In einer ehemals ruhigen Siedlung in Winterthur spitzt sich ein Nachbarschaftsstreit seit Jahren zu. Mehrere Bewohner berichten von wiederholten Drohungen, Beleidigungen und sogar körperlichen Angriffen durch eine Mieterin. Trotz zahlreicher Polizeieinsätze und Beschwerden fühlen sich die Anwohner von Verwaltung und Behörden im Stich gelassen.
Wichtigste Punkte
- Anwohner berichten von Morddrohungen und körperlichen Angriffen durch eine Nachbarin.
- Über zwölf Parteien haben sich bei der Verwaltung beschwert, fordern Massnahmen.
- Polizei bestätigt rund ein Dutzend Einsätze in den letzten zwei Jahren.
- Verwaltung Livit AG verweist auf Mietrecht und Persönlichkeitsschutz, schlägt Mediation vor.
- Anwohner lehnen Mediation ab, da die Polizei davon abrät, mit der betreffenden Person zu kommunizieren.
Jahrelange Konflikte in Winterthurer Siedlung
Monika Maurer, eine 56-jährige Bewohnerin aus Winterthur, lebt seit fünf Jahren in ständiger Angst. Sie und ihre Nachbarn erleben seit dem Einzug einer Mieterin in die Wohnung über ihr eine zunehmende Eskalation. Was einst eine friedliche Gemeinschaft war, ist nun von Furcht und Unsicherheit geprägt.
Die Probleme begannen kurz nach dem Einzug der Nachbarin Aylin T. mit Lärmbelästigung. Als Monika Maurer die neue Mieterin um Rücksicht bat, eskalierte die Situation schnell. Die Nachbarin soll Maurer angeschrien und versucht haben, sie mit einer Schüssel zu schlagen.
Faktencheck
- Fünf Jahre: So lange dauern die Konflikte bereits an.
- Über zwölf Parteien: So viele Haushalte haben sich offiziell beschwert.
- Rund ein Dutzend Einsätze: Die Winterthurer Polizei war in den letzten zwei Jahren mehrfach vor Ort.
Drohungen und physische Angriffe
Die Situation verschärfte sich mit der Zeit. Monika Maurer berichtet von unerlaubtem Betreten ihres privaten Sitzplatzes. Einmal soll die Nachbarin sogar einfach durch die offene Terrassentür in ihre Wohnung gekommen sein. Auf Anraten der Polizei hat Maurer mittlerweile eine Überwachungskamera installiert, um solche Vorfälle zu dokumentieren.
Vor zwei Jahren kam es zu einem weiteren gravierenden Vorfall. Aylin T.'s Tochter bedrohte Kinder in der Siedlung. Als Monika Maurer und ihr Partner eingriffen und das Mädchen zurechtwiesen, reagierte Aylin T. mit wütenden Schreien auf Türkisch. Eine spätere Übersetzung der Handyaufnahme zeigte, dass T. Maurer mit dem Tod drohte. Eine weitere Nachbarin, Pinar P., die selbst Türkisch spricht, bestätigte die Übersetzung der Morddrohung.
«Ich jage dir eine Kugel ins Gesicht!»
Monika Maurer über die jüngste Drohung ihrer Nachbarin
Weitere Berichte von Gewalt und Drohungen
Pinar P. (35) erzählt ebenfalls von beängstigenden Erlebnissen. Obwohl der Kontakt nach Aylin T.'s Einzug zunächst harmonisch war und Pinar P. sogar auf T.'s Tochter aufpasste, änderte sich dies nach rund zwei Jahren. Als Aylin T. Pinar P.'s Kinder anschrie, wollte ihr Mann sie zur Rede stellen. Die Situation eskalierte. T. drohte mit Gewalt und kündigte an, dass «etwas passieren» würde, wenn ihr Mann aus dem Gefängnis käme – der Grund für seine Haftstrafe ist den Nachbarn unbekannt.
Später am Abend erhielt Pinar P. eine Sprachnachricht, in der Aylin T. drohte, ihr den Kopf wegzupusten. Pinar P. erstattete daraufhin Anzeige.
Auch Ralf G., ein weiterer Nachbar, wurde Opfer eines Angriffs. Er wollte sich wegen Lärms beschweren, als Aylin T. ihn an der Tür mit einer Kristallvase attackierte. Ralf G. konnte gerade noch ausweichen. Er ist überzeugt, dass der Angriff sonst schwere Folgen gehabt hätte.
Hintergrund: Nachbarschaftsstreitigkeiten
Nachbarschaftsstreitigkeiten können das tägliche Leben stark belasten und reichen von Lärmbelästigung bis zu ernsthaften Bedrohungen. Das Schweizer Mietrecht setzt hier klare Grenzen für sofortige Kündigungen. Oft sind Vermittlungsversuche oder rechtliche Schritte notwendig, um eine Lösung zu finden. Die Polizei wird in der Regel bei konkreten Bedrohungen oder körperlichen Übergriffen aktiv.
Verwaltung und Polizei in der Kritik
Trotz der gravierenden Vorfälle – Polizeieinsätze, Drohungen und Beschimpfungen – zeigt sich die Verwaltung der Überbauung, die Livit AG, bislang zurückhaltend. Monika Maurer berichtet, dass die Verwaltung zunächst drei Beschwerden benötigte, um aktiv zu werden. Inzwischen liegen über zwölf schriftliche Beschwerden und eine Unterschriftensammlung vor, doch die Anwohner sehen keine Besserung.
Die Livit AG äussert sich aufgrund des Persönlichkeitsschutzes nur allgemein zu den Vorwürfen. Sie betont, dass das Mietrecht klare Grenzen für sofortige Kündigungen setze. Die Verwaltung erklärt, dass die Polizei bei einer ernsthaften Gefahr den Kontakt zur Verwaltung suche und notwendige Massnahmen empfehle, was in diesem Fall bisher nicht geschehen sei.
Es gäbe zudem mehrere Sichtweisen auf die Situation. Die Livit AG bestätigt, dass sich auch die betreffende Mieterin gemeldet und sich bedroht fühlt. Dies erschwert eine einseitige Betrachtung des Konflikts.
Abgelehnte Mediation und polizeilicher Rat
Als mögliche Lösung schlug die Verwaltung eine Mediation vor. Doch Monika Maurer und andere Anwohner lehnten diese Möglichkeit ab. Der Grund ist eindeutig: Die Polizei Winterthur hatte ihnen explizit davon abgeraten, mit Aylin T. zu kommunizieren.
Auf Anfrage bestätigt die Winterthurer Polizei, dass in den letzten zwei Jahren rund ein Dutzend Einsätze in der betreffenden Überbauung stattgefunden haben. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes können jedoch keine weiteren Details zu den einzelnen Fällen oder den beteiligten Personen genannt werden.
Die Redaktion versuchte, auch die Sichtweise von Aylin T. einzuholen. Nach einer anfänglichen Bitte um schriftliche Fragen reagierte sie auf weitere Anfragen nicht mehr. Die Nachbarn in Winterthur hoffen weiterhin auf eine baldige und nachhaltige Lösung, um in ihrer Siedlung wieder in Sicherheit leben zu können.





