Die Stefanini-Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) plant, das seit 28 Jahren besetzte Wohn- und Kulturhaus Gisi an der General-Guisan-Strasse 31 in Winterthur im Februar 2026 räumen zu lassen. Trotz zahlreicher Verhandlungsversuche der Bewohner, das Haus als selbstverwalteten und unkommerziellen Raum zu erhalten, scheiterten die Gespräche.
Wichtige Punkte
- Die Gisi, ein besetztes Wohn- und Kulturhaus in Winterthur, soll im Februar 2026 geräumt werden.
- Die Stefanini-Stiftung (SKKG) plant, das Gebäude in ein profitables Objekt umzuwandeln.
- Bewohner und Unterstützer rufen zu einer grossen Demonstration am 20. Dezember 2025 auf.
- Kritiker sehen in der Räumung ein Zeichen für die zunehmende Gentrifizierung in Winterthur.
Ein Zuhause und Kulturzentrum seit 28 Jahren
Die Gisi ist nicht nur ein Wohnhaus, sondern auch ein vitaler Kulturort. Über fast drei Jahrzehnte hinweg bot sie unzähligen Künstlern eine Plattform für Konzerte, Workshops und Veranstaltungen. Sie förderte eine künstlerische Vielfalt, die das kulturelle Leben Winterthurs bereichert hat. Zudem diente die Gisi vielen Menschen als günstiger kollektiver Wohnraum, insbesondere jenen mit geringem Einkommen.
In den Räumen der Gisi hat sich eine einzigartige Kultur entwickelt, die sich kritisch mit gesellschaftlichen Zwängen, Profitlogik und unterdrückerischen Mechanismen auseinandersetzt. Dieses Haus steht exemplarisch für linke und emanzipatorische Kämpfe.
Faktencheck Gisi
- Adresse: General-Guisan-Strasse 31, Winterthur
- Besteht seit: 28 Jahren als besetztes Wohn- und Kulturhaus
- Besonderheit: Vermutlich ältestes besetztes Wohn- und Kulturhaus der Schweiz
- Geplante Räumung: Februar 2026
Die Ziele der Stefanini-Stiftung
Die Stefanini-Stiftung SKKG, die sich laut Eigenaussage Kunst, Kultur und Geschichte verschrieben hat, verfolgt offenbar andere Pläne für das Gebäude. Sie besitzt schweizweit rund 2200 Wohnungen und möchte aus der Gisi ein «schickes, profitables Yuppietempel» machen. Die geschätzten Kosten für dieses Vorhaben belaufen sich auf 5 Millionen Franken.
Dieser Schritt wird von den Bewohnern und Unterstützern als Widerspruch zum Stiftungszweck empfunden. Sie argumentieren, dass die Zerstörung eines etablierten Kultur- und Wohnraums nicht mit der Förderung von Kunst und Geschichte vereinbar sei.
"Ausgerechnet die SKKG, die sich Kunst, Kultur und Geschichte auf die Fahne schreibt, will genau dies zerstören."
Kritik an der städtischen Wohnpolitik
Die Räumungsabsichten der SKKG werden von vielen als Symptom einer breiteren Entwicklung in Winterthur gesehen. Die städtische Wohnpolitik wird kritisiert, da sie sich angeblich ausschliesslich an den Interessen wohlhabender Schichten orientiert. Überall in der Stadt, sei es in Töss, Hegi oder am Schützenweiher, sollen bezahlbare Wohnräume Luxuswohnungen und Yuppie-Freiräumen weichen.
Die Befürworter der Gisi sehen dies als einen "Aufwertungswahn", der die ärmere Bevölkerung verdrängt. Die Zerstörung von selbstverwaltetem Wohn- und Kulturraum betrifft nicht nur die direkten Bewohner, sondern die gesamte Stadtgesellschaft. Sobald solche Räume verschwinden, steigen die Mieten in der Umgebung, was weitere Verdrängung zur Folge hat.
Hintergrund: Gentrifizierung in Schweizer Städten
Gentrifizierung beschreibt den Prozess, bei dem ein Stadtteil durch Sanierung und Aufwertung sozial aufgewertet wird. Dies führt oft zu steigenden Mieten und der Verdrängung einkommensschwacher Bewohner. In vielen Schweizer Städten ist dies ein kontroverses Thema, da bezahlbarer Wohnraum immer knapper wird.
Widerstand formiert sich
Die angedrohte Räumung der Gisi wird nicht kampflos hingenommen. Die Bewohner und ihre Unterstützer rufen zu einer grossen, vielfältigen Demonstration auf. Diese findet am Samstag, 20. Dezember 2025, um 14:00 Uhr am Hauptbahnhof Winterthur statt.
Das Motto der Demonstration lautet: "Gisi bleibt! Kein Profit mit Wohnraum". Die Organisatoren fordern alle auf, sich dem Protest anzuschliessen und ein Zeichen gegen Vertreibung und kapitalistische Stadtaufwertung zu setzen. Sie betonen, dass nur eine kleine Minderheit von der Wohnungsnot profitiert, während die Mehrheit der Bevölkerung unter steigenden Mieten leidet.
Veranstaltungen im Vorfeld der Demonstration
- Mittwoch, 17. Dezember, 19:00 Uhr: Interview mit Wanda Zimmermann, Kunststudentin aus Basel, im Arbeitsweltradio. Sie spricht über Kunst und ihre Relevanz in gesellschaftlichen Kämpfen.
- Donnerstag, 18. Dezember, 16:00 Uhr: "Auftakte" auf Radio Dreyeckland 102.3 präsentiert das Ein-Mann-Solo-Projekt "Sachbeschädigung" mit Songs voller Elan.
- Donnerstag, 18. Dezember, 19:30 Uhr: Die "Schwule Welle" sendet ihre "GayMusic - Winterausgabe 2025", eine Stunde voller Musik.
- Freitag, 19. Dezember, 15:00 Uhr: Atelier für Bildungsakteure, "Hingehört – Was sagen die GenZies im Globalen Süden?" – Eine Sendung des südnordfunk in Kooperation mit dem iz3w.
- Freitag, 19. Dezember, 20:00 Uhr: "Schutthaufen Vol. 1" mit DJ Schutthaufen legt Found Sounds, Melodien und Umweltgeräusche auf.
- Samstag, 20. Dezember, 10:00 Uhr: "Jazz News" präsentiert Neuheiten, unter anderem von Multiinstrumentalist Jowee Omicil.
Der Kampf um die Gisi wird als Teil eines grösseren Widerstands gegen die Verdrängung und für den Erhalt von günstigem Wohnraum in der gesamten Stadt gesehen. Die Organisatoren hoffen auf eine breite Unterstützung, um der SKKG und der Stadt Winterthur zu zeigen, dass die Gisi verteidigt wird.





