Der Schweizer Gesundheitssektor steht vor grossen Herausforderungen. Der Fachkräftemangel in der Pflege ist seit Jahren ein zentrales Thema. Trotz politischer Initiativen und Bemühungen um bessere Arbeitsbedingungen bleibt die Situation angespannt. Neue Programme und Massnahmen sollen nun Abhilfe schaffen und den Beruf attraktiver machen.
Wichtige Erkenntnisse
- Pflegefachkräftemangel ist weiterhin eine grosse Herausforderung in der Schweiz.
- Lindenhofgruppe erhöht Löhne um 1% zur Attraktivitätssteigerung.
- Programme wie in Solothurn erleichtern ausländischen Fachkräften den Einstieg.
- Digitalisierung und Simulationstraining verbessern die Ausbildung.
Der anhaltende Mangel an Pflegefachkräften
Der Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal bleibt die grösste Engstelle im Schweizer Gesundheitswesen. Dies betrifft nicht nur Spitäler, sondern auch Langzeitpflegeeinrichtungen und Spitex-Dienste. Die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung und die Zunahme chronischer Krankheiten verstärken den Bedarf zusätzlich.
Die Situation führt zu einer erheblichen Belastung des bestehenden Personals. Überstunden und ein hoher Arbeitsdruck sind an der Tagesordnung. Dies trägt wiederum dazu bei, dass viele Fachkräfte den Beruf verlassen oder ihre Arbeitszeit reduzieren.
Faktencheck
- Der Bedarf an Pflegefachkräften wird sich Prognosen zufolge in den nächsten 10 Jahren weiter erhöhen.
- Rund 200'000 Pflegefachleute sind in der Schweiz tätig, doch der Bedarf ist höher.
Lohnmassnahmen und Attraktivitätssteigerung
Um die Attraktivität des Pflegeberufs zu steigern, ergreifen verschiedene Institutionen Massnahmen. Die Lindenhofgruppe in Bern hat beispielsweise beschlossen, die Lohnsumme für 2026 um insgesamt 1 Prozent zu erhöhen. Diese Massnahme soll die Position als attraktive Arbeitgeberin im Gesundheitswesen stärken.
Solche Lohnerhöhungen sind ein wichtiger Schritt. Sie senden ein Signal der Wertschätzung an die Mitarbeitenden. Dennoch sind sie oft nur ein Teil einer umfassenderen Strategie, die auch Arbeitsbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten umfasst.
«Ich verstehe die Ungeduld der 200'000 Pflegefachleute im Land. Sie fordern zu Recht die konsequente Umsetzung der Pflegeinitiative.»
GLP-Nationalrat und Pflegefachmann Patrick Hässig
Die Rolle der Pflegeinitiative
Die Schweizer Pflegeinitiative, die 2021 angenommen wurde, fordert bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne und eine Stärkung der Pflegeausbildung. Die Umsetzung dieser Initiative ist ein langwieriger Prozess. Viele Pflegefachkräfte empfinden die Fortschritte als zu langsam.
Es gibt Widerstand im Parlament gegen einige Aspekte der Initiative. Dies führt zu Frustration in den Pflegekreisen. Der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und -männer (SBK) äussert sich empört über die Verzögerungen.
Hintergrund: Die Pflegeinitiative
Die eidgenössische Volksinitiative «Für eine starke Pflege» wurde am 28. November 2021 von der Schweizer Bevölkerung angenommen. Sie fordert unter anderem eine Stärkung der Ausbildung, eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und eine angemessene Entlöhnung für Pflegefachkräfte. Die Umsetzung obliegt dem Bund und den Kantonen.
Neue Wege in der Ausbildung und Integration
Einige Regionen und Institutionen gehen innovative Wege, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Die Solothurner Spitäler haben gemeinsam mit der Volkshochschule ein Programm ins Leben gerufen. Dieses soll ausländischen Pflegefachkräften den Einstieg in den Schweizer Pflegealltag erleichtern.
Das Programm kombiniert Sprachförderung, Weiterbildung und praktische Einsätze. Es ist ein wichtiger Brückenschlag für Fachkräfte aus dem Ausland. Sie bringen oft wertvolles Wissen und Erfahrung mit, benötigen aber Unterstützung bei der Integration in das Schweizer System.
Safe Learning Spaces und Digitalisierung
Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) setzt auf moderne Ausbildungsmethoden. Im Bachelorstudium Pflege bereiten sich Studierende im «Safe Learning Space» auf herausfordernde Situationen vor. Hier können sie den Umgang mit Aggressionen und anderen schwierigen Patientensituationen trainieren.
Diese simulierten Umgebungen ermöglichen es den Studierenden, praxisnah und sicher zu lernen. Die Digitalisierung spielt auch eine immer grössere Rolle in der Pflegeausbildung. Virtuelle Realität und Simulationen sind Werkzeuge, die die Qualität der Ausbildung verbessern können.
Regionale Anpassungen und Leistungsangebote
Spitäler passen ihre Leistungsangebote an, um effizienter zu werden und auf den Fachkräftemangel zu reagieren. Die Lindenhofgruppe fokussiert ihr stationäres Angebot. Stationäre Leistungen und Physiotherapie des Engeriedspitals werden per Dezember 2025 an die Standorte Lindenhof und Sonnenhof verlagert.
Ambulante radiologische Leistungen bleiben jedoch am Standort Engeried bestehen. Diese Fokussierung ist eine Reaktion auf den Fachkräftemangel, wirtschaftliche Überlegungen und regulatorische Vorgaben. Das Ameos Spital Einsiedeln startet im Februar eine stationäre Reha für muskuloskelettale Erkrankungen. Dies zeigt eine Spezialisierung zur besseren Versorgung spezifischer Patientengruppen.
Wichtige Änderungen im Spitalwesen
- Verlagerung stationärer Leistungen der Lindenhofgruppe zur Effizienzsteigerung.
- Spezialisierung des Ameos Spitals Einsiedeln auf muskuloskelettale Rehabilitation.
Ausblick: Eine nachhaltige Zukunft für die Pflege
Die Herausforderungen im Schweizer Pflegebereich sind vielschichtig. Sie erfordern koordinierte Anstrengungen von Politik, Bildungseinrichtungen und Arbeitgebern. Es braucht nicht nur höhere Löhne, sondern auch bessere Arbeitsbedingungen, flexible Modelle und eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Ausbildung.
Die Integration ausländischer Fachkräfte und der Einsatz moderner Technologien sind entscheidende Elemente. Nur so kann der Pflegeberuf nachhaltig gestärkt und die Versorgung der Bevölkerung langfristig gesichert werden. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie erfolgreich diese Massnahmen umgesetzt werden und ob der Fachkräftemangel effektiv eingedämmt werden kann.





