Bülach kommt vor den Gesamterneuerungswahlen nicht zur Ruhe. Nach dem Skandal um einen geheimen Wellnessbereich in der Kläranlage folgt nun der Rücktritt des Präsidenten der Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) zur Stadtpolizei. Zugleich wurde die Veröffentlichung eines brisanten Zwischenberichts zum Polizeiskandal durch den Bezirksrat gestoppt. Diese Entwicklungen werfen neue Fragen auf und halten die politische Landschaft in Bülach in Atem.
Wichtige Punkte
- Präsident der Untersuchungskommission tritt überraschend zurück.
- Zwischenbericht zur Stadtpolizei darf vor Wahlen nicht publiziert werden.
- Kredit für Untersuchung um 90'000 Franken erhöht.
- Geheimer Wellnessbereich in Kläranlage seit 2000 bekannt.
Der Rücktritt des PUK-Präsidenten
Thomas Obermayer (SVP), der Präsident der Parlamentarischen Untersuchungskommission, trat überraschend von seinem Amt zurück. Er verlässt nicht nur die Kommission, sondern auch per sofort das Stadtparlament. Dies geschieht nur zwei Wochen vor den Gesamterneuerungswahlen, bei denen Obermayer auf Listenplatz zwei kandidierte. Als Grund für seinen Schritt nannte er private Motive.
Sein Rücktritt schlägt hohe Wellen. Die PUK beschäftigt sich seit rund einem Jahr mit mutmasslichen Missständen und personellen Abgängen innerhalb der Stadtpolizei Bülach. Die Arbeit der Kommission ist von grosser Bedeutung für das Vertrauen der Öffentlichkeit in die städtische Verwaltung.
Faktencheck
- Kredit für PUK: Ursprünglich 100'000 Franken, nun um weitere 90'000 Franken aufgestockt.
- Dauer der Untersuchung: Rund ein Jahr.
Veröffentlichung des Zwischenberichts gestoppt
Eine weitere brisante Entwicklung betrifft den Zwischenbericht der PUK zur Stadtpolizei. Dieser Bericht sollte eigentlich noch vor den Wahlen veröffentlicht werden und Einblicke in die bisherigen Erkenntnisse der Untersuchung geben. Doch der Bezirksrat untersagte die Publikation per Präsidialverfügung.
Die Begründung des Bezirksrats ist formal: Das Geschäftsreglement sehe lediglich einen Schlussbericht vor, keinen Zwischenbericht. Dies bedeutet, dass die Öffentlichkeit die Ergebnisse der Untersuchung erst nach den Wahlen erfahren wird. Kritiker sehen darin einen Versuch, unangenehme Wahrheiten bis nach dem Urnengang zurückzuhalten.
«Die Transparenz leidet unter solchen Entscheidungen. Die Bürger haben ein Recht darauf, vor den Wahlen umfassend informiert zu sein.»
Hintergrund der Polizeiaffäre
Die Untersuchung der Stadtpolizei konzentriert sich auf verschiedene Vorfälle. Es geht um personelle Wechsel und angebliche Unregelmässigkeiten in der Führung. Die zusätzlichen 90'000 Franken, die das Parlament für die Abklärungen genehmigte, zeigen den Umfang und die Komplexität der Angelegenheit. Insgesamt stehen nun 190'000 Franken für die Aufklärung zur Verfügung.
Hintergrundinformation
Parlamentarische Untersuchungskommissionen (PUK) sind ein scharfes Instrument der parlamentarischen Kontrolle. Sie werden eingesetzt, um schwerwiegende Missstände oder Ereignisse zu untersuchen und die Verantwortlichkeiten zu klären. Ihre Berichte sind oft von grosser politischer Tragweite.
Der Sauna-Skandal in der Kläranlage
Die aktuelle Situation in Bülach verschärft sich durch den bereits bekannten Skandal um die Kläranlage. Dort wurde ein versteckter Wellnessbereich entdeckt. Dieser umfasste eine Sauna, eine Mehrpersonen-Badewanne, Duschen und Fitnessgeräte. Laut einem Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK) existiert diese Anlage mindestens seit dem Jahr 2000.
Besonders heikel ist die Rolle der zuständigen Stadträtin Andrea Spycher (SVP). Sie wusste nach eigenen Angaben seit 2021 von der Existenz dieses Wellnessbereichs, informierte die Öffentlichkeit jedoch nicht. Später räumte sie ein, dass eine offenere Kommunikation angebracht gewesen wäre.
Konsequenzen und öffentliche Reaktionen
Der Sauna-Skandal hat das Vertrauen in die Stadtverwaltung bereits stark erschüttert. Die neuen Entwicklungen rund um die Stadtpolizei und den gestoppten Bericht tragen zusätzlich zur Verunsicherung bei. Viele Bürger fordern volle Transparenz und rasche Aufklärung.
Die Häufung dieser Vorfälle kurz vor den Wahlen ist bemerkenswert. Sie dürfte die Diskussionen im Wahlkampf weiter anheizen und die Kandidierenden unter Druck setzen, klare Antworten und Lösungen zu präsentieren.
Blick in die Zukunft
Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Die Wählerinnen und Wähler in Bülach müssen ihre Entscheidungen unter diesen turbulenten Umständen treffen. Der Ausgang der Wahlen könnte massgeblich davon abhängen, wie die Bevölkerung die jüngsten Skandale und die Reaktion der Verantwortlichen darauf bewertet.
Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Details nach der Veröffentlichung des Schlussberichts zur Stadtpolizei ans Licht kommen werden und welche Konsequenzen dies für die Verantwortlichen haben wird. Die Forderung nach Transparenz und Rechenschaftspflicht bleibt zentral.





