzung für die Kampagne verantwortlich.
Die Wahl einer Zürcher Agentur unterstreicht auch den lokalen Bezug der Kampagne, auch wenn die Problematik der Demenz global ist. Die Botschaft soll in der Schweiz, wo der Verein seinen Ursprung hat, besonders stark resonieren.
Bedeutung von Kampagnen im öffentlichen Raum
Aussenwerbung (Out-of-Home, OOH) wie Plakate im öffentlichen Raum erreicht eine breite und vielfältige Zielgruppe. Sie ist besonders effektiv, um auf soziale Themen aufmerksam zu machen, da sie Menschen in ihrem Alltag begegnet und oft eine direkte, emotionale Wirkung erzielt. Die Vermisstenanzeige als Motiv ist hierbei ein besonders cleverer Schachzug, der zum Innehalten und Nachdenken anregt.
Solche Kampagnen tragen dazu bei, das Stigma rund um Demenz abzubauen und ein offeneres Gespräch über die Krankheit zu fördern. Indem sie die Herausforderungen sichtbar machen, können sie Empathie wecken und die Bereitschaft zur Unterstützung erhöhen.
Blick in die Zukunft: Mehr Verständnis und Unterstützung
Dementality hofft, mit dieser Kampagne nicht nur Spenden zu sammeln, sondern auch das allgemeine Verständnis für Demenz in der Gesellschaft zu verbessern. Ein besseres Verständnis kann dazu beitragen, dass Betroffene und ihre Familien weniger isoliert sind und mehr Unterstützung aus ihrem Umfeld erhalten.
Langfristig möchte der Verein dazu beitragen, dass Demenz nicht länger ein Tabuthema ist, sondern offen angesprochen und bewältigt wird. Die Schaffung von Geborgenheit und die Sicherstellung, dass niemand mit dieser Krankheit allein gelassen wird, stehen dabei im Mittelpunkt der Bemühungen von Su und Youn Bak.
Die Kampagne ist ein wichtiger Schritt, um die Öffentlichkeit für ein oft übersehenes Leiden zu sensibilisieren und konkrete Hilfe zu ermöglichen. Es bleibt zu hoffen, dass viele Menschen auf die Botschaft reagieren und den Verein in seiner wichtigen Arbeit unterstützen.





